bildungsfern macht beleibt

February 6th, 2008

Die Deutschen sind zu dick! Ein Blick in den Spiegel oder den halbwegs gefüllten Plenarsaal hätte gereicht, aber Verbraucherschutzminister Horst Seehofer wollte es wieder ganz genau wissen. Zwei von drei Männern und jede zweite Frau belasten ihre Couch mit zu vielen Pfunden. Und die erste deutsche Verzehrstudie (ja, die vom Seehofer) weiß noch mehr: Siebzig Prozent der Hauptschulabgänger sind übergewichtig, bei den abiturgeschmückten Bundesbürgern ist es nur die Hälfte.

Das Übergewicht ist also auch nur eine Folge. So wie hohe Arbeitslosenzahlen, PISA-Schlappen, Jugendkriminalität, vernachlässigte Kinder, die BILD-Zeitung, US-amerikanische Präsidenten und das Dschungelcamp. Die Ursache hingegen ist immer die Gleiche: fehlende Bildung.

"Fit statt Fett" (Verzeihung, natürlich "Initiative Gesunde Ernährung und Bewegung"), eine Initiative des Gesundheitsministeriums aus dem vergangenen Jahr, ist der völlig falsche Ansatz. Denn: doof macht dick, Verzeihung, bildungsfern macht beleibt.

Immerhin haben wir in Europa mal wieder einen Spitzenrang ergattert. Seit knapp einem Jahr sind wir die dicksten Europäer und haben uns an den Briten vorbei gezwängt. Oder haben sie uns vorbei wackeln lassen? In Großbritannien kann man ab sofort bei Mc Donald's sein Abitur nachmachen*. Vorerst nur als Mitarbeiter.

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*Endlich packen die das gewichtige Bildungsproblem an. Immerhin glauben laut einer Umfrage des Fernsehsender UKTV 20% der jungen Briten, Winston Churchill habe nie gelebt. 60% halten Sherlock Holmes dafür für einen überaus realen Zeitgenossen.
Die WELT mahnt uns aber, nicht zu lästern. Einige deutsche Jugendliche glauben, Walter Ulbricht war ein oppositioneller Liedermacher. 

achtung windwechsel!

December 6th, 2007

„Nur ein toter Fisch schwimmt mit dem Strom“, schrieben wir im Grundschulalter in fremde Poesiealben, auf Heftränder und Schulbänke. Was waren wir naiv! Heute wissen wir: Ein Radfahrer fährt niemals mit dem Wind. Das ist jetzt kein Revoluzzerwunsch für die Zukunft, sondern bittere Realität.

Ob auf dem Weg zur Uni oder nach Hause, zu Freunden, zum Sport oder ins Kino. Eingefleischte Radfahrer werden mir zustimmen: Der Wind kommt immer von vorn. Radneulinge in Leipzig machen häufig den Anfängerfehler, sich beim beschwerlichen Hinweg gegen orkanartigen Wind auf die turboschnelle Rückfahrt mit selbigem als Antrieb zu freuen. Sie werden immer bitter enttäuscht. Denn auf genau der gleichen Strecke hat es sich der Wind binnen weniger Stunden, ach was sag ich: Minuten, anders überlegt und bläst nun mit Vollgas in die Richtung, aus der wir kommen.

Es ist, als habe jeder Radfahrer seinen persönlichen Privatwind, der seinerseits Revoluzzer ist, weil: immer dagegen. Warum gibt es ihn denn überhaupt? Manche munkeln, es sei der „Wind of change“, der sich in Leipzig niedergelassen hat, nachdem er hier Ende der 80er Jahre seine größten Erfolge feierte. Doch die Meteorologen wissen es besser: Das Mikroklima ist Schuld. Oder eben die Stadtplaner jetziger und vergangener Zeiten. Denn die Leipziger Hochhausalleen holen die Winde aus ihrer Höhe auf die unsrige, wo sie sich munter miteinander vermischen und verwirbeln. Einfach gesagt: Sie wechseln ständig ihre Richtung. Und kommen uns deshalb, gefühlt, ständig entgegen. Genau genommen also doch ein „Wind of change“.

der markt hat mich durchschaut

September 10th, 2007

Gummibärchen sind ein Mysterium für sich. Es dauert wohl bei jedem “Gummibärchen-Anfänger” eine Weile, bis er herausbekommen hat, wonach die kleinen Gelatine-Tierchen eigentlich schmecken. Manche finden es vielleicht auch nie heraus, aber die meisten finden schnell ihren Lieblings- und ihren Hassbären. Ich mochte immer am liebsten die Gelben, ich hasste die Grünen. Irgendwann las ich dann einmal, dass die Grünen nach Erdbeere schmecken.

Das bestätigte, was ich schon immer wusste: Erdbeere schmeckt einfach nicht - außer als Erdbeere. Ich finde Erdbeerjogurt ebenso furchtbar wie Erdbeereis, Erdbeerbonbons, Erdbeermilschshake, Erdbeermarmelade und so weiter. Erdbeere schmeckt nur als rote, saftige, unzerquetschte Erdbeere. Und grüne Gummibärchen sind bääh.

Nun kam es aber, dass ich vor kurzem wie gewohnt in die Gummibärchentüte griff und plötzlich ein rotes Bärchen fürchterlich schmeckte. Entsetzt warf ich einen Blick auf die Tüte. Und da stand es: Haribo macht aus fünf Farben sechs. Grün ist ab sofort nicht mehr Erdbeere, sondern Apfel. Erdbeere ist Hellrot, Himbeere, das bisherige Rot, ist dunkler. Zumindest laut Hersteller.

Nun gut, dachte ich. Koste ich eben mal einen Grünen. Aber DAS ist ja noch schlimmer und bestätigte mich in einer These, die ich bisher noch gar nicht hatte. Apfel schmeckt nicht. Nicht als Saft, nicht als Schorle, nicht als Mus, nicht als Kuchen, nicht als Gummibärchen und vor allem nicht als Apfel. Nur dummerweise kann ich auch nicht hell- von dunkelrot unterscheiden. Darum mache ich jetzt um drei von sechs Sorten einen großen Bogen und suche in jedem verflixten Supermarkt nach den liebenswerten Fünfsortenbären.

Gummibärchen sind ja auch so beliebt, weil sie so wenig komodogen sind. Jaja. Gut für die Haut. Angeblich. Nun sind Gummibären aber für mich gestorben und - es stimmt also doch, der Markt befriedigt Bedürfnisse, noch bevor der Kunde wusste, dass er sie hat - springt eine Drogeriekette in die Bresche. Als ich dort vor ein paar Tagen durch die Regale lief, fand ich ein quietschoranges Gefäß mit unverschämt gutriechendem Inhalt, das verkündete: Für glückliche Haut.

Natürlich hab ich es gekauft. Ich spare ja jetzt extrem bei Süßigkeiten. Und irgendwo muss das Glück ja herkommen. Eine glückliche Haut ist schließlich besser als nichts. Vor allem, weil die Kosmetik weder Erdbeer-, noch Apfelaroma enthält.

liebe dauercamper

June 5th, 2007

ich habe da mal eine prinzipielle Frage: Welchen Teil Ihres Aufenthaltes auf einem Campingplatz würden Sie als Camping bezeichnen? Das Rasenmähen am Samstagnachmittag? Das kirmesähnliche Festzelt neben dem Wohnwagen, in dem sie Ihre Einbauküche samt Fünfjahresvorräte aufbewahren? Ihre mit Holzbohlen ausgelegte Terasse? Ihr fein-säuberlich angelegter Komposthaufen neben der Blumenrabatte? Ihre gefliesten Stufen vor dem Eingang? Ihre Hollywoodschaukel neben dem Schwimmbassin und der Sandkiste für die Kleinen? (Nur der Frage halber: Wenn Sie an einem See campen, warum spielen die Kleinen nicht am echten Strand im echten Wasser?) Oder doch an der SAT-Schüssel, die vom Wohnwagen ragt und die umliegenden Camper bis nach Mitternacht mit schauerlichen Krimi-Geräuschen versorgt?

Was ist der Unterschied zwischen Ihrem Campingpalast, des Ossis geliebter Datsche oder einem Einfamlienhaus? Richtig, Sie haben nur eine Etage. Ich kann Sie ehrlich gesagt nicht verstehen. Der Durchschnittsdeutsche hat am Samstag und Sonntag frei. Diese Tage nutzen Sie, liebe Dauercamper, um dann im Lieblings-Camping-Domizil Ihren Rasen zu mähen, Ihr Klo und Ihre Küche zu putzen, Ihrem typischen Fernsehkonsum nachzugehen (ab 20 Uhr zählt Glotze nur) und sich über das Wetter aufzuregen. Mal ehrlich: Hätten Sie da nicht auch zuhause bleiben können?

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Fragen, die mir bei unserem einwöchigen Campingurlaub vergangene Woche auf einem Zeltplatz in Brandenburg in den Sinn kamen. Während wir das Campen genossen, weil wir mal ein paar Tage nichts weiter zu tun hatten, als frische Luft atmen, in der Natur herumspazieren, frische Luft atmen, baden, Volleyball und Gitarre spielen, frische Luft atmen und Herumalbern, sahen wir griesgrämigen Dauercampern zu, wie sie ihr Wochenende damit verbrachten, sich so häuslich wie möglich einzurichten und genau die lästigen Tätigkeiten zu machen, denen man im Urlaub (oder am Wochenende zumindest so gut es geht) entgehen will…

fragen, die die welt bewegen

March 25th, 2007

Wie verdammt kam die Götterspeise zu ihrem Namen? Müsste sie nicht, in einem so monotheistisch geprägten Kulturkreis wie dem deutschen, Gottspeise heißen?

Und warum in aller Welt kann man die Hormone in der Anti-Babypille einfach schlucken und sie helfen, aber das Insulin müssen die Diabetiker spritzen, weil der Magen es sonst zersetzt? (Das konnte mir meine Biolehrerin in der zwölften Klasse schon nicht beantworten.) Das ist doch nicht gerecht. Sonst hieße Diabetikereis beim Eis-Dieler um die Ecke wohl etwas ganz anderes. “Nur echt mit einem Spritzer Hormone!”

Und wieso ist diese Marotte nicht aus den Köpfen der Menschen zu bekommen, irgendwelche externen Links nicht im neuen Fenster öffnen zu lassen? Ist denn das durchschnittliche Interesse der betreffenden Leser so gering, dass sie immer nur einen Link vom Blog abfassen wollen? Mannmannmann!

Und warum wird die Zeitumstellung nicht endlich abgeschafft? Es ist schon um sechs, dabei fühle ich mich wie gerade aufgestanden. Grr. Wenigstens haben die Briten (wer sonst) eine tolle Eselsbrücke zum Uhrenverstellen: Spring forward, fall back. Das kann sich wirklich jeder merken.

zeit ist…ja was eigentlich?

February 14th, 2007

Ich bin eine Frau. Wenn ich genau das den Frauen gerade zugerechnete Durchschnittsalter erreichte, hätte ich exakt 42.678.720 Minuten* zu leben. Dann wäre mein Leben um. Rumgebracht habe ich davon schon 10.512.000. Ungefähr.

Was aber macht man nun eigentlich mit 42.678.720 Minuten? Wie kann man sie am Sinnvollsten verbringen? Wissen in sich hineinstopfen, Herumreisen? Gedanken in die Welt tragen? Menschen kennenlernen? Alles ausprobieren? Meditieren? Die Welt retten? Nützliches erfinden? Freude und Glück in die Welt tragen? Wenn Allensbach die Deutschen fragte, wären wahrscheinlich alle diese und noch mehr Antworten dabei. Es ist einfach nicht zu sagen. Kein Philosoph kann sich anmaßen zu sagen: “That’s the point. And nothing else.” Zumindest würde ihr jeder verhöhnen. “Was weißt Du schon von meinem Leben?”

Aber wissen wir es selbst? Verwenden wir unsere 42.678.720 Minuten sinnvoll? Füllen wir sie mit dem, was wir für lebenswert erachtet haben? Wenn wir reisen, um die Welt zu sehen. Was sehen wir dann? Sieht der mehr, der einfach durch Straßen, Wälder und Berge streift, schaut, auch mal stehenbleibt oder sich hinsetzt. Oder der, der durch die selben Straßen, Wälder und Berge streift, aber schnell, schnell, schließlich gibt es soviel zu sehen, soviel zu hören. Man ist ja nicht immer hier. Und die Welt ist groß. Knips. Knips. Knips. Und jeden Tag 300 Fotos. Angesehen werden sie erst zuhause. Eingeklebt und rumgezeigt: Da war ICH. MEINE Fotos. Toll, nicht?! Wirklich so toll? Kann man sich dann nicht einfach einen hervorragenden Bildband kaufen und war genauso da. Hat ebenso viel gesehen, wie durch die Linse der Kamera?

Und was ist mit dem, der den ganzen Literaturkanon gelesen hat. Der alle wichtigen philosophischen Werke von Antike bis Neuzeit durcharbeitete, der zu jedem Thema etwas sagen kann, der Hermeneutik genauso schnell und einleuchtend erklärt wie Abseitsfalle. Hat er seine 42.678.720 Minuten gut genutzt? Oder ist es doch der, der den halben Literaturkanon nicht gelesen hat, weil er Stil, Thema und Sprache der Texte nicht mochte? Der lieber ein Dutzendmal einen nicht gelisteten Roman gelesen hat, aber wie aus der Pistole geschossen sein Lieblingsbuch nennen kann. Der zwar weiß, dass Margaret Thatcher das Softeis erfunden hat, aber nicht, seit wann es eine U-Bahn in Berlin gibt.

Oder der, der wütet und wütet. Und schreibt und schreibt. Ein wahrer Poet. Ein Großer in Worten. Der Welten erfindet und seinen Namen auf Bestsellerlisten wiederfindet. Der alles, was ihm auf dem Herzen liegt, in die Welt rufen kann - und die hört ihm sogar zu. Macht dieser Jemand es richtig? Oder verliert er nicht den Bezug zur Welt? Weil er nur zwischen Recherche und Niederschrift hin- und herschwankt. Und vor lauter Schreiben schon seit einem Jahr seine Mutter nicht mehr gesehen hat. Oder ist es der, der seine Gedanken niederschreibt, wenn sie ihm eben kommen. In der U-Bahn, zwischen zwei Träumen, beim Zähneputzen. Der davon träumt ein Buch zu veröffentlichen - und es vielleicht sogar irgendwann tut. Aber eigentlich für sich selbst schreibt. Weil er ein Leben hat, dass es zu verarbeiten gilt. Und nicht eine Arbeit, die mit der Zeit zu leben beginnt.

Wie lang könnte die Liste sein. Wie lang. Doch sie beantwortet nichts. Wenn man diese Stereotypen den repräsentativen Allensbach-Leuten vorlegte, würde man für jeden Fürsprecher finden. Vielleicht würde sich eine Mehrheit bilden, vielleicht auch nicht. Doch 42.678.720 Minuten wollen gut gefüllt sein. Vielleicht ist es ja eine Mischung aus allem. Aus Gedanken in die Welt tragen und fremde Gedanken aufnehmen. In Leben und anderen beim Leben zusehen. In Nützliches erfinden und Erfindungen entdecken. In Kunst produzieren und Kunst rezipieren. In Glück nehmen und Glück geben. In Weltretten und Schweinsein. Und wichten muss jeder selbst. Mehr und weniger. Oben und unten. Und wenn man Glück hat, kommt ein süßer Kuchen heraus, von dem man jeden Morgen gern ein Stück nimmt. Auch wenn er immer kleiner wird.

Das lässt sich nicht verhindern. Dann sollten wir auch jeden Krümel genießen, damit er nicht umsonst verloren ist. “Dein Herz schlägt einmal weniger mit jedem Schlag”**

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*Ein deutscher Mann hätte demnach 39.577.680 Minuten zu leben.
** Thomas D.

plötzlich sind alle deutschen glücklich

February 14th, 2007

Was ist nur mit uns Deutschen los? Laut einer Allensbach-Umfrage sind rund 84 Prozent der Bundesbürger glücklich!!! 84 Prozent?!? Wie das? Sind wir nicht das Land der Meckerer und Nörgler? Waren WIR das nicht, die ein halbes Jahr danach immer noch nicht zum Italiener gehen und jedem FIAT ein “Lieber Dritter als Petze” hinterher rufen? Sind wir das nicht, die jedem ordentlich eins hupen, der nicht 0,3 Sekunden nach einer auf grün springenden Ampel über die Kreuzung düsen? Geben nicht wir dem Kellner kein Trinkgeld, nur weil er nicht ganz 0,5 Liter Bier angebracht hat? Sind es nicht die Deutschen, die morgens sieben Uhr ihre Handtücher an fünf verschiedenen Orten in der Hotelanlage verteilen, damit wir nachmittags um drei auch ja einen bequemen Platz haben?! Und das sollen jetzt alles nur die 16 Prozent der Unglücklichen sein?

Ach herrje. Es möchte sich einem der Gedanke aufdrängen, auch hier habe eine gewichtige Lobbygruppe ordentlich geschmiert. Aber wer sollte das sein? Was soll man glücklichen Menschen schon noch andrehen? Oder ist es einfach nur wieder die fehlende Selbstkenntnis. Stopft der Deutsche, sobald er die Frage vom Allensbach-Personal gestellt bekommt, alle vollgeheulten Taschentücher, durchwachten Nächte, verspeisten Frustschokoladen, halbfertigen VooDoo-Puppen und das halbe Dutzend Selbsthilfebücher gedanklich in die Rumpelecke des Gehirns, in der das Licht so schlecht ist, dass sie es nicht mehr so recht sehen können?

Jedenfalls hat dieses neue deutsche Glücklichsein ja durchaus seinen Reiz. Wenn mir das nächste Mal eine Oma unfreundlich kommt, weil ich bei Aldi nicht schnell genug meine gerade erworbenen Konsumgüter in meine Tasche verfrachte, damit sie abkassiert werden kann, werde ich mich lässig umdrehen und fragen: “Na, gehören Sie etwa zu den armen 16% der deutschen die vergrämt und unglücklich sind?” Wozu Allensbach-Umfragen nicht alles gut sind…

weimar goes kapitalism

January 17th, 2007

Wer kennt es nicht, das Spiel, das uns zu aluminiumigen Schuhen und Bügeleisen degradiert, uns Plastikhäuser auf kleine rechteckige Felder setzen und jede Menge H&M-farbener Geldscheine (vornehmlich blasspink und blassgrün) untereinander und mit viel Zähneknirschen tauschen lässt? Richtig, Monopoly.

Wer es leid ist, eine Berliner Straße oder eine Schlossallee zu kaufen, der konnte bisher nur auf eine der tollen Stadtversionen umsteigen. Monopoly Berlin, Monopoly Leipzig, Monopoly Sommerloch. Alles sehr schön. Doch Hasbro ist mit seiner Kreativität noch lange nicht am Ende. Jetzt wird wieder alles neu. Jetzt werden deutsche Städte aufs Brett gewählt.

Ganz demokratisch. Und man darf auch Weimar wählen. Jawohl. Alle lieben Leser dieses Blogs sind aufgerufen, dies unverzüglich und ohne weiteres Nachdenken zu tun. Alle anderen Städte sind zu ignorieren. Wer nicht Weimar wählt, ist doohoof. Ganz einfach bei monopoly registrieren und jede Woche brav das Häkchen bei Weimar und dem Leipziger Hauptbahnhof machen. Klingt einfach, ist es auch.

Ein bisschen Engagement braucht es schon, wenn wir Weimar hochhieven wollen. In den Gesamtcharts der seit Montag laufenden Aktion ist Weimar in den Top 5 nicht aufgetaucht (Dafür aber die langweiligen “Mich-mag-jeder” Städt Berlin, Hamburg, Frankfurt, München und Köln). Allerdings haben wir uns schon in die Top 5 Gruppe “Region Ost” reingeschmuggelt.

biologische notwendigkeit

January 16th, 2007

In der aktuellen NEON findet sich ein Interview mit einem gewissen Herrn Grammer , einem Evolutionsbiologen. Dieser lamentiert über den Sinn und Zweck und die Messbarkeit der Schönheit. Klingt nicht neu, ist es auch nicht. Interessant wird es erst am Ende. Die monogame und ewige Liebe/Beziehung zwischen Mann und Frau sei evolutionsbiologisch Schwachsinn. Also: ein naturalisierender Grund, warum jede zweite Ehe in Deutschland geschieden wird.

Eigentlich eine gottgegebene Sache. Welcher Idiot hat nochmal die Ehe erfunden? Richtig. Die Natur selbst. Dank der tollen zdf-Dokumentationen weiß ich nämlich seit letzter Woche, dass Gelbbaucharas ihr ganzes Leben, das sind immerhin 40-50 Jahre, zusammen verbringen. Zu zweit. Aber wahrscheinlich ist die Erkenntnis, dass Monogamie bis ans Lebensende Schwachsinn ist, nur noch nicht bis in den peruanischen Regenwald vorgedrungen. Oder zu all den anderen Tierpaaren, die sich nie wieder entknubbeln.

Stimmt jetzt die Evolution nicht (Plädoyers der Kreationisten immer “erwünscht”…) oder stimmt die Forschung darüber nicht? Oder bestimmt Genabschnitt 211 auf Chromosom 12, was fertilisationstechnisch sinnvoll ist? Die Natur schweigt sich darüber aus.

zwischen den jahren

December 28th, 2006

Ja, die Meteorologen hatten alle recht: Wäre Weihnachten ein paar Tage früher oder später, gäbe es viel häufiger weiße Weihnachten. Blöd, dass die katholische Kirche vor fast 2000 Jahren nicht die Meteorologen gefragt hat, das haben wir alle jetzt davon.

Denn heute ist es passiert. Der weiße Flaum ist vom Himmel gepurzelt. Ganz scheu und lautlos. Plötzlich war das Dachfenster milchglasig und nicht mehr zu durchschauen. Der 40 Meter lange Weg zum Briefkasten ersparte einmal Haare waschen, dafür gab es Wischwasser für die Fliesen. Draußen bekam man allerlei Kopfbedeckungen zu Gesicht. Bommelige, Wollige, Ledrige, Bunte, Einfarbige, Passende, Unpassende und den Alleskönner-Schirm in vielerlei Alarmfarben. Sozusagen die Nebelschlussleuchten für Schneegängerpassanten. Und, zumindest in meinem Fall, eine top kalte-Wassertropfen-den-Nacken-runterrinn-aufhalt-Konstruktion.

Und überall sonst: Schnee. Soweit das Auge reicht, und weit reichte es nicht. Kaum liegt er da, nimmt er sämtliche Graustufen an. Er wird zertreten, aufgehoben, geformt, geworfen. Einige Rutschbahnen mitten auf dem Gehweg. Der eine schlittert fröhlich darauf entlang, der nächste sitzt, dem Gesicht nach zu urteilen eher unfreiwillig, darauf. Ein Passant grinst schelmisch. Aber nicht über den Ausgerutschten, nana, sondern über die eigene Vorsicht, rutschfeste Stiefel anzuziehen.

In der Zeitung konnte man gestern noch lesen: “Der Winter lässt weiter auf sich warten“. Da hat wohl wieder jemand nicht die Meteorologen befragt. Doch vielleicht war das auch nur ein klimatärer Ausrutscher. Ungeplant. Ein Wolke hat einfach die Contenance verloren. Denn mit der Dunkelheit kommt der Regen zurück. Löst die weißen Flecken auf, erinnert uns, dass der Winter abgeschafft wurde. Von den Kyoto-Protokoll-Missachtern und all den FCKW-Kühlschränken auf der Welt. Jawohl.

Aber dafür hat ein mitteldeutscher Radiosender eine neue Jahreszeit erfunden. “Zwischen den Jahren“. Was sie damit wohl meinen? Ich bin nie dazwischen. Immer entweder in dem einen oder in dem anderen. Aber vielleicht können diese Moderatoren ja stundenlang auf der Datumsgrenze balancieren. Die Glücklichen.