stand der dinge

October 25th, 2009

Wenn du vor mir stehst und mich ansiehst,
was weißt du von den Schmerzen,
die in mir sind und was weiß ich von deinen.

Und wenn ich mich vor dir niederwerfen würde
und weinen und erzählen,
was wüßtest du von mir mehr als von der Hölle,
wenn dir jemand erzählt, sie ist heiß und fürchterlich.

[franz kafka]

schwarz

August 3rd, 2009

Wenn wir schlafen nimmt uns das Leben
Menschen und Hoffnung und Zeit
und sind wir auch wachend
- ob weinend, ob lachend -
bekämpft uns die Ewigkeit

Diagnose unheilbar
die Angst wird unteilbar
und wird doch von allen geteilt

Schwarz sind die Tage
es war nur eine Frage
innerer Sicherheit

Wenn wir leben nimmt uns das Leben
Träume und Frieden und Sinn
selbst wenn wir erstarren
in Trauer verharren
der Schmerz weiß immer wohin

[für s.]

alltagsweisheiten

May 15th, 2009

“Es kommt nicht darauf an, was man aus uns gemacht hat,
sondern darauf, was wir aus dem machen,
was man aus uns gemacht hat.”

[jean-paul sartre]

alltagsweisheit

May 11th, 2009

“Der Kapitalismus basiert auf der merkwürdigen Überzeugung, dass widerwärtige Menschen aus widerwärtigen Motiven irgendwie für das allgemeine Wohl sorgen werden.”

[John Maynard Keynes nach der Wirtschaftskrise von 1929, recyclet von Cordt Schnibben im aktuellen SPIEGEL]

- So ein kurzes Zitat ist schon zu lang für twitter. 140 Zeichen sind einfach nicht genug für tiefgründige Gedanken. Ich weiß, ich weiß, der Journalist ist nie zufrieden mit dem Platz, der ihm zur Verfügung gestellt wird. Es könnte immer noch ein bisschen mehr sein. Deswegen hat er ja in den neuen modernen Zeiten auch ein Blog, in dem er alles unterbringen und mit der Welt teilen kann. Zum Beispiel erheiternd treffige Zitate aus der Vergangenheit über die Gegenwart. Manches ändert sich eben nie.

bemerkenswert

April 15th, 2009

Erst die Erinnerung muss uns offenbaren
die Gnade, die das Schicksal uns verlieh.
Wir wissen stets nur das wir glücklich waren,
doch das wir glücklich sind, wissen wir nie.

Johann Wolfgang von Goethe
(1749 bis 1832)

Ja, ich lebe noch. Und ja ich weiß, dass ich gerade glücklich bin. Und es lange nicht war. Ich wünsche dem Herrn Goethe, dass er dieses Gefühl auch gekannt hat. Nicht nur das von ihm oben beschriebene.

bemerkenswert

January 23rd, 2009

Wer nicht an Wunder glaubt,
der ist kein Realist.

[david ben gurion, israelischer premierminister 1955 - 1963]

wieder allein.

October 2nd, 2008

Das ungesprochne Wort
erweist sich immer mehr
als größter Klotz des Alltags

Zuvor am gleichen Ort
geht bald heimlich einher
die starke Axt des Rückschlags

Schienen sich so nah
wie Zwillingsschwestern nur
klang nach Unendlichkeit

So unnahbar
war ihrer Grundnatur
immer nur Schweigen
nie ein kleiner Streit

Die Welt dreht weiter
nahm uns zwei auch mit
doch nicht im gleichgesinnten Boot

Der Riss wird breiter
ganz nah ist der Split
die Verbindung ist tot

statt lachend befreit
von den fesselnden Masken
durch diese entzweit
sie tragen die Lasten

wieder allein.

zitiert

September 23rd, 2008

Du sagtest, dein wirkliches Wesen würde niemand ertragen, du müßtest dich ständig transponieren, um einen Platz in der menschlichen Welt zu finden. 

[magda szabó] 

apropos werther

September 13th, 2008

O meine Freunde! Warum der Strom des Genies so selten ausbricht, so selten in hohen Fluten hereinbraust und eure staunende Seele erschüttert? - Liebe Freunde, da wohnen die gelassenen Herren auf beiden Seiten des Ufers, denen ihre Gartenhäuschen, Tulpenbeete und Krautfelder zugrunde gehen würden, die daher in Zeiten mit Dämmen und Ableiten der künftig drohenden Gefahr abzuwehren wissen.

[johann wolfgang von goethe, einmal werther-lieblingszitat für alle...] 

vom leben gelernt

July 14th, 2008

So fangen wir irgendwann an,
auf der Linie zu balancieren,
die das Eine vom Anderen trennt.
Schwarz und Weiß,
Liebe und Freundschaft,
Beruf und privat,
Kopf und Herz,
Traum und Realität.

Weil wir Menschen nicht das "oder" wollen
- sondern das "und".