lektionen der technik

April 21st, 2009

Was ist das denn?

Seit Stunden geht das T-Mobile-Netz nicht und das Schlimme - ich hab’s nicht mal gemerkt. Wenn man mit der besten Freundin bis halb Sieben in der Uni sitzt und sowieso nicht erreichbar ist, weil beschäftigt, merkt man gar nicht, dass man von seiner virtuell-erreichbaren Umwelt abgeschnitten ist. Das Handy-Display verspricht nämlich vollen Empfang und benennt auch das richtige Netz.

Trotzdem sind in meinem E-Mail-Postfach Beschwerden, ich würde nicht auf SMS antworten. Und dann ganz plötzlich - mit dem Gefühl, das mir von meinem Mobilfunkanbieter etwas vorenthalten wird - jetzt stört es mich.

Ja, liebes T-Mobile-Entstörungs-Team. Eure Netzstörung stört mich!

Ich habe nämlich keinen Festnetzanschluss.

das b-wort

November 12th, 2008

Schon mal mit Shakespeare durch die Stadt gegangen? Keine ruhige Minute hat man da. Von allen Seiten raunt und tuschelt es. Mit dem Finger zeigen sie auf uns. Regelmäßig wird er fotografiert. Am Anfang dachten meine Familie und ich, das sei nur eine Übergangsphase. Die Passanten würden sich schon an ihn gewöhnen. Außerdem würde er ja auch noch wachsen.

Aber nichts. Das Fingerzeigen, Tuscheln und Fotografieren ging weiter. Es wurde sogar noch schlimmer. Sie kamen an, hätschelten ihn am Kopf.“Ja gutschi, gutschi,  bist Du aber ein wunderschöner Hund.“ Wenn manche Menschen einen Hund sehen, verlieren sie alle Hemmungen. Sie vergessen, dass es sich auch bei einem Hund um  ein Individuum handelt, das nur zu höflich ist, um ihnen sofort die Nase abzubeißen. Rechtlich ist unser Shakespeare sogar ein Gegenstand. Was würden  all die Tätschler,  sagen, wenn ich am hellerlichten Tage ihr Auto streichelte: „Ja gutschi, gutschi, bist Du aber ein schönes Auto!“

Heute aber war ich kurz davor, meine Höflichkeit zu vergessen. Als ein übergewichtiger, glatzköpfiger Prolet mit Mundgeruch auf Shakespeare zurannte und ihm einen Nasenkuss verpasste. Mehrere Sekunden lang. Völlig unbeirrt von der Tatsache, dass ich mit meiner Familie die Augenbrauchen synchron in die Höhe schnell ließen. Meine gute Erziehung verbot mir zu sagen: „Zahlen Sie dann auch den Psychologen, der meinen Hund von diesem Trauma befreit?“

Am Schlimmsten sind allerdings die, die mich bei Frostgraden kurz nach der Dämmerung im Park auf meinen schönen Hund ansprechen und mit ihrem vermeintlichen Wissen protzen. „Der ist noch jung, hm?“ – „Ja, 14 Monate.“ – „Da wächst er bestimmt noch.“ – „Ein wenig.“  Dann, mitten aus frostigem und noch nicht ganz blauem Himmel kommt es, das B-Wort:  „Alle Bernhardiner, die ich kenne, sind viel  breiter.“ – „Schön, nur gut, dass Shakespeare ein Berner Sennenhund ist.“

Kann man ja mal verwechseln. So einen schwarzen Hund mit weißen und braunen Flecken mit einem weißen Hund mit braunen Flecken. Meine Lieblingsantwort: „Achso, dann ist der also auch gar nicht nach dem Film ‚Ein Hund namens Beethoven‘  benannt?“ Nein,  genau genommen war Shakespeare der größte englische Dichter und hatte weder braune Flecken, noch ein Rumfäßchen um den Hals.

[will sagen - der November-student! ist da und liegt überall, wo Studenten zum Studieren hinkommen...die Kolumne ist auch drin, aber die kennt ihr ja jetzt schon]

feiertagsblues

October 31st, 2008

Was für eine Freude, als heute morgen die Sonne durch die Ritzen der Rollos lugte. Doch lange blieb sie nicht. Jetzt ist es grau, ich bin müde. Arbeit gibt es immer, aber nicht immer ausreichende Ressourcen dazu. 

Herbst nennt man das gemeinhin. Auch den Seelenzustand. Und ich kann mich nicht mal daran festhalten, dass Luther so viele Jahre vor mir Thesen nicht an die Wittenberger Kirche nagelt, auch wenn sie das Gerücht geflissentlich hält. Ich kann mich auch nicht darüber ärgern. Weder die alte noch die neue Kirche ist die meine. Und auf meinem Fleckchen Erde isst man gerne Kürbis, aber schnitzt keine Fratzen hinein, oder macht nochmal Klingelpartie, weil heute der einzige Tag ist, in dem es dank amerikanischem Kultureinfluss gesellschaftlich legitimiert ist, fremden Leuten auf die Nerven zu gehen. Die finden dann noch irgendwo die Nugateier vom letzten Weihnachten. Oder die Schokoosterhasen. Aber es geht ja auch nicht um Süßes. Schließlich sind wir spätestens seit diesem Jahr eine Fitness-Gesellschaft mit integriertem Ampelsystem beim Einkaufen. Es geht ja nur ums Klingelndürfen. Ich bin für sowas nicht da. Wenn unsere Klingel nicht sowieso schon nicht ginge, würde ich dafür sorgen, dass sie nicht geht. 

Als letzter Lichtblick bleibt immer nur Musik

Wie das Wetter wohl in Schweden ist? 

eine minute glückseligkeit.

October 3rd, 2008

Der Sommer fängt an zu rosten und fällt rot und gelb auf die Straßen. Die Wolken werden grauer, aber sind immer seltener zu sehen, denn die Nacht steht immer früher auf. Selbst die glühend rote Gerbera in meinem Fensterbrett verblüht, obwohl sie die Kälte nur hinter Glas sieht, wie im Zoo.

Doch wenn die Tage nur noch lang bekleidet lebbar sind, dann öffnen in Kleinstädten wieder die Schwimmhallen. So auch hier. Chlorwasserbadewanne mit meerblauen Fliesen, sieht nicht wie Südsee aus und verheißt doch Entspannung. Unter Wasser ist die Sicht so klar. Abstoßen vom Beckenrand und unter Wasser fliegen. Mit möglichst wenig Bewegung. Das Wasser trägt schon - von allen Seiten. Dann ein paar Züge und schon ist der Rhythmus da. Arme und Beine graben sich ein in das Wasser, das zunächst unangenehm kalt ist, dessen Temperatur dann immer unwichtiger wird. Der Rhythmus ist entscheidend, er wird immer gleichmäßiger, unter Wasser Luft freisetzen und ihr beim Auftauchen zu sehen, immer langsamer denken und immer schneller schwimmen. Es ist leer am Abend, Platz zum Leben, Platz zum Entspannen. 

Der Körper heizt sich auf. Jetzt ist er so warm, dass die Schwerelosigkeit im Wasser noch deutlicher wird. Am warmen Körpfer gleitet das kalte Wasser vorbei, gleichmäßig. Es ist nicht mehr unangenehm, sondern kühlt. Kühlt den Kopf und die Seele. Richtige Betriebstemperatur. Wie das Wasser gleiten die Gedanken vorbei, sie können sich nicht festhalten, sie bleiben zurück hinter der regelmäßigen Atmung, hinter den Kopf-, Arm- und Beinbewegungen. Sie würden stören in dieser Einheit. Sie sind nur eine kleine Erinnerung an das Leben außerhalb des Beckens, in dem die Schwerkraft ihnen hilft, sich bis in die innerste Synapse durchzuquetschen, festzubeißen und dort zu bleiben. Hier bin ich frei. Die Lichter unter Wasser gehen an. Wenn man nah genug vorbei schwimmt, wärmen sie für einen kleinen Augenblick. Die Welt scheint sich umzukehren. Das Licht kommt von unten, also von oben. Ich tauche ab, um Luft zu holen und bin an der Oberfläche zuhaus. Den blauen Fliesen, auf denen ich lautlos liegen kann. Verweilen - bis mir die Luft ausgeht. Eine Minute Glückseligkeit. 

(irgendwann soll es wieder so sein. und es sollen vier hände sein…nicht nur zwei) 

frühstücksgedanken

September 6th, 2008

Der Gesetzgeber macht das Werbung hören wirklich immer lustiger. Heute morgen Lotto-Werbung für die Samstagsziehung. Dann der formvollendete Text: Achtung, Teilnahme erst nach Vollendung des 18. Lebensjahres. Glücksspiel kann süchtig machen!

 Mehr davon! Meine Vorschläge: "VW. Das Auto. Fahren nur mit dem Führerschein der Klasse B. Achtung, Autofahren kann tödlich sein."

Oder wie wäre es mit: "Mc Donald's - ich liebe es! Achtung, diese Werbung kann in die Irre führen. Für gewöhnlich haben regelmäßige Fast-Food-Konsumenten nicht so eine Figur wie Werbeträger Heidi Klum."

Aber mein Favorit: "Rewe - jeden Tag ein bisschen besser! Bitte beachten Sie: Alkohol, Zigaretten, Kaffee, Tee, Schokolade, Eis und Shoppen können süchtig machen und gegebenenfalls Ihrer Gesundheit und Ihrer Figur schaden. Schwere Einkaufstaschen können Ihre Wirbelsäule einseitig belasten und zu starken Schmerzen führen. Die REWE-Kundenkarte dient vor allem dazu, ihre persönlichen Daten und Kaufgewohnheiten zu analysieren - und, solange das noch möglich ist, gewinnbringend zu verkaufen!"

fußballpatriotismus

June 11th, 2008

Sonntag, nach Einbruch der Dämmerung am Ausgang einer Sportsbar.

Zwei Mädels: "Ist das Spiel schon zu Ende?"
Ich: "Ja."
Mädels: "Und wer hat gewonnen?"
Ich: "Deutschland"
Mädels: "Ey, Du verarscht uns doch?!"
Ich: "Nein, wieso?"
Mädels: "Na, so negativ, wie Du das sagst."
Ich: "Ich bin halt nicht für Deutschland."
Mädels: "Wie, nicht für Deutschland?"

Dieser seit 2006 mit der Luft aufgenommene Fußballpatriotismus geht mir auf die Nerven. Sollen doch von mir aus auch die sportfernsten Barbiepuppen für Deutschland in die mit schwarz-rot-gold belackten falschen Nägeln verzierten Händchen klatschen, wenn "der Pooooooooooooooooldi" ein Tor schießt. Mir ist es egal. Und alle anderen Fußballspiele auch. Um das zu verdeutlichen, trage ich wieder auffällig oft mein Argentinien-T-Shirt. Aber irgendwie versteht das niemand…

mädchen auf greifswald

December 3rd, 2007

Hass und Skin in die Fäuste tätowiert,
aus der Zeit, wo sie noch nicht politisch gefestigt war,
hat sie je was and'res ausprobiert? - Nunja.

Man kann sich kaum besser outen. Die einschlägigen Marken, die Jacke und Hose zieren sind hundertprozentig kein Fehlgriff eines politisch-naiven Fashion-Fremdlings. Die Buchstaben auf den Knöcheln sehen lieblos eingekratzt aus, haben scharfe Kanten.

Da ist es, das "Mädchen aus Greifswald", das tempEau im gleichnamigen Lied besingen. Mitten in Leipzig. In der Tram, genau mir gegenüber. Mit zwei Begleitern - nicht ganz so offensichtlich bekleidet. Dazu sieben Bierflaschen und drei Hunde. Ein Haufen dummer Ideen in gar nicht prinzipiell dummen Köpfen, gebettet auf blaubezogenen Plastiksitzen.

Ich will etwas tun. Ich will das Lied singen. Die Textstellen, die das Mädchen aus Greifswald und Leipzig gleichzeitig charakterisieren  und wohl noch viele andere mehr.
Ich möchte etwas sagen.
(Etwas Intelligentes natürlich, Ausgefeiltes. Das mir natürlich just in diesem Moment nicht einfällt.)
Möchte sie anspucken.
Vor Wut weinen.
Den Platz wechseln. Read the rest of this entry »

neulich beim polterabend

August 27th, 2007

2 von 3 “westdeutschen Bundesbürgern” waren noch nicht in den neuen Bundesländern. Das allein ist 18 Jahre nach dem Mauerfall schon bemerkenswert. Die meisten von denen, die sich schon “getraut” haben und mit denen ich dann gesprochen habe, sind äußerst angenehme Zeitgenossen.

Bei meinem Besuch in Rheinland-Pfalz lernte ich dann eine Dame kennen, die zu den 60% gehört. Das merkte man auch: “Fühlen Sie sich im Osten eigentlich noch wohl? Das soll ja alles ganz furchtbar sein!”
Was soll man auf so eine präzise und vor Wissen strotzende Frage schon antworten? Ich entschied mich für: “Ach, eigentlich ist das nicht mehr so schlimm. Vor zwei Wochen haben wir endlich fließend Wasser in unserer Straße bekommen und zu Weihnachten haben wir auch endlich wieder elektrischen Strom. Der ist vor einigen Wochen ausgefallen, weil ein Trabbi über die auf der Straße liegenenden Versorgungskabel gefahren ist.”

Das Schlimme war, die Frau sah nicht mal überrascht aus…

soviel liebe für die deutsche sprache…

June 6th, 2007

Dialog in der Berliner S-Bahn:

Sie: Ey, bist Du blöhöd? Isch fick doch nisch meine eigene Schwestär!”
Er: [...]
Sie: Das war was ganz anderes. Isch hab sie mal geküsst, aber mehr auch nisch.
Er: [...]
Sie: Man, es war halt langweilisch auf Arbeit. Kann ja nisch wissen, dass die misch beim Ficken im Wartezimmer erwischen. War doch keiner da.
Er: [...]
Sie: Ja, meine Schwester hat auch schon im Krankenhaus rumgefickt, aber das is doch ihre Sache.
Er: Wollen wir uns was beim Fidschi holen? Isch hab Hunger.
Sie: Man, das heißt Vietnamese!

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OHNE WORTE!

wenn das mal nicht dasselbe ist

December 28th, 2006

Mittags, halb zwei in Deutschland. Wir schreiben den 26. Dezember 2006. Zwischen Thüringer Klößen und Kaninchenkeule entwickelt sich folgendes Gespräch:

ER: Ich war jetzt mal drüben und habe alle Fenster aufgemacht.
SIE: Aber ich denke, das soll nicht so schnell trocknen.
ER: Das trocknet ja auch nicht, es wird nur die Flüssigkeit entzogen.

Ahja.