Schon mal mit Shakespeare durch die Stadt gegangen? Keine ruhige Minute hat man da. Von allen Seiten raunt und tuschelt es. Mit dem Finger zeigen sie auf uns. Regelmäßig wird er fotografiert. Am Anfang dachten meine Familie und ich, das sei nur eine Übergangsphase. Die Passanten würden sich schon an ihn gewöhnen. Außerdem würde er ja auch noch wachsen.
Aber nichts. Das Fingerzeigen, Tuscheln und Fotografieren ging weiter. Es wurde sogar noch schlimmer. Sie kamen an, hätschelten ihn am Kopf.“Ja gutschi, gutschi, bist Du aber ein wunderschöner Hund.“ Wenn manche Menschen einen Hund sehen, verlieren sie alle Hemmungen. Sie vergessen, dass es sich auch bei einem Hund um ein Individuum handelt, das nur zu höflich ist, um ihnen sofort die Nase abzubeißen. Rechtlich ist unser Shakespeare sogar ein Gegenstand. Was würden all die Tätschler, sagen, wenn ich am hellerlichten Tage ihr Auto streichelte: „Ja gutschi, gutschi, bist Du aber ein schönes Auto!“
Heute aber war ich kurz davor, meine Höflichkeit zu vergessen. Als ein übergewichtiger, glatzköpfiger Prolet mit Mundgeruch auf Shakespeare zurannte und ihm einen Nasenkuss verpasste. Mehrere Sekunden lang. Völlig unbeirrt von der Tatsache, dass ich mit meiner Familie die Augenbrauchen synchron in die Höhe schnell ließen. Meine gute Erziehung verbot mir zu sagen: „Zahlen Sie dann auch den Psychologen, der meinen Hund von diesem Trauma befreit?“
Am Schlimmsten sind allerdings die, die mich bei Frostgraden kurz nach der Dämmerung im Park auf meinen schönen Hund ansprechen und mit ihrem vermeintlichen Wissen protzen. „Der ist noch jung, hm?“ – „Ja, 14 Monate.“ – „Da wächst er bestimmt noch.“ – „Ein wenig.“ Dann, mitten aus frostigem und noch nicht ganz blauem Himmel kommt es, das B-Wort: „Alle Bernhardiner, die ich kenne, sind viel breiter.“ – „Schön, nur gut, dass Shakespeare ein Berner Sennenhund ist.“
Kann man ja mal verwechseln. So einen schwarzen Hund mit weißen und braunen Flecken mit einem weißen Hund mit braunen Flecken. Meine Lieblingsantwort: „Achso, dann ist der also auch gar nicht nach dem Film ‚Ein Hund namens Beethoven‘ benannt?“ Nein, genau genommen war Shakespeare der größte englische Dichter und hatte weder braune Flecken, noch ein Rumfäßchen um den Hals.
[will sagen - der November-student! ist da und liegt überall, wo Studenten zum Studieren hinkommen...die Kolumne ist auch drin, aber die kennt ihr ja jetzt schon]