alice in wonderland

March 7th, 2010

Alice ist wieder da. Die Märchenfabrik Disney hat Tim Burton engagiert, um aus der Lewis-Carroll-Vorlage eine computeranimierte Version zu machen. Alices blaues Kleid aus dem Zeichentrickfilm ist ein bisschen schulterfreier und luftiger geworden - und Alice ein bisschen älter. Aber ihre schrulligen Weggefährten bleiben die gleichen. Die Grinsekatze, die sich ganz nach Belieben in Luft auflöst, der verrückte Hutmacher, der beständig bei Tee sitzt und auf das Auftauchen Alices (Mia Wasikowska) wartet und die beiden streitenden Pummelchen Dideldei und Dideldum. Sie alle verfolgen nur einen Plan: Die weiße Königin (Anne Hathaway) wieder auf den Thron bringen und deren Schwester, die cholerische und mordlustige Herzkönigin(die großartige Helena Bonham Carter) zu stürzen.

Wie es in Märchen so ist, gibt es nur eine Heldin, die diesen Umsturz schaffen kann: Alice. Und wie es in Märchen ebenfalls üblich ist, wendet sich am Ende alles zum Guten. In Tim Burton Manier ist das Wunderland vor allem ein düsterer Ort. Wer die Herrschaft über das Königreich Unterland halten kann, bestimmt vor allem, wer das Jabberwocky kontrollieren kann. Die Figur des urzeitlich aussehenden schwarzen Riesendrachens wurde bereits in einem Gedicht von Lewis Carroll erwähnt. Burton hat sie also nicht erfunden, um seine Geschichte düsterer zu machen. Die meisten Figuren des Wunderlandes entspringen der Vorlage, sie scheinen allerdings viel weniger verrückt und konfus. Der Hutmacher, verkörpert vom kultigen Johnny Depp, der sich selbst allerdings dank Schminke und digitaler Nachbearbeitung überraschend unähnlich sieht, bekommt nur von Zeit zu Zeit einen Anfall von Verrücktheit. Ansonsten ist sie gespielt, um die Schergen der Herzkönigin zu täuschen. Letztere erscheint eher diktatorisch schrullig mit ihrem stets gegenwärtigen “Kopf ab!”-Rufen, ihrem tierischen Personal und dem Neid auf ihre beliebte Schwester.

Burton mischt ein wenig des Flairs aus Herr der Ringe mit den Farben der Disneywelt und der Burton-typischen Atmosphäre. Nach einer halben Stunde ist das alte Bild von Alice und ihrem Wunderland vergessen. Zwar kokketiert der Film damit, eine verrückte Alice und verrückte Unterland-Bewohner zu präsentieren, doch sie wirken gar nicht verrückt. Ob sie es sind, spielt keine Rolle. Der Normalismus, der seit dem 20. Jahrhundert in der westlichen Welt herrscht, wird aufgebrochen. Vielmehr als um die Frage, was normal ist und was nicht, geht es um die Selbstbestimmtheit des Lebens. Alice, die sich in ihrer Welt im England des 19. Jahrhunders weigert, Korsett und Strümpfe zu tragen, ist nicht bereit, den Jabberwocky zu töten, nur weil eine Prophezeihung das voraussagt.

Das Wunderland verkörpert die Fantasie, sei es nun eine Traumwelt oder real. Es ist unwichtig. Denn die Flucht ins Wunderland tritt Alice an, als ihr ein echter, aber ziemlich einfältiger Lord vor versammelter Mannschaft einen Heiratsantrag macht. Mit Hilfe des Hutmachers und seiner Freunde schafft Alice es, wieder an das Unmögliche zu glauben - und auf sich selbst zu vertrauen. Sie befreit zuerst die Bewohner Unterlands und dann sich selbst in der realen Welt. Ein wunderbar buntes Märchen also, das Lewis Carrolls Welt liebenswerter macht und uns allzu Erwachsenen wieder einmal die Fantasie nahebringt - und die Zauberkraft des Kindbleibens.

Trailer [via youtube]

sunshine cleaning

May 31st, 2009

Bei all den “Tatort”en, die man sich so während seines öffentlich-rechtlichen Fernsehlebens angesehen hat, hat sich wohl kaum jemand gefragt, wer die ganzen Spuren nach lupenreiner Begutachtung eigentlich wieder beseitigt. Zumindest in den USA ist das natürlich ein Job, der “outgesourct” wird. Ein hart umkämpfter Markt, in den Rose (Amy Adams - die einer jungen Nicole Kidman in diesem Film verdammt ähnlich sieht) nach Zureden ihrer Jugendliebe Mac (Steve Zahn) einsteigt.

Ihr Sohn Oscar (Jason Spevack) scheint hoch intelligent zu sein, zumindest eckt er regelmäßig mit Lehrern und Schulleitung an und bestätigt seinem Opa Joe (Alan Arkin), das er sich regelmäßig langweile. Ein PLatz in einer Privatschule muss her. Das Geld dafür will erst verdient werden. Der bisherige Job als angestellte Putzfrau gibt es jedenfalls nicht her. Zusammen mit der ebenfalls immer klammen Schwester Norah (Emily Blunt) baut Rose ihre Tatortreinigungsfirma Sunshine Cleaning auf (”Ich wollte einen positiven Eindruck vermitteln”).

Dabei müssen sich die Geschwister dem verdrängten Selbstmord ihrer eigenen Mutter ebenso stellen wie der ständigen Frustration. Immer wieder feuert Rose sich selbst vor dem Spiegel an: “Ich bin stark, ich bin eine Gewinnerin!” Doch sie muss erkennen, dass sie zuviel geträumt hat in der Vergangenheit. Dass sie für ihre große Liebe Mac nur eine Affäre ist, die Kinder bekommt er mit einer anderen. Dass alle aus ihrem Highschool-Jahrgang etwas geworden zu sein scheinen - und wenn nur Ehefrau eines reichen Schnösels (”Du bist besser als die Rose”).

Doch sie und Norah haben so einige Chancen verpasst. So zeichnet Regisseurin Christine Jeffs ihre Charaktere auch. Gezeichnet sehen sie aus, überarbeitet. Überhaupt nicht hollywoodhochglanzgeschönt. Die eine ist hin und her gerissen zwischen den Versprechungen, die ihr hoffnungsfrohes Teenieleben einst verhieß und ihrem Alltag als alleinerziehende Geringverdienerin. Rose klammert sich an den Resten des einen fest, um das andere besser auszuhalten.

Die andere scheint weder eine Vergangenheit noch eine Gegenwart zu haben. Da gibt es einen Freund, der nur einmal kurz im Film auftaucht. Beim unromantischen Beischlaf. Und da sind die Rückblenden im Kopf, das Spielen mit der Schwester unter dem Rasensprenger. Norah versucht diesen Bildern mit Gras, Brückenklettern und Unangepasstsein zu entgehen.

Erst im Laufe des Films deckt Christine Jeffs die Narben auf, die die ungleichen Schwestern verbinden, über die aber nie gesprochen wird. Am Ende scheinen die beiden Schwestern zu unterschiedlich zu sein, um zusammen zu halten. Oder zu gleich. Die Trümmer verpasster Chancen räumt der Film bis zum Schluss nicht auf. Es gibt kein Happy-End. Konsequenterweise. Nur das Fünkchen Hoffnung, das Rose wieder aufstehen lässt. Wie im richtigen Leben.

duplicity - gemeinsame geheimsache

May 14th, 2009

Eigentlich wollte ich hier ein paar kurze Eindrücke zum Film “Duplicity - Gemeinsame Geheimsache” loswerden. Aber ich lasse kurz meine Begleiterin sprechen:

Hm, naja, wenigstens hat Julia Roberts mitgespielt!

[Katja]

Nur soviel noch von mir: Gucken sollte ihn jeder der völlig verschlungene Plots mag, der prinzipiell schon immer der Meinung war, dass niemandem auf dieser Welt zu trauen ist. Jeder, der “Tatort” viel zu durchsichtig findet und selbst bei britischen Krimis spätestens eine Stunde vorher weiß, wer der Täter war. Jeder, der dem dritten Teil von Fluch der Karibik problemlos folgen konnte, wird sich prächtig amüsieren. (So wie ich.)

Nicht reingehen sollten Leute, die mit Rückblenden ein Problem haben, die nicht glauben können, wieso sich zwei Liebende nicht vertrauen. Niemand, der auf Happy Ends hofft oder findet, dass Filme immer fertige Interpretationen der Welt anbieten müssen (klare Unterscheidung in gut und böse, eine vorgezeichnete Zukunft nach Ende des Films).

Man kann natürlich auch reingehen, weil man Julia Roberts und Clive Owen großartig findet. Denn das sind sie in diesem Hollywood-Streifen definitiv.

007 - ein quantum trost

November 21st, 2008

Was ist eigentlich mit den deutschen Rezensenten los? Was haben sie mich gewarnt. Der Filmvorführer gab "Ein Quantum Trost" gerade einmal zwei von fünf Sternen: Zu wenig Witz, zu wenig Tradition, zu wenig James Bond. Die Süddeutsche Zeitung fand, die Bond-Girls lebten entweder zu kurz oder zu lange, ohne richtige Bond-Girls zu sein. Und von allen Seiten kam die Klage: "Er sagt überhaupt nicht: Mein Name ist Bond, James Bond. Und er trinkt auch keinen Martini." Dazu noch die ewige Leier: Daniel Craig passt nicht in die Verlängerung einer Reihe charismatischer, gutaussehender Gentlemen von Sean Connery über Roger Moore bis Pierce Brosnan.

Ich habe mir den Film trotzdem angesehen. Zum Glück. SO stelle ich mir nämlich einen Geheimagenten vor. Blutig geschlagen, übernächtigt, misstrauisch, voller Hass. Ja sicher, andere Geheimagenten, Paradebeispiel Jason Bourne, können das auch sein und waren es schon. Aber das ist doch kein Kriterium. Dieser Bond entwickelt sich endlich weg von dieser charakterlosen Kühle, die Frauen nehmend und vergessend, wie sie kommend und immer ein makelloser Diener der britischen Krone. Der Bond aus "Ein Quantum Trost" wird als Figur endlich interessant, indem er all die hemmenden Traditionen von Gentlemen-Sein und Martini-Trinken, Frauen sammeln und abgenuddelte Sprüche brabbeln befreit. Und er ist besonders stark, gerade weil Daniel Craig ihn spielt. Musste erst ein Schauspieler kommen, dessen Gesicht Ecken und Kanten hat, damit die Figur 007 Ecken und Kanten bekommt?

Die 103 Minuten sind jedenfalls rasant und unterhaltsam. Das Köpfchen ist gefragt, um all die Personen zuzuordnen, die Freund-Feind-Listen ständig zu aktualisieren und die Ortswechsel unterzubringen. Aber hey, warum nicht mal ein Action-Film, bei dem es nicht nur ballert und kracht - obwohl es das oft genug tut. Schnelle Schnitte bei Verfolgungsfahrten und -jagden auf italienischen Straßen und über italienische Dächer, Verschwörertreffen in der Oper und im Wüstenhotel. Bond bleibt immer hin- und hergerissen zwischen der Jagd auf die geheimnisvolle Gruppe Quantum, von der der MI6 rein gar nichts weiß, die aber überall ist - und seiner persönlichen Jagd nach Antworten und den Mördern seiner geliebten Vesper. Er wird beides schaffen, obwohl sein eigener Geheimdienst ihn wegen der USA im Stich lässt und er nicht viele Verdächtige am Leben lässt. 

Obwohl "Ein Quantum Trost" wenige Stunden nach seinem Vorgänger "Casino Royale" einsetzt, hat Regisseur Marc Forster seinen Protagonisten viel lernen lassen. Die Geheimagententugenden wie Misstrauen, Kaltblütigkeit und Vergessen, die im Vorgänger sehr blass waren, sind plötzlich voll ausgeprägt.

Nur, wenn er sich entgegen seines Auftrags um Camille kümmert, das Bond-Girl, dem 007 nicht mehr abtrotzen wird, als eine Umarmung und einen flüchtigen Kuss, scheint der alte, der weiche Bond noch manchmal auf. Die beiden verbindet der Verlustschmerz und der lodernde Wunsch nach Rache. Sie retten einander das Leben und können sich doch nicht retten aus dem Gefängnis, "das da drin ist", wie Camille sagt und dabei James' Kopf berührt. Olga Kurylenko balanciert ihre Camille dabei so beeindruckend zwischen Zerbrechlichkeit und Stärke aus, das man sich wünscht, die James-Bond-Macher würden mit noch einer unsäglichen Tradition brechen und Camille auch im 23. Bond-Film auftauchen lassen. Schließlich hätte dieser geschundene und leer gewütete Bond ein Quäntchen Trost verdient.

wall-e

September 29th, 2008

Märchen- und Sagenneuaufgüsse in buntester Zeichentrickfilmgestalt war gestern. Das brauchen die Macher aus der Disney-Traumfabrik nicht mehr. Ihre Animationsfilme bestechen durch intelligente neue Geschichten mit Superhelden, Clownsfischen, Ratten und - Robotern. Zunächst klingt die Geschichte alles andere als liebenswert: Der kleine Schrottroboter Wall-E rollt seit 700 Jahren auf einem ebenso zerstörten wie verlassenen Planeten herum, sortiert Müll und stapelt ihn zu festgepressten Würfelhochhäusern auf. Sein einziger Freund ist eine unzerstörbare Schabe. Er rattert so über eine Landschaft, die nur dank der Architekturruinen irgendwie an unsere Erde erinnert und hebt Glühlampen und Feuerzeuge, Zauberwürfel und Büstenhalter auf - obwohl er nie so genau weiß, wofür der Kram eigentlich gut sein soll.

Wall-E spricht nicht. Guckt höchstens mal mehr oder weniger erfreut und erweckt trotzdem schon nach wenigen Minuten die Sympathien. Wie er da so werkelt und sortiert, wie er versucht, den Menschen auf seinem Fernsehschirm tanzend nachzueifern oder wie er ganz sentimental wird, wenn er sich Liebesszenen ansieht. Regisseur Andrew Stanton zeichnet seinen Protagonisten so liebenswert, so menschelnd in seiner Einsamkeit, dass schon nach wenigen Minuten vergessen ist, dass Wall-E eigentlich nur ein Müllroboter, eine vom Mensch geschaffene Intelligenz ist. Auch wenn die alten Hauptdarsteller, die Tiere, im neusten Disney-Pixar-Abenteuer durch Roboter ersetzt werden, bleibt der Fabelcharakter erhalten.

Wall-E verliebt sich in die strahlend-weiße Sonde Eve, verlässt für sie Arbeit und Planet und wirbelt auf dem Raumschiff mit den letzten lebenden Menschen alles durcheinander. Einige Menschen rüttelt er aus ihrer konsumgesteuerten, gesättigten und völlig fremdbestimmten Existenz, er rettet die angeblich fehlerhaften Roboterexistenzen und zettelt eine Revolte an. Alles ungewollt. Er ist der Außenseiter, wie es schon die Ratte "Remy" im vergangenen Disney-Abenteuer "Ratatouille" war, aber er verändert die Gesellschaft, in dem er einfach seine Ziele verfolgt.

Düstere Science-Fiction-Szenarien von der Regentschaft der Maschinen über ihre Schöpfer mögen Pate für diese 98 Minuten intelligente Unterhaltung gestanden haben. Vielleicht auch der UN-Klimaschutzbericht und die Kämpfer gegen die globale Erwärmung. Doch deren Pessimismus wurde durchbrochen durch die Kraft, die schon die alten Märchen immer gut enden ließ. Denn auch im Jahr 2700 scheint das Wünschen noch zu helfen und ein kleiner schrottiger Roboter trotzt nicht nur Tod und Intrige, sondern vereint den sich erholenden Planeten und die schlauer gewordene Menschheit. Zumindest im Moment des Happy-Ends.

Angucken. Auch und erst recht als "Erwachsener". Denn Disney ist schon lange nicht mehr Kinderkram, sondern originelle Unterhaltung. Erster Beweis via youtube. Sehr süße Mini-Trailer gibt's ja auch noch haufenweise dazu.

Und das von mir sehr geschätzte Dia-Blog mochte Wall-E auch sehr gern. Was bei den üblichen Dia-Blog-Verrissen mindestens doppelt wiegt.

spucke in großformat, animierte philosophen und kino von zuhause

April 10th, 2008

Zurück in der Großstadt und die Uni ist noch nicht richtig wach. Zeit, um ins Kino zu gehen.Drei Tage, drei Kinos, drei Filme.

Montag, Passage-Kino: "Shine a light". Der große Martin Scorsese macht einen Film über die großen Rolling Stone. Der Eröffnungsfilm der diesjährigen Berlinale war wegen seiner Unbestimmtheit kritisiert worden. Er habe Stones-Fans keine neuen Erkenntnisse gebracht. Ich, als Stones-Gelegenheits-Hörer kann hinzufügen, das er auch für Nicht-Fans wenig Erkenntnisse bringt. Der Mitschnitt eines Benefizkonzertes in New York wird immer wieder mehr oder weniger elegant von alten Aufnahmen und Interviewsequenzen unterbrochen. Die Stones erzählen hier kleine Anekdoten, aber der Film erzählt nichts über die Band. Wo sie herkam, wer sie ist, wie sie wurde, was sie heute ist.
Genau genommen ist es nicht mal ein Stones-Film, sondern ein Film über Jagger (mit einem leicht penetranten Martin Scorsese in der größten Nebenrolle). Fast das gesamte Konzert über ist er im Bild. Die Nahaufnahmen aus allen Perspektiven, die Jagger selbst zuviel gewesen sein sollen, werden abgelöst von Jagger von vorn und Jagger von hinten. Nur in seinen Gesangspausen bekommt man auch mal uralt aussehenden, aber ordentlich rockenden Gitarristen Keith Richards und Ron Wood. Oder gar den ganz unbeteiligten Schlagzeuger Charlie Watts, der mit seinem großväterlichen Äußeren gar nicht recht zur Band zu gehören scheint. Auch in den eingespielten Sequenzen wird vor allem von und über den Frontmann erzählt.
Richtig viel Konzertfeeling kommt eigentlich nur bei den Duetts Jaggers mit Christina Aguilera, Jack White (The White Stripes) und Buddy Guy auf. Und wenn Keith Richards auch mal singen darf und zwei ältere Blues-Nummern zum Besten gibt. Hängen bleibt vom Film nicht viel, ein bisschen Atmosphäre, ein Fetzen Lied und viel herumfliegender Speichel in Riesenformat.
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kurzfreude

February 25th, 2008

Die bezaubernde Marion Cotillard (geliebt für die Sophie in "Jeux d'enfants") gewinnt den Oscar für ihre Version von Edith Piaf ("La vie en rose"). Und das ohrwurmverdächte "Falling slowly" (live performed im Kodak Theatre, via youtube) aus "Once" wird bester Song. Das sind ausnahmsweise auch mal Oscar-Entscheidungen nach meinem Geschmack…

my blueberry nights

February 5th, 2008

"Heute hätte ich lernen können, wie man niemandem mehr vertrauen kann. Ich bin froh, dass ich versagt habe", schreibt Elizabeth (Norah Jones in ihrem Kinodebut) an Jeremy (Jude Law). Sie ist in Las Vegas und seit fast einem Jahr in den Vereinigten Staaten unterwegs. Jeremy ist der Besitzer des kleinen Cafés "Klutsch" in Coney Island. Bei ihm hat sie Ohr und Rat gesucht, als sie von ihrer Liebe sitzen gelassen wurde. Er hat ihr Blaubeerkuchen serviert und ihr viele Schlüssel gezeigt. Jeder von ihnen die Geschichte einer zerbrochenen Beziehung, inklusive seiner eigenen.

Nach einigen Blaubeerkuchen fährt sie einfach davon. Versucht der Ausweglosigkeit und der Schlaflosigkeit zu entkommen, versucht einfach etwas anderes zu tun. "Eine neue Elizabeth" zu werden. Der Film spielt in anderen Cafés, in Memphis und Nevada. Und macht Elizabeth zur Beobachterin anderer Liebesgeschichten. Da ist Arnie (David Strathairn), der ihr jeden Abend versichert, dass das der letzte Abend sei, an dem er trinke. Und der nicht akzeptieren kann, dass sein Frau schon lange nicht mehr seine Frau ist. Und Lesley (Natalie Portman), die Pokerspielerin, die glaubt alle zu durchschauen. Und die alle Liebe zurückweist, sogar die ihres eigenen Vaters - bis es zu spät ist.

Wong Kar-Wai, der Regisseur aus Hongkong, drehte erstmals mit Hollywoodstars. Er schrieb auch die Geschichte vom "längsten Weg über die Straße.Er ist gar nicht so schwer, wenn nur jemand auf der anderen Seite auf Dich wartet" (Elizabeth). Er erzählt seine Geschichte mit dem Auge. Spielt mit Schärfe und Unschärfe und da sind immer wieder die Totalen auf Norah Jones aus ungewöhnlichen Winkeln. Wie sie da liegt, schlafend auf der Theke im Klutsch, einen Rest Eis an den Lippen. Da scheint das ganze Wesen der Elizabeth sichtbar zu werden. Die Ruhe, die Verletzlichkeit und die Perfektion des Moments, den sie nicht erkennt. Ein Jahr braucht sie, um dahin zu kommen, wo ihre Zukunft liegt: An den Ort, von dem sie losgefahren ist. Aber sie ist eine andere Elizabeth geworden. Weil sie anderen beim Leben zusah und sich schließlich selbst für das Leben entschied.

pirates of the carribbean - am ende der welt

June 3rd, 2007

Eine Anmerkung zu Beginn: WER ist für die deutschen Titel für Kinofilme zuständig? Ich möchte ihm den Kopf waschen. Erst wird ein englischer Titel durch einen anderen ersetzt und jetzt? Warum bitte heißt der dritte Teil der “Fluch der Karibik”-Reihe jetzt plötzlich “Pirates of the Carribbean”? Und wenn das ein treffenderer Titel ist, warum hießen dann nicht schon die ersten beiden Teile so? Und warum könnte es dann nicht wenigstens “Piraten der Karibik” heißen? Und warum ist der Untertitel dann wieder auf Deutsch?! Gibt es dafür IRGENDEINE sinnvolle Erklärung? Oder hat dem Verzapfer an diesem Tag die Marmeladenschnitte nicht geschmeckt?!

Aber das ist ja nicht das einzige Problem, mit dem uns die Macher des Films im Laufe der nächsten 170 Minuten (zzgl. Pause) behängen. Ohne Einführung sehen wir uns mit einer neuen Welt konfrontiert. Während der neumächtige Cutler Beckett alle Piraten, Verwandten, Bekannten und Nachbarn selbiger hinrichten lässt, singen diese die gleichen Piratenlieder wie eine schmale Figur in einem asiatischen Boot: Elizabeth Swann (Keira Knightley). Wir erinnern uns: Die Elizabeth, die im zweiten Teil gleich zwei Männer vor den Kopf stieß. Ihren Verlobten William Turner (Orlando Bloom), der sie beobachtete, wie sie den berüchtigten Capitän Jack Sparrow(Johnny Depp) küsste und letzteren, den sie mit diesem Ablenkungsmanöver dem Riesenkraken von Davy Jones auslieferte. [Leser, die den zweiten Teil nicht gesehen haben, können spätestens hier aufhören, weiterzulesen. Es wird nur noch verwirrender]

Nicht nur, dass der Kinozuschauer also nicht nochmal daran erinnert wurde, “was bisher geschah”, nein, er wird auch sofort in eine neue Welt geworfen. Die nächsten Minuten wird er fast ausschließlich damit beschäftigt sein, sich mit den neuen Gegebenheiten vertraut zu machen. Da sind Piratenfürsten, die sich zu einem Rat in der Schiffbruch-Bay treffen müssen. Vollständig. Also inklusive Jack Sparrow, der sich unglücklicherweise am Ende der Welt zu finden. Selbiges ist dank der asiatischen Seekarten gar nicht so schwer zu finden.

Der geliebte Pirat ist also zurück auf der Leinwand, und nicht nur einmal, dafür aber auch nicht mehr so amüsant wie in den beiden vorherigen Teilen. Dann gibt es da noch eine Geheimwaffe der Piraten, die Seegöttin Calypso, die von ihrem Bann in einem menschlichen Körper befreit werden soll. Eine Lösung, warum Davy Jones so unmenschlich aussieht und viele viele Fragen. Denn aus der eingeschworenen Gemeinschaft Swann/Turner/Sparrow ist ein Haufen ränkeschmiedender Griesgrame geworden, die, ohne mit irgendjemandem Rücksprache zu halten, ihre eigenen Ziele verfolgen. Die natürlich nur allzu oft gegensätzlich sind.

Wir sehen den Protagonisten vor der Pause also vor allem beim Gegenseitig-über-die-Mütze-Ziehen zu. Dann kommen noch mehr alte Freunde, wie James Norrington (wir erinnern uns, der Herr, der mit Turner und Sparrow im zweiten Teil um die Kiste mit Davy Jones Herz duellierte, um selbiges am Ende Cutler Beckett zu übergeben), Stiefelriemen-Bill und ein sehr toter Kraken.

Nach der Pause wird alles sehr viel verständlicher, die Beweggründe klarer, die Story dynamischer. Aber ihr fehlt trotzdem das gewisse Etwas. Der Strudel, der die rivalisierendne Boote der Flying Dutchman und der Black Pearl in die Tiefe reißt, erreicht den Zuschauer indes nicht. Es ist zuviel Tod, zuviel Wirrwarr, zuviele Fragezeichen.

Im Grunde genommen gibt es nur zwei Charaktere, die durch die Geschichte im dritten Teil gewinnen. Das ist zum Einen Elizabeth Swann, die immer mehr zur willensstarken und intelligenten Amazone heranreift, die die Männer dazu bringt, das zu tun, was SIE will, ohne das sie es merken. Und da ist zum anderen die Voodoo-Zauberin Tia Dalma, die vor allem von der mimikreichen Spielkunst Naomie Harris’ profitiert. Soviel Witz, Koketterie und Verzweiflung in einem Blick, soviel Hass, Wut und Wille in einer Person. Großartig.

Johnny Depp hingegen hat genauso das Nachsehen, wie Orlando Bloom. Erwartet man von der tragisch-komischen Figur des Capitäns ohne Schiff aufgrund der ersten beiden Abenteuer eine Menge Witz, so wartet man darauf im dritten Teil fast vergeblich. Da ist nichts Neues mehr. Sparrow wird wie immer gehasst, gejagt, von den Frauen geohrfeigt und kommt doch immer davon. Nur, dass er jetzt zusätzlich noch verrückt ist und mit ungefähr 25 anderen Ichs kommunizieren kann. Und William Turner bekommt die sicherlich schwerste Bürde auferlegt, die es nahe legt, dass dies immer noch nicht der letzte Teil über die ruchlosen Piraten der Karibik war. Bleibt nur zu hoffen, dass die Drehbuchautoren ihre Erzählfäden dann gleich von Beginn an etwas entwirren und wieder ein bisschen mehr von der Zutat verwenden, die sich Humor nennt. Sonst hält der geneigte Kinozuschauer nicht noch einmal 170 Minuten Hollywood-Feuerwerk aus.

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spider man drei

May 16th, 2007

Die Werbung hat Recht, wenn sie den (momentan) teuersten Hollywood-Streifen aller Zeiten als “besten Spider-Man, den es je gab” bezeichnet. Die Konturen verwischen. Gut ist nicht mehr gleich gut - sprich Peter Parker- Böse ist nicht gleich böse. Es entstehen endlich einige der Graufacetten, die auch im realen Leben im Überfluss existieren und die selbiges erst spannend machen.

Und so verwundert es nicht, dass sie der eigentlich abgelutschten Geschichte vom Superhelden, der stets und ständig (und zumeist im anscheinend weltbedrohendsten Ort der Welt: New York) die Welt von fiesen Unholden befreit, einen völlig neuen und überaus angenehmen Anstrich verleihen. Der Kampf um die Geheimhaltung der jeweils anderen Identität ist aufgegeben. Und auch der großherzige Verzicht auf die Liebe des Lebens, der in den ersten beiden Teilen schon sehr unrealistisch schien, ist endlich beendet.

Peter Parker (Tobey Maguire) hat seine Mary-Jane (Kirsten Dunst) und teilt zumindest mit ihr sein Geheimnis über die Doppelidentität. Merkt allerdings nicht, wie sehr sie ihr Misserfolg am Broadway belastet. Seine Ignoranz und sein eigener Status als gefeierter Held lassen die beiden Liebenden auseinander driften. Zudem ist da noch ein ausgebüchster Mörder, der sich auf einem Forschungsgelände dematerialisieren lässt und daraufhin sein Unwesen in der Stadt treibt, ein karrieregeiler Fotografenschönling, der ebenfalls Spider-Mans wahre Identität aufdeckt. Und nicht zuletzt ein kleines, schwarzes krabbelndes Etwas, das mit einem Mini-Meteoriten neben Peter Parker im Gras landet und nicht nur seinen Superheldenanzug, sondern auch seine Seele mit schwarzer Farbe überzieht.

Ein ganz anderer Peter Parker. Ein interessanter. Einer, der nicht mehr nur uneigennützig und herzzerreißend liebenswürdig ist. Sondern jemand, der seine Aggressionen rauslässt. Jemand, der mit einem Ego auf die Straße geht, das gar nicht in seinen Körper zu passen scheint. Und obwohl es in Anbetracht der ersten beiden Teile kaum möglich schien, so spielt Tobey Maguire auch diesen neuen Spider-Man/Parker mit Bravour. Das schüchterne Lächeln wird perfekt durch ein selbstbewusstes Grinsen ersetzt. Die ganz Körpersprache scheint um 180 Grad gedreht. Diesem Peter Parker sieht man gern beim Leben zu.

Und dann ist da noch Harry Osborn. Parkers alter Freund und ewiger Rivale um Mary-Janes Gunst. Zudem sein neuer Antiheld, da er Parker für den Tod seines Vaters verantwortlich macht. Doch die Graufacetten, die diesen Superhelden-Film eben von anderen seines Genres unterscheiden, geben dem Film auch hier mehr Spielraum, mehr Dramatik.

Und am Ende sitzt man im Kinosessel und ist erstaunt. Erstaunt, dass einen dieser Film berührt hat. Unäbhängig von ständig neu heranwachsenden Feinden, mit denen Spider-Man natürlich fast mit links fertig wird. Fernab dieser Action-Sequenzen geht dieser Film neue Wege. Das nennt man wohl: Angenehme Überraschung auf der Großleinwand. Reingehen!