June 13th, 2009
Wer ein vollständiges Bild gewinnen will, muss also auch über die Wessis reden, die viel weniger erforscht sind, viel weniger Aufmerksamkeit gefunden haben - und wenn, dann vor allem summarische. Den Ossi hat man vielleicht schon zweimal zu viel analysiert, der Bundesdeutsche ist gut erkundet, der Wessi aber bisher ein ziemlich blasser Mythos.
Dafür gibt es Gründe in der Sache: Ossi ist man immer, Wessi nur in der Begegnung mit Ostdeutschen und im Reden über sie. Für Ossis war 1989 eine Zäsur, die ihr Leben prägte. Bundesdeutsche konnten so tun und tun es ja heute noch gern, als beträfe sie das nur am Rande. Sie machen höchstens noch von der Möglichkeit Gebrauch, so viel Übel wie mögllich - Rechtsextremismus, Verwahlosung, Staatsgläubigkeit, Kindstötung - in den Osten zu entsorgen, als helfe es, wenn man zu Problemen sage: “Geh doch nach drüben!’
[Jens Bisky heute im Feuilleton der Süddeutschen]
Es ist ein Thema, das uns verfolgt in diesem Dauer-Jubiläums-Jahr. Unter anderem gedenken wir 20 Jahre Mauerfall, obwohl das ein Ereignis ist, dass nicht in der Vergangenheit liegt, sondern in der Zukunft. Denn die Mauern in den Köpfen sind noch nicht gefallen.
Ich verstehe das Problem durchaus. Wem 40 Jahre konsequent und allumgebend erzählt worden ist, der jeweils andere Deutsche sei der größte Feind und lebe im falschen System, der kann nicht plötzlich und auch nicht nach 20 Jahren “Einheit” sagen, er sei nicht anders. Er kann wahrscheinlich genauso wenig sagen, er möge den anderen. Read the rest of this entry »
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May 31st, 2009
…und weil wir grad bei Politik und Positionen sind. Man kann natürlich auch weiterhin über Innenpolitik reden. Sollten wir sogar. Denn da im Moment zuviel über Peer Steinbrück und zu wenig über Wolfgang Schäuble geschimpft wird, hier nochmal ein Anstoß, dies zu ändern. Gefunden bei der wundervollen Titania Carthaga, die wieder da ist.
DU bist Terrorist (von Alexaner Lehmann)
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May 31st, 2009
…und dann wählt Deutschland seine “deutsche Stimme in Europa” (CDU). Es sind Europawahlen, die man mit den Kommunalwahlen zusammen gelegt hat, damit überhaupt jemand hingeht und für die man so wunderschöne Parteien erfunden hat wie die Violetten, die Piratenpartei (v.a. gegen Urheberrechtsschutz im Internet) oder das FBI (Freie Bürger Initiative. Bedenkt man, was der eigentliche Träger dieses Namens so alles mit den Freien Bürgern macht, ist es fraglich, ob der Name clever gewählt ist).
Deren Spots jedenfalls sind bei Weitem wahlermunternder als die drögen Phrasen der “großen parlamentarischen Fünf”. Niemand muss sich wundern, warum die Wahlen zum Europaparlament als nationale Wahlen gelten, wenn die Politiker sie selbst nur als solche ernst nehmen und sich zu deutschen Themen positionieren. Da sieht man im Wahlwerbespot der FDP, schön beplappert von EU-Spitzenkandidatin Silvana Koch-Mehrin, wie viel Anteil die FDP nach eigenem Bekunden an den vergangenen 60 Jahren Bundesrepubliksgeschichte hat. Da kommt aber kein Maastricht-Vertrag und auch kein anderer drin vor. Es geht um Emotionen im Supererinnerungsjahr, nicht um Ideen für ein zukünftiges Europa.
Aus den Spots und Plakaten kann man die Positionen der Parteien zu EU-weit relevanten Themen nicht erkennen. Gut, dass es die Bundeszentrale für politische Bildung gibt, die Thesen verfasst und an alle zur Wahl stehenden Parteien für die Wahl des Europaparlaments verschickt hat. Jetzt kann jeder den Wahl-O-mat [via Spiegel] machen und dann hinterher seine Positionen mit denen der Parteien vergleichen, um zu wissen, was Silvana Koch-Mehrin (oder ihre Partei) eigentlich über Immigration, biometrische Daten im Pass, EU-Mindestlohn (besonders überraschend - haha) oder EU-Außenpolitik denkt.
Und feststellen lassen, welchen Parteien er laut der abgefragten Positionen am nächsten steht. Bei mir wären das SPD und Grüne und selbst die Violetten und die Piratenpartei haben mit meinen Positionen mehr Übereinstimmung als FDP, CDU und CSU. Na sowas.
Tags:europa, internet, wahlen
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May 30th, 2009
Ich kann nichts dafür. Sie sind einfach gut. Ich höre sie einfach dauernd. Und wenn sich mein Journalistik-Prof dann bei DLF-Kulturfragen zum Top-Thema “Die Zukunft des Zeitung” äußert, dann muss ich hier einfach einen Link dazu hinterlassen.
Nicht nur, weil er viel Wahres sagt und den ganzen Unkern ein bisschen Recht gibt und ihnen auch gleichzeitig den Wind aus den Segeln gibt. Nein, so schön Medien erklären kann einfach nur Professor Michael Haller. Anhören!
Tags:Medien, uni leipzig
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May 26th, 2009
“Ich kämpfe gegen den modernen Demokratismus”, legt der Kabarettist Florian Schroeder dem von ihm parodierten Innenminister Wolfgang Schäuble in den Mund. Seit Jahren schon warnt letzterer vor der akuten Terrorgefahr in der Bundesrepublik Deutschland, um sukzessive die garantierten Grund- und Freiheitsrechte einzuschränken.
Da kommt ein gerade so vereitelter Anschlag und die Überführung der sogenannten Sauerlandzelle gerade recht. Sehr nachdenklich macht bei der unhinterfragten Nachrichtenlage zur “Sauerlandzelle” ein Feature von Walter van Rossum, das am 12. Mai im Deutschlandfunk lief. Jeder, der mal was mit Medien machen will oder schon macht und jeder, der sich für einen kritischen Zeitgenossen hält, sollte es hören. Die Geschichte vom Käfig voller Enten [flashplayer dradio].
Tags:Medien, politik
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May 14th, 2009
Da gehen sie hin. Meine Volleyball-Teamkollegin und ihr Freund sind auf dem wohl schönsten Fleckchen Erde der Welt gelandet. Bisschen neidisch bin ich ja schon, obwohl, wenn ich’s mir recht überlege, bin ich auch ganz froh, dass jetzt erstmal der Sommer kommt. In down under hätte ich ja jetzt schon wieder Winter.
Von dem Standpunkt betrachtet, ist dann vielleicht doch wieder das sonnige Stückchen Parkbank in Leipzig vor der Dresdner Bank das schönste Fleckchen der Welt.
Tags:australien, freunde
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May 11th, 2009
Da muss ich gleich mal Folgendes hinterher schießen: “Althaus hat Angst vor Spätfolgen“. Es gibt doch wirklich kein privates und irgendwie mit dem Thema Ski-Unfall verknüpftes Thema, das man nicht noch aufwerfen könnte. Ist das wirklich eine Wahlkampftaktik oder wissen die Medien vor lauter Schnee nicht mehr, was sie schreiben sollen? Mannmannmann.
Tags:Medien, thüringen
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May 10th, 2009
Das SZ-Magazin jeden Freitag in der gleichnamigen Zeitung ist sowieso meistens das Highlight der Leserwoche. Auch wenn ich seit einigen Ausgaben das “Gemischte Doppel” furchbar doll vermisse und mir deshalb sogar schon das gleichnamige Memory gekauft habe.
Aber dieses SZ-Magazin-Heft war ja wirklich besonders amüsant. Ein ganzes Alphabet über Journalisten, Blogs, Zeitungen und deren Zukunft, Auflagen und so weiter und so fort. Zwar hin und wieder ziemlich oft redundant, blieb es trotzdem ein extrem erheiternder Kicherverursacher. War eindeutig die albernste Person im IC-Abteil.
Als angehende Journalistin hat es mir besonders die schmucke Tabelle über die Journalisten angetan. Mir doch egal, wenn die Insider ist. Die Süddeutsche hat sie schließlich auch gedruckt. Trotzdem.
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May 8th, 2009
Jetzt auch bei twitter angekommen. Das iPhone eröffnet völlig neue Möglichkeiten und macht die virtuelle Massenkurzmitteilung plötzlich attraktiv.
Aber noch fünf Minuten einfinden, frage ich mich: Warum twittert die olle TLZ und “wir” nicht? Und warum kann ich Karla Kolumna nicht finden? Bin ich doch eigentlich nur auf ihr freudiges Drängen hin am Zwittscher-Experimentieren.
Also erstmal auf den altbackenen Web 2.0 Weg: Obama kommt auf jeden Fall nach Weimar. Wenn das kein Grund ist, mich endlich mal zu besuchen!
Tags:Medien, obama, twitter, weimar
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May 8th, 2009
Die Ostdeutschen stört nicht, was über sie in den Medien berichtet wird, sondern dass es klingt wie Auslandsjournal.
[Christoph Diekmann zitiert nach Hans-Jörg Stiehler]
Gestern trafen in der Uni Michel Foucault und Kommunikationswissenschaft aufeinander. Eine Referentin stieß im Seminar “Ostdeutschland in den Medien” eine Diskussion zur Konstruiertheit des Ostdeutschen an. Zuvor hatte sie eine halbe Stunde über unterschiedliche Radionutzung in Ost und West gesprochen, für Fernsehen und Presse lassen sich auch zwanzig Jahre nach der Wende noch gravierende Unterschiede feststellen. Das Problem der kommunikationswissenschaftlichen Empiriker: Sie können sie nicht so recht erklären, weil sich viele soziokulturelle Faktoren, die man kurz nach dem Mauerfall als Erklärung heranzog, immer mehr angleichen.
So ist zu konstatieren, dass die Ostdeutschen früher am Tag den Fernsehr einschalten und länger fernsehen. Sie haben einen Hang zur Unterhaltung, schauen eher Privatfernsehen (dazu in der von RTL in Auftrag gegebenen Studie “Deutschland einig Fernsehland”: Von Ostdeutschland lernen heißt genießen lernen), hören eher Begleit- als Einschaltradion und sind seltener Nutzer von Qualitätspresse. Diese Unterschiede existieren real.
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Tags:gedanken, Medien, ost und west, uni
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