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	<description>Der Alltag ist oft bunter als gedacht.</description>
	<pubDate>Sun, 07 Mar 2010 14:00:57 +0000</pubDate>
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		<title>alice in wonderland</title>
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		<pubDate>Sun, 07 Mar 2010 14:00:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Hollywood]]></category>

		<category><![CDATA[kino]]></category>

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		<description><![CDATA[Alice ist wieder da. Die Märchenfabrik Disney hat Tim Burton engagiert, um aus der Lewis-Carroll-Vorlage eine computeranimierte Version zu machen. Alices blaues Kleid aus dem Zeichentrickfilm ist ein bisschen schulterfreier und luftiger geworden - und Alice ein bisschen älter. Aber ihre schrulligen Weggefährten bleiben die gleichen. Die Grinsekatze, die sich ganz nach Belieben in Luft [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Alice ist wieder da. Die Märchenfabrik Disney hat Tim Burton engagiert, um aus der Lewis-Carroll-Vorlage eine computeranimierte Version zu machen. Alices blaues Kleid aus dem Zeichentrickfilm ist ein bisschen schulterfreier und luftiger geworden - und Alice ein bisschen älter. Aber ihre schrulligen Weggefährten bleiben die gleichen. Die Grinsekatze, die sich ganz nach Belieben in Luft auflöst, der verrückte Hutmacher, der beständig bei Tee sitzt und auf das Auftauchen Alices (Mia Wasikowska) wartet und die beiden streitenden Pummelchen Dideldei und Dideldum. Sie alle verfolgen nur einen Plan: Die weiße Königin (Anne Hathaway) wieder auf den Thron bringen und deren Schwester, die cholerische und mordlustige Herzkönigin(die großartige Helena Bonham Carter) zu stürzen.</p>
<p>Wie es in Märchen so ist, gibt es nur eine Heldin, die diesen Umsturz schaffen kann: Alice. Und wie es in Märchen ebenfalls üblich ist, wendet sich am Ende alles zum Guten. In Tim Burton Manier ist das Wunderland vor allem ein düsterer Ort. Wer die Herrschaft über das Königreich Unterland halten kann, bestimmt vor allem, wer das Jabberwocky kontrollieren kann. Die Figur des urzeitlich aussehenden schwarzen Riesendrachens wurde bereits in einem <a href="http://www.systemischestrukturaufstellungen.com/jabberwocky.html" target="_blank">Gedicht von Lewis Carroll</a> erwähnt. Burton hat sie also nicht erfunden, um seine Geschichte düsterer zu machen. Die meisten Figuren des Wunderlandes entspringen der Vorlage, sie scheinen allerdings viel weniger verrückt und konfus. Der Hutmacher, verkörpert vom kultigen Johnny Depp, der sich selbst allerdings dank Schminke und digitaler Nachbearbeitung überraschend unähnlich sieht, bekommt nur von Zeit zu Zeit einen Anfall von Verrücktheit. Ansonsten ist sie gespielt, um die Schergen der Herzkönigin zu täuschen. Letztere erscheint eher diktatorisch schrullig mit ihrem stets gegenwärtigen &#8220;Kopf ab!&#8221;-Rufen, ihrem tierischen Personal und dem Neid auf ihre beliebte Schwester.</p>
<p>Burton mischt ein wenig des Flairs aus Herr der Ringe mit den Farben der Disneywelt und der Burton-typischen Atmosphäre. Nach einer halben Stunde ist das alte Bild von Alice und ihrem Wunderland vergessen. Zwar kokketiert der Film damit, eine verrückte Alice und verrückte Unterland-Bewohner zu präsentieren, doch sie wirken gar nicht verrückt. Ob sie es sind, spielt keine Rolle. Der Normalismus, der seit dem 20. Jahrhundert in der westlichen Welt herrscht, wird aufgebrochen. Vielmehr als um die Frage, was normal ist und was nicht, geht es um die Selbstbestimmtheit des Lebens. Alice, die sich in ihrer Welt im England des 19. Jahrhunders weigert, Korsett und Strümpfe zu tragen, ist nicht bereit, den Jabberwocky zu töten, nur weil eine Prophezeihung das voraussagt.</p>
<p>Das Wunderland verkörpert die Fantasie, sei es nun eine Traumwelt oder real. Es ist unwichtig. Denn die Flucht ins Wunderland tritt Alice an, als ihr ein echter, aber ziemlich einfältiger Lord vor versammelter Mannschaft einen Heiratsantrag macht. Mit Hilfe des Hutmachers und seiner Freunde schafft Alice es, wieder an das Unmögliche zu glauben - und auf sich selbst zu vertrauen. Sie befreit zuerst die Bewohner Unterlands und dann sich selbst in der realen Welt. Ein wunderbar buntes Märchen also, das Lewis Carrolls Welt liebenswerter macht und uns allzu Erwachsenen wieder einmal die Fantasie nahebringt - und die Zauberkraft des Kindbleibens.</p>
<p><a href="http://www.youtube.com/watch?v=eavGS2w4HWw" target="_blank">Trailer</a> [via youtube]</p>
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		<title>verblendung</title>
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		<pubDate>Sun, 25 Oct 2009 18:30:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Kulturbeutel]]></category>

		<category><![CDATA[europäisches kino]]></category>

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		<description><![CDATA[Es sind die Personen, die Verlendung zu einem besonderen Krimi machen. Noomi Rapace legt soviel in einen Blick der Lisbeth Salander, dass sie sie gleichzeitig freilegt und maskiert. Darin spiegelt sich die Mischung aus Verletzung und Härte, die sie immer die Distanz halten lässt zwischen sich und der Welt. Es ist die Introvertiertheit, die ihr [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es sind die Personen, die Verlendung zu einem besonderen Krimi machen. Noomi Rapace legt soviel in einen Blick der Lisbeth Salander, dass sie sie gleichzeitig freilegt und maskiert. Darin spiegelt sich die Mischung aus Verletzung und Härte, die sie immer die Distanz halten lässt zwischen sich und der Welt. Es ist die Introvertiertheit, die ihr nahe liegt, aber der sie so viele Narben und Schmähungen verdankt, dass inzwischen Angriff ihre Verteidigung ist. Sie wehrt sich. Und sie versinkt in den Leben anderer, wenn sie sich in ihre Rechner hackt und akribisch alles sammelt, was auf ihren Festplatten über das Leben der anderen zu finden ist. So trifft Lisbeth Salander schließlich auf Mikael Blomkvist (Michael Nyqvist). Oder besser gesagt, sie wird gefunden.</p>
<p>Blomkvist ist einer jener vom Aussterben bedrohten Art Journalist, die ihre Ideale über die Jahre retten und nicht in Zynismus ertränken, die sogar für sie ins Gefängnis gehen. Er soll einen Mord aufklären, der 39 Jahre zurück liegt und zu dem es keine Leiche, keinen Tatort und kaum Indizien gibt. Als er nicht weiter kommt, wendet er sich an Lisbeth. Im verschneiten Nirgendwo irgendwo in Schweden umgeben sie sich mit alten Fotos, befragen Tatverdächtige, die allesamt aus der Familie stammen, lassen sich beschießen und beobachten und kommen der Sache immer näher. Dieser Teil der Geschichte ist nichts Besonderes. Derlei Geschichten sind jeden Sonntag im öffentlich-rechtlichen zu sehen. Nicht umsonst wird die Verfilmung der Millenium-Trilogie von Stieg Larsson mit Henning Mankells Wallander-Romanen verglichen.</p>
<p>Nein, es ist die Verbindung mehrerer scheinbar so verschiedener Schicksal, es ist vor allem die Figur der Lisbeth, die den Zuschauer 152 Minuten in den Kinosesseln halten. Wie Schicht um Schicht abgetragen wird bis die Grenzen zwischen Opfer und Täter verschwimmen, bis die aufzuklärende Geschichte in den Hintergrund tritt. Es ist die Distanz, die Lisbeth Salander so faszinierend macht. Distanz, die sie zu ihrer Welt genauso hält wie zum Kinopublikum. Obwohl der Film so viel preisgibt über ihre Vergangenheit, ihre Gegenwart; obwohl wir sie zu durchschauen meinen, bleibt sie doch immer fremd. Das liegt im Charakter der Figur. Im Blick, in dem die Härte die Verletzungen zu überdecken droht - und es doch nie ganz schafft.</p>
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		<title>stand der dinge</title>
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		<pubDate>Sun, 25 Oct 2009 15:16:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
		
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		<description><![CDATA[Wenn du vor mir stehst und mich ansiehst,
was weißt du von den Schmerzen,
die in mir sind und was weiß ich von deinen.
Und wenn ich mich vor dir niederwerfen würde
und weinen und erzählen,
was wüßtest du von mir mehr als von der Hölle,
wenn dir jemand erzählt, sie ist heiß und fürchterlich.
[franz kafka]
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			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>Wenn du vor mir stehst und mich ansiehst,<br />
was weißt du von den Schmerzen,<br />
die in mir sind und was weiß ich von deinen.</p>
<p>Und wenn ich mich vor dir niederwerfen würde<br />
und weinen und erzählen,<br />
was wüßtest du von mir mehr als von der Hölle,<br />
wenn dir jemand erzählt, sie ist heiß und fürchterlich.</p></blockquote>
<p>[franz kafka]</p>
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		<title>unberechenbar</title>
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		<pubDate>Tue, 13 Oct 2009 16:32:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Am Rande]]></category>

		<category><![CDATA[Kulturbeutel]]></category>

		<category><![CDATA[Medien]]></category>

		<category><![CDATA[sport]]></category>

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		<description><![CDATA[Nichts ist unberechenbarer als der Finanzsektor! Diese Aussage ist dieser Tage sehr populär. Politiker, Banker - sogar Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann: Alle waren völlig überrascht, dass die als kleine Jubiläumskrise geplante Konjunkturschlappe (&#8221;Gedenkknick 80 Jahre Weltwirtschaftskrise&#8221;) plötzlich völlig außer Kontrolle gerier. Arbeitsplätze, Automobilzulieferer, ein ausgeglichener Bundeshaushalt - alles von der Krise zerstört.
Es gibt allerdings eine Institution, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Nichts ist unberechenbarer als der Finanzsektor! Diese Aussage ist dieser Tage sehr populär. Politiker, Banker - sogar Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann: Alle waren völlig überrascht, dass die als kleine Jubiläumskrise geplante Konjunkturschlappe (&#8221;Gedenkknick 80 Jahre Weltwirtschaftskrise&#8221;) plötzlich völlig außer Kontrolle gerier. Arbeitsplätze, Automobilzulieferer, ein ausgeglichener Bundeshaushalt - alles von der Krise zerstört.</p>
<p>Es gibt allerdings eine Institution, die diese Unberechenbarkeit noch um Längen schlägt: Das Komitee, das den Literatur-Nobelpreis vergibt. Diesen Ruf hat es sich auch redlich über viele Jahre verdient. Schon Monate vor der Preisvergabe lassen die Juroren tonnenweise Zeitungen aus der ganzen Welt einfliegen. Jeder Schriftsteller, der in einem noch so kleinen Lokalanzeiger als Anwärter für den Nobelpreis genannt wird, ist automatisch aus dem Rennen. Der US-Amerikaner Philipp Roth ist so oft durchgestrichen, dass er auf den Listen für die kommenden 100 Jahre nicht mehr auftauchen wird. So heiß wird er jedes Jahr als Top-Favorit gehandelt - und jedes Jahr mehr, schließlich hatte er es schon im jeweils vergangenen Jahr mehr als verdient.</p>
<p>In diesem Jahr gewann Herta Müller - natürlich eine unberechnete Überraschung. Müller lebt seit 1987 in Berlin. Dort gibt es einen Sportverein, der dieser Tage unberechenbar eingebrochen ist und mit Negativergebnissen die rote Laterne verteidigt. Zeichen von Herta für Hertha: Auch ein Tabellenletzter kann Nobelpreisträger werden. Einen erfolglosen Fußballverein hatte noch nie ein Literatur-Experte auf der Liste.</p>
<p>___________________________________________________<br />
Dieser Text durfte bei meinem Arbeitgeber nicht erscheinen. Begründung: Für eine Kolumne ist er zu intelligent, der Leser muss sich viel zu sehr konzentrieren. Da nütze auch die gute Pointe nicht. Jaja, dem Leser drei Minuten Konzentration abzuverlangen, ist wirklich eine ganz schöne Zumutung. Wie schaffen die es dann, ein Buch von Herta Müller zu lesen? Oder den Kommentar zu 90 Minuten Hertha-Kick zu ertragen?</p>
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		<title>über die welt, die nur in fahrtenbüchern existiert</title>
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		<pubDate>Sun, 04 Oct 2009 11:37:16 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Kulturbeutel]]></category>

		<category><![CDATA[Vor Ort]]></category>

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		<description><![CDATA[Seit zwei Jahren lese ich Harald Martenstein nur noch unregelmäßig. Das liegt vor allem daran, dass das ZEITmagazin dem Kolumnisten mehr Platz eingeräumt hat. Er scheint selbst häufig nicht allzu viel mit der neuen Zeilenfreiheit anfangen zu können. Seine Texte erschienen mir beim Lesen immer häufiger weniger rund, weniger auf den Punkt geschrieben. Aber das [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Seit zwei Jahren lese ich Harald Martenstein nur noch unregelmäßig. Das liegt vor allem daran, dass das ZEITmagazin dem Kolumnisten mehr Platz eingeräumt hat. Er scheint selbst häufig nicht allzu viel mit der neuen Zeilenfreiheit anfangen zu können. Seine Texte erschienen mir beim Lesen immer häufiger weniger rund, weniger auf den Punkt geschrieben. Aber das Missfallen der neueren Texte, es muss irgendwie an mir selbst gelegen haben.</p>
<p>Denn am vergangenen Donnerstag war er hier. Hier in Bielefeld. Nach eigenem Bekunden zum ersten Mal in seinem Leben. Genau wie ich. Es ist, als habe es so sein sollen. Jedenfalls las er die länger gewordenen Kolumnen zur Eröffnung der Bielefelder Literaturtage in der hiesigen Stadtbibliothek - und ich habe mich ausgeschüttet vor Lachen.</p>
<p>Da war  die treffende<a href="http://www.zeit.de/2006/11/Titel_2fMartenstein_11"> Analyse der wandelbaren Jugendsprache</a>, die  <a href="http://www.zeit.de/2008/14/Martenstein-14" target="_blank">Sinnhaftigkeit von Umfragen</a>, eine interessante Herangehensweise an das <a href="http://www.zeit.de/2008/13/Martenstein-13" target="_blank">Problem der Sozialdemokraten</a> oder die Entdeckung des <a href="http://www.zeit.de/2008/49/Martenstein-49" target="_blank">Paralleluniversums der Fahrtenbücher</a>. Ich muss gestehen, dass ich viele dieser Kolumnen gelesen, aber selten mehr als den Anflug eines Lächelns heraus gebracht habe. Es muss an diesem Mann liegen, der da mit seinen immer gleich zerzauselten Haaren und seiner immer gleichen kleinen Brille auf dem Podest sitzt und mit samtig-weicher Stimme erzählt, der sich auf das Publikum einlässt, dass an diesem Abend besonders redselig ist (&#8221;Was emnid ist in Bielefeld - von Ihnen lernt man ja noch richtig etwas&#8230;was soll das jetzt heißen, Bielefeld gibt es gar nicht? Ist das etwas metaphysisches? Verwirren Sie mich doch nicht so!&#8221;).</p>
<p>Der ins Nichts zu gucken scheint und vor sich hin schwadroniert bis er gar nicht mehr weiß, worauf er eigentlich hinaus wollte, der  dem Moderator Fragen vorschlägt und dann immer wieder vorliest. All die verlängerten Kolumnen aus der Zeit, neu geordnet in seinen Büchern &#8220;Der Titel ist die halbe Miete&#8221; und &#8220;Männer sind wie Pfirsiche&#8221;. Die er glücklicherweise auch eingelesen hat. Damit ich mir wieder regelmäßig meine Portion Martenstein abholen kann. Und wenn alle Kolumnen ausgelesen sind, dann muss ich mir die wöchentlich neu erscheinenden Texte im ZEITmagazin eben wieder vorlesen lassen&#8230;muss ich nur noch jemanden, mit einer samtig-weichen Stimme finden.</p>
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		<title>weiter leben</title>
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		<pubDate>Tue, 08 Sep 2009 14:23:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Der Poet spricht]]></category>

		<category><![CDATA[gedanken]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Hoffnung auf Anschlag
Die Welt hält für mich nicht die Luft an
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Hoffnung auf Anschlag<br />
Die Welt hält für mich nicht die Luft an</p>
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		<title>domino days und mikado-marathon</title>
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		<pubDate>Tue, 08 Sep 2009 10:08:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Große Bühnen]]></category>

		<category><![CDATA[politik]]></category>

		<category><![CDATA[thüringen]]></category>

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		<description><![CDATA[Kaum habe ich dem beschaulichen und friedlichen Thüringen den Rücken gekehrt und mich Nordrhein-Westfalen zugewandt, muss ich mich in der westlichen Fremde für die östliche Heimat fremdschämen. Wenn die Leute mich fragen: &#8220;Ja, sag mal, spinnen die in Thüringen jetzt alle?&#8221; Was soll ich darauf ernsthaft antworten?
Etwas wehmütig bleiben die Zeilen aus Rainald Grebes liebevoller [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Kaum habe ich dem beschaulichen und friedlichen Thüringen den Rücken gekehrt und mich Nordrhein-Westfalen zugewandt, muss ich mich in der westlichen Fremde für die östliche Heimat fremdschämen. Wenn die Leute mich fragen: &#8220;Ja, sag mal, spinnen die in Thüringen jetzt alle?&#8221; Was soll ich darauf ernsthaft antworten?</p>
<p>Etwas wehmütig bleiben die Zeilen aus Rainald Grebes liebevoller Thüringen-Hymne im Kopf hängen. Sie scheinen jeden Tag unwirklicher:</p>
<p>&#8220;Thüringen - das grüne Herz Deutschlands<br />
seit wann sind Herzen grün?<br />
Grün vor Neid aufgrund Bedeutungslosigkeit<br />
Grün vor Hoffnung, dass es lange Zeit so bleibt&#8230;&#8221;</p>
<p>Heute ist Thüringen in aller Munde. Die haben einen Ministerpräsidenten, der vom Rücktritt zurück tritt. Einen Linken-Spitzenkandidaten, der erst auf den Ministerpräsidentenposten verzichten will (verkündete er vor etwa einem Jahr), dann nicht mehr und jetzt vielleicht doch wieder. Und dazwischen eine SPD mit einem völlig verschreckten Christoph Matschie, die es komplett versäumt, die Wackelei der anderen Partei-Köpfe für sich zu nutzen und sich nach all den Negativ-Schlagzeilen der vergangenen Monate und Jahre endlich einmal positiv im Wählerherzen zu profilieren.</p>
<p>Es scheint, als hätte irgend jemand der Thüringen-SPD gesagt: Wenn alle anderen Domino Day spielen, spielt ihr Mikado. Bewegt euch nicht bis zur Bundestagswahl. Denn seit dem aktuellen Angela-Merkel-Wahlkampf wissen wir: Wer nichts macht, macht nichts falsch und ist trotzdem beliebt. Nur irgendwie habe ich das Gefühl, dass in Thüringen grad alles anderes ist.</p>
<p>Es bleibt uns nur, mit all den Allgemeinplätzchen-Phrasendrescher auf die neue Entscheidungsfreiheit nach der gefürchteten Bundestagswahl zu warten und mit Rainald Grebe von den guten alten Zeiten zu singen: &#8220;Thüringen, Thüringen, Thüringen - ist eines von den schwierigen Bundesländern. Denn es kennt ja keiner außerhalb von Thüringen.&#8221; Schön war&#8217;s.</p>
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		<title>der ossi, der wessi und der unrechtsstaat</title>
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		<pubDate>Sat, 22 Aug 2009 09:24:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Große Bühnen]]></category>

		<category><![CDATA[ost und west]]></category>

		<category><![CDATA[politik]]></category>

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		<description><![CDATA[Das Urteil über die DDR ist eindeutig: Sie war kein Rechtsstaat. Sie war eine Diktatur. Sie war ein System der Misswirtschaft, das deshalb am Schluss auch in sich zusammengebrochen ist. Das System ist gescheitert, aber die Menschen sind nicht gescheitert. Jeder Versuch, genauer und differenzierter über die Geschichte der DDR zu urteilen, endet aber gegenwärtig [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>Das Urteil über die DDR ist eindeutig: Sie war kein Rechtsstaat. Sie war eine Diktatur. Sie war ein System der Misswirtschaft, das deshalb am Schluss auch in sich zusammengebrochen ist. Das System ist gescheitert, aber die Menschen sind nicht gescheitert. Jeder Versuch, genauer und differenzierter über die Geschichte der DDR zu urteilen, endet aber gegenwärtig mit einem Bannfluch gegen diejenigen, die das tun.</p></blockquote>
<blockquote><p>[<a href="http://www.arte.tv/de/Die-Welt-verstehen/_E2_80_9EWir-sind-das-Volk_21_E2_80_9C/2598932.html" target="_blank">wolfgang thierse</a>]</p></blockquote>
<p>In diesem Jahr kocht eine Debatte immer wieder hoch: War die DDR ein Unrechtsstaat oder nicht? Selbst so integere Diskutanten wie Gesine Schwan (SPD) werden stumm gestellt, weil sie es wagen, einen differenzierteren Umgang mit Begriffen und Vergangenheitsaufarbeitung zu fordern. Sie hat es gewagt, sich gegen die Benutzung eines Begriffs auszusprechen, der so nichtssagend wie aufgeladen ist.</p>
<p>Jochen Staadt wies in einer der vielen Talkshows zu diesem Thema darauf hin, der Begriff Unrechtsstaat sei wissenschaftlich nicht nutzbar. Er tauge nur in einer moralischen Dimension. Staadt ist Projektleiter im Forschungsverbund SED-Staat der Freien Universität Berlin. Er ist Wissenschaftler, genau wie Gesine Schwan. Und beide kämpfen für die differenziertere Benutzung von Begriffen.</p>
<p><a href="http://www.mdr.de/forum/showthread.php?t=1132&amp;page=15" target="_blank">Liest</a> (<a href="http://www.faz.net/s/RubCF3AEB154CE64960822FA5429A182360/Doc~E5C24C1DE09D24A248777027712B9409C~ATpl~Ecommon~Scontent.html" target="_blank">1</a> <a href="http://www.zeit.de/2009/28/op-ed-Unrechtsstaat" target="_blank">2</a> <a href="http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/479023" target="_blank">3</a>)und hört man die vielen Aussagen, die in den vergangenen Monaten in der Debatte gemacht wurden, fällt schnell eines ins Auge: Kaum jemand macht sich die Mühe, den Begriff Unrechtsstaat zu definieren. Wird es doch getan, so wird schnell klar, dass die scheinbar einigen Begriffsfreunde von völlig verschiedenen Dingen reden. Die einen meinen die fehlende Gewaltenteilung in der DDR und die damit verbundene Abhängigkeit des Justizsystems von der SED-Führung. Andere meinen den Überwachungsstaat, die Stasi und die Schüsse an der Mauer. Wieder andere meinen die Diktatur im Allgemeinen, der nächste meint den Verstoß gegen das, was in der Bundesrepublik die freiheitlich demokratische Grundordnung heißt. Sie glauben, sie argumentieren auf der gleichen Seite, aber sowohl Befürworter als auch Gegner des Begriffs reden von unterschiedlichen Dimensionen der DDR-Vergangenheit.</p>
<p>Was bedeutet diese Selbstverständlichkeit im Umgang mit dem Begriff, obwohl er in seiner Bedeutung offensichtlich unterdeterminiert ist. Wäre er es nicht, wären nicht derlei vielzählige Begriffsbestimmungen möglich.</p>
<p><span id="more-505"></span>Antwort darauf kann die<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Diskursanalyse" target="_blank"> Diskursanalyse</a> geben. Sie versucht, Erzählungen zu erkennen und ihre Funktionsweise (roter Faden, Schlüsselbegriffe, Subjektpositionen) herauszufiltern. Grundannahme: Unsere Wirklichkeit ist konstruiert. Eine besondere Bedeutung haben dabei Begriffe und deren &#8220;erlaubte&#8221; Verwendung. Die Diskursanalyse hat viele Theorien und Methoden hervorgebracht. In der Beschäftigung mit dem Begriff Unrechtsstaat möchte ich mich an <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Ernesto_Laclau" target="_blank">Ernesto Laclau</a> und <a href="http://www.wmin.ac.uk/sshl/page-1527-smhp=1" target="_blank">Chantal Mouffe</a> halten, die die Hegemonietheorie ausarbeiteten. Ihre zentrale Annahme: Gesellschaft ist ständig im Fluss und wird ermöglicht durch Hegemonien und Antagonismen. Hegemonie meint hierbei die Vorherrschaft (die Macht) bestimmter gesellschaftlicher Gruppen. Sie setzen Begriffe und haben die Deutungsmacht, werden allerdings ständig von anderen gesellschaftlichen Gruppen attackiert, die selbst die Vorherrschaft anstreben. Um die Hegemonie zu erreichen, muss ein hegemoniales Projekt durchgesetzt und als selbstverständlich und alternativenlos dargestellt werden. Solch ein hegemoniales Projekt ist die Erzählung, ein Begriff oder meist ein Sammelsurium aus Begriffen, welche die Gesellschaft charakterisieren und einen.</p>
<p>In der Realität ist es so, dass Gesellschaft alles andere als homogen ist. Wie aber soll abgegrenzt werden, wer noch zu UNS gehört und wer zu den ANDEREN, wenn doch eigentlich alle verschieden sind? Diese Abgrenzung funktioniert nur in der Etablierung eines &#8220;radikalen Außen&#8221;, eine Konstruktion, die fundamental verschieden ist von allen Mitgliedern der Gesellschaft. Diese fundamentale Verschiedenheit eint die Individuen dann zu einer Gruppe, einer Gesellschaft, einer Nation. Dabei wird das &#8220;radikale Außen&#8221; ähnlich dem eigenen hegemonialen Projekt mit Begriffen besetzt, die in ihrer Bedeutung unterbestimmt sind (sog. &#8220;leere Signifikanten&#8221;). Was hat das alles mit der Debatte um den Unrechtsstaat zu tun? Sehr viel.</p>
<p>Denn nach dem zweiten Weltkrieg sah sich das geteilte Deutschland mit derlei Abgrenzungsproblemen konfrontiert. Was unterschied die einen Deutschen von den anderen? Eine junge Nation, noch dazu, wenn sie von außen (in diesem Fall von den Besatzungsmächten) geformt wird, braucht eine Identität, muss sich als Einheit konstituieren. Nationen sind <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Benedict_Anderson" target="_blank">&#8220;imagined communities&#8221;</a>, die auf genau derlei Abgrenzungsprinzipien beruhen.</p>
<p>Die politischen Eliten der Bundesrepublik wie der DDR bastelten also jeweils an ihrem hegemonialen Projekt, konstruierten ihre Gesellschaften und gaben ihnen eine Identität, indem sie sich jeweils radikal vom anderen Deutschland abgrenzten. Beide Systeme waren füreinander das &#8220;radikale Außen&#8221;. Die Bundesrepublik kreierte den <strong>Rheinischen Kapitalismus</strong>, der auf den Begriffen Demokratie, Soziale Marktwirtschaft, Freiheit, Rechtsstaatlichkeit und vielem mehr beruhte. Die DDR konstruierte sich als sozialistisches Land, in dem Gleichheit, die Überlegenheit der Arbeiterklasse, Planwirtschaft zentral waren. Und jeder fand sein radikales Außen im jeweils anderen.</p>
<p>Nun konnte Anfang der 1950er niemand ahnen, was 40 Jahre später passieren würde. Die als radikales Außen proklamierten Systeme, die großen, unvereinbaren Feindschaften mündeten in einem wiedervereinigten Deutschland. Es passierte, was einem hegemonialen Projekt eigentlich nicht passieren darf: Teile des radikalen Außen waren plötzlich innen. Zwar fiel der Staat DDR, doch Territorium und Bevölkerung waren jetzt Teil des Systems Rheinischer Kapitalismus. 40 Jahre hatte man ihnen erzählt, dass sie Feinde seien, um das eigene politische System zu festigen - jetzt sollten sie plötzlich Freunde werden.</p>
<p>Und auch für die politischen Eliten ergab sich ein Problem. Der Wegfall des realen radikalen Außen destabilisierte das eigene hegemoniale Projekt. Wie ich bereits am Anfang erwähnte, gehen Laclau und Mouffe davon aus, dass sich Gesellschaft stets im Fluss befindet. Hegemonien können stürzen und durch neue abgelöst werden. Gerade in der aktuellen Weltwirtschaftskrise wackelt das Projekt Rheinischer Kapitalismus. Die Bürger stellen das System in Frage, da es Mängel hat, die gerade offenbar werden. Sie fragen nach Alternativen, auch zum Kapitalismus, der spätestens nach dem Zusammenbruch des Ostblocks so selbstverständlich und alternativenlos da stand (ein gelungenes hegemoniales Projekt also). Die einzige Lösung zur Stabilisierung schien im Festhalten am &#8220;radikalen Außen&#8221; zu liegen. Die DDR wird pauschal und im Ganzen verteufelt, um jede Diskussion über das eigene politische System zu unterbinden. Eine differenzierte Debatte darf (derzeit) nicht stattfinden, um die Konstruktion des &#8220;radikalen Außen&#8221; nicht zu gefährden. Die DDR war das ganze Gegenteil der BRD: Diktatur statt Demokratie, Überwachung statt Freiheit, Misswirtschaft statt Sozialer Marktwirtschaft und Unrechtsstaatlichkeit statt Rechtsstaatlichkeit.</p>
<p>Dabei werden alle stumm geschaltet, die einen differenzierteren Umgang mit der DDR-Vergangenheit fordern. Auch so intelligente und der DDR absolut fernstehende Personen wie Gesine Schwan. Trotzdem muss versucht werden, die ehemaligen DDR-Bürger von ihrer alten Identität zu trennen und sie zu Bundesbürgern zu machen. Nicht offiziell, sondern im Selbstverständnis. Das alte Feindschema soll abgebaut werden ohne jedoch die Systemintegration zu gefährden. Das scheint schier unmöglich, denn solange die Bewohner der ehemaligen DDR das Gefühl haben, &#8220;anders&#8221; zu sein, nicht als vollwertige Bürger anerkannt und ihrer Vergangenheit beraubt zu werden, werden sie ihre Sicht auf die Bundesrepublik nicht ändern.</p>
<p>Deswegen ist ein differenzierter und bewusster Umgang mit Begriffen nötig. Denn solange wir unsere Wirklichkeit mit &#8220;Ossi&#8221; und &#8220;Wessi&#8221;, mit &#8220;Ost-&#8221; und &#8220;Westdeutschland&#8221; so stark charakterisieren, so lange werden die Feindkonstruktionen, die Differenzierungen in &#8220;wir hier drüben&#8221; und &#8220;die da&#8221; weiter bestehen. Ein wichtiger Schritt aufeinander zu, wäre das Aufbrechen all der leeren Signifikanten. Die DDR kann kein Unrechtsstaat sein, weil es keinen Unrechtsstaat gibt (abgesehen von der moralischen Kategorie). Recht setzt der, der das legitime Gewaltmonopol über ein Territorium und deren Bewohner inne hat. Und das war von 1949 bis 1989 die SED. Und selbst wenn uns das System der DDR nach heutigen Maßstäben nicht passt (mir passte es ganz und gar nicht und ich bin sehr froh, dass ich quasi direkt in das vereinigte Deutschland geboren wurde), können wir es nicht im Nachhinein als Unrecht setzen. Moralisch kann der Begriff auch erst sinnvoll verwendet werden, wenn über seine Definition diskutiert werden darf und ihn nicht jeder so versteht, wie er ihn verstehen will. Denn dann verstehen ihn viele Bürger aus &#8220;Ost&#8221; und &#8220;West&#8221; als Generalverureilung. Das hilft jedoch keinem um die Kluft zwischen den ehemaligen &#8220;Feinden&#8221; zu schließen.</p>
<p>Was wir brauchen ist jede Menge Mut. Mut, undifferenzierte und unhinterfragte Begriffsnutzungen anzugreifen. Den Mut, aufeinander zuzugehen, Vorurteile und &#8220;Feindkonstruktionen&#8221; aktiv abzubauen und gemeinsam an einer Aufarbeitung der Vergangenheit eines geteilten Deutschlands zu arbeiten. Mut brauchen dabei auch die politischen Eliten und die leitenden Redakteure in all den Politik- und Feuilletonressorts. Jeder einzelne von uns konstruiert mit seiner Begriffswahl die Wirklichkeit. Was wir für alternativenlos und selbstverständlich halten, ist bei näherem Hinsehen nichts weiter als eine gelungene Durchsetzung eines hegemonialen Projekts und nie die endgültige Wahrheit.</p>
<p>_________________________________________________________________________________<br />
Literatur:</p>
<p>Anderson, Benedict (2005): Die Erfindung der Nation: Zur Karriere eines folgenreichen Konzepts, Campus Verlag.<br />
Bauer, Hans [Hrsg.] (2003): Siegerjustiz? Die politische Strafverfolgung infolge der Deutschen Einheit, Homilius.<br />
Laclau, Ernesto/Mouffe, Chantal (1985): Hegemonie und radikale Demokratie. Zur Dekonstruktion des Marxismus, Passagen Verlag.<br />
Nonhoff, Martin (2007): Diskurs - radikale Demokratie - Hegemonie. Zum politischen Denken von Ernesto Laclau und Chantal Mouffe, transcript.<br />
Schroeder, Klaus (2000): Der Preis der Einheit. Eine Bilanz, Hanser Verlag.</p>
<p><a href="http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/politischesfeuilleton/1018281/" target="_blank">Rolf Schneider im Deutschlandradio Kultur:</a></p>
<blockquote><p>Ein Beispiel ist die überflüssige Diskussion, ob die DDR ein Unrechtsstaat gewesen sei oder nicht. Unrechtsstaat ist kein genau definierbarer Begriff, die Staatsrechtslehre benutzt ihn nicht. Die kennt den bürgerlichen Rechtsstaat. Die Bundesrepublik Deutschland ist ein solcher. Rechtsstaaten zeichnen sich aus durch Gewaltenteilung und unabhängige Justiz. Gewaltenteilung im Sinne Montesquieus gab es in der DDR keine. Die Justiz operierte, und zwar erklärtermaßen, parteigebunden und parteiisch. Das schloss weder eine ordentliche Straßenverkehrsordnung noch Strafgesetze gegen Diebstahl aus. Beides existierte auch in Hitlers Deutschland. War Hitlers Deutschland deswegen ein Rechtsstaat? Es war eine Diktatur. Auch die DDR war eine Diktatur, aus eigener Definition, nämlich eine solche des Proletariats. Ein bürgerlicher Rechtsstaat war sie nicht. Die Wendung vom Unrechtsstaat ist bloße Polemik, gemacht, Bewohner der untergegangenen DDR zu irritieren, wenn nicht zu kränken.</p></blockquote>
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		<title>schwarz</title>
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		<pubDate>Mon, 03 Aug 2009 09:29:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Lyrik]]></category>

		<category><![CDATA[poesie]]></category>

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		<description><![CDATA[Wenn wir schlafen nimmt uns das Leben
Menschen und Hoffnung und Zeit
und sind wir auch wachend
- ob weinend, ob lachend -
bekämpft uns die Ewigkeit
Diagnose unheilbar
die Angst wird unteilbar
und wird doch von allen geteilt
Schwarz sind die Tage
es war nur eine Frage
innerer Sicherheit
Wenn wir leben nimmt uns das Leben
Träume und Frieden und Sinn
selbst wenn wir erstarren
in Trauer verharren
der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn wir schlafen nimmt uns das Leben<br />
Menschen und Hoffnung und Zeit<br />
und sind wir auch wachend<br />
- ob weinend, ob lachend -<br />
bekämpft uns die Ewigkeit</p>
<p>Diagnose unheilbar<br />
die Angst wird unteilbar<br />
und wird doch von allen geteilt</p>
<p>Schwarz sind die Tage<br />
es war nur eine Frage<br />
innerer Sicherheit</p>
<p>Wenn wir leben nimmt uns das Leben<br />
Träume und Frieden und Sinn<br />
selbst wenn wir erstarren<br />
in Trauer verharren<br />
der Schmerz weiß immer wohin</p>
<p>[für s.]</p>
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		<title>der mauerfall der gegenwart</title>
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		<pubDate>Sat, 13 Jun 2009 12:54:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Medien]]></category>

		<category><![CDATA[ost und west]]></category>

		<category><![CDATA[politik]]></category>

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		<description><![CDATA[Wer ein vollständiges Bild gewinnen will, muss also auch über die Wessis reden, die viel weniger erforscht sind, viel weniger Aufmerksamkeit gefunden haben - und wenn, dann vor allem summarische. Den Ossi hat man vielleicht schon zweimal zu viel analysiert, der Bundesdeutsche ist gut erkundet, der Wessi aber bisher ein ziemlich blasser Mythos.
Dafür gibt es [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>Wer ein vollständiges Bild gewinnen will, muss also auch über die Wessis reden, die viel weniger erforscht sind, viel weniger Aufmerksamkeit gefunden haben - und wenn, dann vor allem summarische. Den Ossi hat man vielleicht schon zweimal zu viel analysiert, der Bundesdeutsche ist gut erkundet, der Wessi aber bisher ein ziemlich blasser Mythos.<br />
Dafür gibt es Gründe in der Sache: Ossi ist man immer, Wessi nur in der Begegnung mit Ostdeutschen und im Reden über sie. Für Ossis war 1989 eine Zäsur, die ihr Leben prägte. Bundesdeutsche konnten so tun und tun es ja heute noch gern, als beträfe sie das nur am Rande. Sie machen höchstens noch von der Möglichkeit Gebrauch, so viel Übel wie mögllich - Rechtsextremismus, Verwahlosung, Staatsgläubigkeit, Kindstötung - in den Osten zu entsorgen, als helfe es, wenn man zu Problemen sage: &#8220;Geh doch nach drüben!&#8217;</p></blockquote>
<p>[Jens Bisky heute im Feuilleton der Süddeutschen]</p>
<p>Es ist ein Thema, das uns verfolgt in diesem Dauer-Jubiläums-Jahr. Unter anderem gedenken wir 20 Jahre Mauerfall, obwohl das ein Ereignis ist, dass nicht in der Vergangenheit liegt, sondern in der Zukunft. Denn die Mauern in den Köpfen sind noch nicht gefallen.</p>
<p>Ich verstehe das Problem durchaus. Wem 40 Jahre konsequent und allumgebend erzählt worden ist, der jeweils andere Deutsche sei der größte Feind und lebe im falschen System, der kann nicht plötzlich und auch nicht nach 20 Jahren &#8220;Einheit&#8221; sagen, er sei nicht anders. Er kann wahrscheinlich genauso wenig sagen, er möge den anderen. <span id="more-498"></span></p>
<p>Es freut mich, die versöhnlicheren Töne zu hören. Wie vorgestern Nacht als bei Deutschlandradio Kultur die Nachtgespräche am Telefon zum Thema &#8220;Einheitsbericht 2009. Wie einig sind sich die Deutschen?&#8221; liefen. Die meisten Anrufer wollten ein Ende der ewigen Unterscheidungstiraden, ein Ende der Vorurteile und Unterstellungen. Auch wenn mein positiver Eindruck vom Zustand dieser Bevölkerung durch einen Anrufer gegen Ende der Sendung stark getrübt wurde, der meinte, die Mentalitätsunterschiede zwischen Ost und West gingen bis auf den 30-jährigen Krieg zurück, seien immer schon da gewesen und auch für die Zukunft unüberbrückbar. Das Argument ist so doof, da muss man sich nicht mal die Mühe machen, es zu entkräftigen. Es entkräftigt sich selbst.</p>
<p>Vielmehr stimme ich denen zu, die den Schwarzen Peter bei Medien und politischen Eliten sehen. Ich hasse diese grundsätzliche Kritik an den Medien, aber wenn es um Bedeutungsmacht und dergleichen geht, ist sie häufig berechtigt. Auch ich kann die Schlagzeilen nicht mehr hören: &#8220;Der Osten verkraftet die Krise besser&#8221;, &#8220;Soziale Ungleichheit zwischen Ost und West wächst weiter&#8221; und so weiter und so fort. Ein Hörer aus Weimar merkte an, man könne genauso sinnvoll Strukturdaten  aus Nord und Süd vergleichen oder einzelne Bundesländer als Grundlage von Vergleichen nehmen. Aber das Aufrechterhalten der Ost-West-Vergleiche erhalte auch das Bild der Unterschiedlichkeit in den Köpfen der Menschen.</p>
<p>Das stimmt wohl. Diese Republik steht dabei gerade vor so einer großen Chance. Am Eingang ins Erwachsenenleben, in den Universitäten und den Ausbildungszentren, in Redaktionen und in den Nachwuchsorganisationen der Parteien sammelt sich eine Generation für die das geteilte Deutschland nur eine Erinnerung ist, keine selbst erlebte Identität. Das Ost- oder West-Sein wird ihnen aufgedrückt von den Erzählungen der Eltern und Großeltern und von den herum geisternden Begriffen des Ossis und des Wessis. Von den ewigen Vergleichen und dem ewigen Unterstreichen der Unterschiedlichkeit.</p>
<p>Wir, die wir Anfang 20 sind, könnten diese Kategorien getrost vergessen. Wie fühlen uns nicht als Ost- oder Westdeutsche. Nicht mal, wenn wir dem jeweils &#8220;anderen&#8221; gegenüber sitzen und das kommt in meinem Studiengang andauernd vor. Weil wir nicht mehr darüber nachdenken, aus welchem Teil Deutschlands unser Gesprächspartner kommt. Es spielt einfach keine  Rolle. Außer in den Diskussionen über das deutsch-deutsche Verhältnis. Über die Probleme der DDR-Aufarbeitung und die Deutungshoheit. Es scheinen aber nicht unsere Probleme mit Selbst- und Fremdzuschreibung zu sein, die wir da diskutieren. Zwar erzählen &#8220;westdeutsche&#8221; Kommilitonen, dass sie &#8220;drüben&#8221; Freunde haben, die noch nie &#8220;im Osten&#8221; waren und diesen Landesteil so rückständig wie Australien im 16. Jahrhundert halten. Aber das seien Ausnahmen von Daheimgebliebenen, die sich dem fremden &#8220;Anderen&#8221; noch nie gegenüber gesehen haben. Die nicht feststellen konnten, dass der andere genau die gleiche Musik hört, die gleichen Probleme hat und auch weiß, wie sich Liebeskummer anfühlt. Für den die DDR ein genauso ferner Staat ist wie für ihn selbst. Weil er sie auch nur aus dem Geschichtsbuch und den Erzählungen und Fernsehdokumentationen kennt.</p>
<p>Die Begegnung der Post-Mauer-Generationen sind entspannter und können Vorurteile leichter abbauen. Weil die Feindbilder uns nur anerzogen wurden, wir haben sie nicht selbst aktiv aufgebaut.</p>
<p>Es ist, als sei die Mauer in unseren Köpfen gefallen oder als sei sie nie dagewesen. Das sollte Deutschland in diesem Jahr als Chance begreifen. Und in jedem anderen Jahr auch. Und es sind die Medien und die politischen Eliten, die diesen Mauerfall bei der Jugend zur Kenntnis nehmen und ihn nicht gefährden sollten. Durch ihre ewigen Diskussionen um Ossi und Wessi.</p>
<p>Alle, die sich noch als Ossis oder Wessis fühlen, sollten ihre Ideologien und Feindbilder in den Koffer packen, quer durch die Republik reisen und sich endlich mal einander begegnen.</p>
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