Früher - da habe ich ja noch in einer richtigen Heavy-Metal-Band gespielt. Sie wissen schon. So völlig in Metall eingekleidet, mit Armbändern, Patronengürteln, Ketten, der ganze Kram. Wenn wir dann nach dem Konzert die Arme hochrissen, hatten wir Radio-Empfang.
Wer schon immer mal jemanden sehen wollten, der sich mit den Worten vorstellt:
Ich bin heute hier, um zum Hass zwischen Ossis und Wessis aufzurufen
und seine ganz eigene Sicht zu Wende, Iran-Politik, Mohammed-Karikaturen, intelligenten Küchenmaschinen, Hard-Rock-Bands und Amok hat, der sollte auf ein felliges I mit blauen Augen und verschränkten Ärmchen achten. Das ist Wollmonster und kündigt für gewöhnlich die baldige Ankunft eines gewissen Vicki Vomit an. Mal mit und mal ohne die misanthropischen Jazz-Schatullen. Allerdings immer mit überaus treffenden und pointierten Sprüchen.
Gestern hatte der Herr Heimspiel in der thüringischen Landeshauptstadt, genauergesagt: im Museumskeller. Lange mussten wir warten, um ihn mal wieder live zu sehen. Und angenehmerweise mit seinem Kabarettprogramm.
Ich mein, wir Ossis haben doch jetzt alles. Sind aber wohl die einzigen auf der Welt, die ungefähr wissen, was es bedeutet in der dritten Welt zu wohnen. Schließlich waren wir mal so etwas wie zweite Welt: Es gab genügend Essen, aber es schmeckte nicht.
Wer konservativ und mit verschrumpelten Humor ausgestattet auf diesen Herren trifft, wird ihn wohl nicht verstehen und ihn als Unterschichtler verkennen, obwohl er für die gegenteilig veranlagten Zeitgenossen genau Gegenteiliges darstellen muss. Anders ist sein Erfolg nicht zu erklären. Die Radiosender igonrieren ihn geflissentlich, seine Sprache ist einfach nicht massenkonform, seine Art und Weise sich über Konflikte und Gesellschaftsprobleme zu äußern sowieso nicht. Aber gerade das macht ihn ja so besonders.
Wer’s nicht glaubt, sollte es selbst testen: Wollmonster suchen oder einfach auf der Internet-Seite nachsehen. Hingehen, freuen, CD kaufen, heimgehen, freuen. Schließlich ist Humor die einzige effektive Waffe, die uns noch geblieben ist. Und der Grund, der Leben so lebenswert macht.
Betrunkene Unterschichtler aber bitte zuhause lassen. Vicki musste gestern abend sein Kabarettprogramm leider um eine halbe Stunde kürzen, weil es einige Herren partout nicht lassen konnten, ihn anzumachen und zum Singen aufzufordern. Er hat dann gesungen. Wie hätte er seine Meinung zu diesen Herren auch besser ausdrücken sollen?!:
Wenn eine Traumfee zu mir käme
und mich in ihre Arme nähme
und freundlich lächelte dabei
und sagte: einen Wunsch hast Du frei
Ich wüsste, was ich mir wünschen müsste
Bitte, bitte, mach mich blöd,
weil’s Blöden besser geht
Blöd
Ich wär so gerne blöd