so ruh doch aus
August 30th, 2006Du liefst zu rasch;
jetzt erst, wo du müde bist,
holt das Glück dich ein.
[f. nietzsche]
Du liefst zu rasch;
jetzt erst, wo du müde bist,
holt das Glück dich ein.
[f. nietzsche]
Bombay heißt jetzt Mumbai, Pluto wurde der Planetenstatus aberkannt, Handytelefonieren lässt auf das Gehirn Temperaturspitzen von 100°C wirken, Kalzium wirkt sich überhaupt nicht auf die Beschaffenheit der Fingernägel aus und bei Gegrilltem soll man gerade das Schwarze mitessen, um Krebs zu verhindern und die Kellnerin in der Stammkneipe sieht plötzlich nicht mehr aus wie ein Püppchen und ist supergesprächig. Außerdem ist der Zitteraal gar kein Aal sondern ein Neuwelt-Messerfisch. Und die Bäume am Straßenrand haben nicht wegen der Hitze schon braunegefärbte Blätter, sondern wegen der übermäßigen Streusalze, die im langen, schneereichen Winter zum Einsatz kamen…
Und es lebt sich trotzdem in dieser verrückten Welt. - Oder gerade deshalb?
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Quellen: dlf, zeitwissen, salve.tv, “die maus”, eigenes Erleben
Was waren wir frei. Schnell. Die Haare wehen im Wind. Die Seele auch. Stundenlang. Nur Du, die Wiesen - und ich. Sonst niemand.
Der Himmel vor, die Gedanken hinter uns. Weit weg von der Welt und ihren Wehwechen. Nur die Sonne kann uns folgen. Und sie lacht. Laut. Hell. Bunt. Genau wie ich. Du schnaubst. Deine Beine tragen uns durch unsere eigene Welt. Jeden Tag.
Was machte uns der Regen? Ein paar Tropfen auf entspanntes Gemüt. Wir waren frei. Frei genung, um anzuhalten, schnell zu galoppieren. Wie es uns gefiel. Der Wind brannte uns Leben ein. Kurz die Zügel loslassen. Mit ausgestreckten Armen reiten. Wie im Film. Und singen. Und Dein zufriedenes Schnauben hören. Ein paar Minuten eins sein. Eine Wiese lang, einen Weg, eine Stunde. Wir waren frei.
Jetzt bist Du anderswo. Ob es Dir gutgeht, weiß ich nicht. Ob jemand auf Deinem Rücken singt, Dich auch manchmal ganz allein entscheiden lässt, wohin ihr als nächstes reitet? Ich weiß es nicht. Ich höre noch Dein Schnauben, sehe unsere Wiese. Heute ist sie verkauft. Wie Du. Wie ich. Uns gibt es nicht mehr. Weil wir gar nicht frei sind.
Die Sonne weint mit manchmal zu. Und erzählt von den Halmen, die wir eins gekannt. Sie wehen allein im Wind. Und rauschen unser Lied. Kannst Du es hören? Kannst Du die Freiheit noch unter Deinen Hufen fühlen? Freiheit, die uns verlockt hat, an sie zu glauben. Siehst Du das gleiche wie ich, wenn Du duch DEINE Gitterstäbe schaust?
Bei HERR DER KREISE kann man seinem Landkreis zu Ruhm und Ehre verhelfen. Man muss dazu nur 15 Zufallsfragen richtig beantworten und dann hoffen, dass nicht zur gleichen Zeit jemand seine 15 falschen Antworten eintragen lässt.
Momentan liegt Weimar auf dem 4. Thüringenplatz. Da geht noch was, oder? Und all die Gerade-Weggezogenen oder fast schon Wegziehenden möchten bitte auch für Weimar quizzen. Gehört sich einfach so. Und dann werden wir auch Herr der Kreise. Oder so.
Und bockig in der Hollywoodschaukel verweilen. Auch mit Windjacke. Ausharrend. Lesend. Kinderbücher - was gibt es schöneres auf der Welt. Hier und da löst sich vom Baum ein Blatt, darf jedoch nicht zu Boden segeln, sondern wird mit eiserner Böhe weggeweht. Auch die Hollywoodschaukel wackelt.
Und es graut auf. Kurz überlegt man, ob man vergessen hat, die Sonnenbrille aufzusetzen. Schließlich kann es mitten am Tag nicht so dunkel sein. Ist es aber. Eine fremde Hand zeigt zu den Wolkenbergen und mahnt an, reinzugehen. Seufend und widerwillig wird der Lieblingsplatz aufgegeben. Die Kissen reingetragen, die trockene Wäsche abgenommen.
Im Haus ein wenig weiterlesen. Unter den Dachfenstern. Alles Licht, das sich noch raustraut, einsaugend. Nichts passiert. Der Wind pfeift drohend dreimal ums Haus. Die Wolken bauen sich immer höher. Und schließlich - plitsch - fällt der erste Tropfen. Der zweite, der dritte. Bis es lustig plätschert und klatscht auf das Dachfenster. Eine Regensonate. Immer das gleiche Thema - plitsch - nur leicht variiert.
Die Bäume biegen sich. Und freuen sich sicher trotzdem über das so lang ferngebliebene Nass. Warum sollten sie sich nicht freuen können? Auf den Natursteinen ein asymmetrisches Muster. Und die halbtrockenen Wäschestücke wehen im Wind. Und werden wieder ein bisschen nässer. Was soll’s.
Vor dreißig Jahren stellte der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten mit einem Votum von fünf zu vier Stimmen fest, die Todesstrafe lasse sich durchaus mit der Verfassung vereinbaren. Seit diesem Grundsatzurteil vom 2. Juli 1976 sind in den USA mehr als tausend Menschen hingerichtet worden. In Gaskammern, mit Giftspritzen, durch Gewehrkugeln.
Der Skandal der Todesstrafe ist ein globaler. Drei Viertel der Menschheit leben in Staaten, die sich das Recht vorbehalten, ihre Bürger zu töten. Zur Legitimierung dieser Praxis werden die klassisch niederen Beweggründe der Rache oder Vergeltung angeführt - oder eine erhoffte Abschreckungwirkung, die allerdings noch keiner empirischen Untersuchung standhielt. Allein im vergangenen Jahr wurden weltweit über 2500 Menschen exekutiert. In China, in Saudi-Arabien, Nigeria, den USA.
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[aus Cicero/August 2006 von Wolfram Eilenberger]
Ich lese keine Klappentexte mehr. Und auch nur selten Buchrezensionen, wenn ich schon vorher weiß, dass ich das behandelte Buch gern lesen will. Es verändert einfach zu viel.
Früher habe ich immer den Klappentext gelesen - dazu ist er ja irgendwie auch da. Egal, ob ich das Buch nun in der Buchhandlung oder der Bibliothek aus dem Regal fischte. Auch wenn ich Freunde sah, mit Buch in der Hand, las ich den Klappentext. Genauso, wenn ich zum ersten Mal bei jemandem zu Besuch war.
Ich lese immer die Buchrücken. Ich finde eine Büchersammlung sagt unwahrscheinlich viel über einen Menschen aus. Natürlich nur, wenn man auch den Zustand der Buchrücken registriert. Schließlich steht eigentlich in jedem Regal auch mindestens ein ungelesenes Buch. Früher habe ich mir unbekannte Bücher dann auch mal aus dem Regal genommen und - genau, den Klappentext gelesen. Heute lasse ich alle Bücher an ihren Plätzen.
Das liegt einfach an all den Gedankensträngen, die sich sofort verweben, sobald ich eine Inhaltszusammenfassung lese. Die paar Stichwörter reichen meinem Gehirn, um eine komplexe Handlung zu bauen, ein mögliches Ende, manchmal zwei. Es stellt sich zu den paar Zeilen auch gleich die Sprache des Autors vor. Eher poetisch. Eher sperrig. Eher kurze oder lange Sätze. Viele oder wenig Beschreibungen. All das.
Und dann, wie sollte es anders sein, liest man ein ganz anderes Buch, als es im Kopf existiert. Das Gehirn akzeptiert nur widerwillig die aufgezwungenen Änderungen im Webmuster, manchmal ist es so unzufrieden, dass es den Leselustknopf deaktiviert. Dann lege ich das Buch meist weg. Und nehme es manchmal nie wieder zur Hand.
Das klingt vielleicht albern. Aber es ist so. Ich könnte zu jedem Klappentext meine eigene Geschichte schreiben. - Kann ich natürlich nicht, weil meine Gedanken natürlich trotzdem zu flüchtig sind. Und es natürlich auch keinen Sinn machte, sie alle aufzuschreiben. Denn sie nutzten ja nur mir und meinem Gehirn was.
Ich lese aber natürlich trotzdem gern. Und natürlich spinnt sich mein Gehirn auch während des Lesens ein Lieblingsende zusammen. Wie wütend war es, als im letzten Harry Potter Dumbledore starb. Welch unverfrorene Frechheit der Autorin. War doch der gutmütige Direktor von Hogwarts unsere absolute Lieblingsfigur. Genauso gräßlich, wenn Cees Nooteboom, der so wunderschön schreiben kann, immer seine Helden scheitern lässt. Warum denn? Ganz zerknirscht ist dann die Leseecke in meinem Oberstübchen. Und kniffelt den ganzen Abend nach, träumt sich wieder und wieder ein schöneres Ende zurecht. Einfach so. Und liest die Bücher doch wieder und wieder.
Nur eben keine Klappentexte und keine Rezensionen mehr. Das schont die Nerven zumindest bis zum Schluss. Und manchmal gibt es ja zumindest ein Ende mit dem man leben kann. Wie in Sofies Welt zum Beispiel. Da war das Ende sogar noch schöner als erwartet. Und es gluckste in den grauen Zellen - und sogar im Herz. Das laut lachte und aufatmete. Und froh war, den Klappentext nicht gelesen zu haben.
Warum fallen einem eigentlich immer dan tausend mögliche Sachen ein, die noch zu tun sind, wenn man eine Hausarbeit schreiben muss? Und wie verdammt zwingt man sich dazu, sie endlich zu schreiben, wenn der Termin nicht drückt, man aber eigentlich endlich seine Ruhe haben will…?
Und warum regt man sich eigentlich immer über die Unordnung im eigenen Zimmer auf, legt aber bei jedem Besuch in eben jenem noch ein Stück Chaos dazu? Und warum registriert man bei jedem Sonnenstrahl, dass die Fenster geputzt werden müssen, holt aber immer dann Eimer und Lappen raus, wenn es gerade mit regnen angefangen hat?
Es ist zum Verzweifeln. Man könnte so ein entspanntes Leben haben, wenn man einfach mal das tut, von dem man weißt, dass es gut ist, wenn man es jetzt tut. Aber anscheinend macht es mehr Spaß unter Druck zu schreiben und dann mit schlechtem Gewissen abzugeben. Unbelehrbarerweise gebe ich innerlich dann immer einem Lethargie-Gen die Schuld. Schließlich bin ich eigentlich nicht faul. Mir macht Hausarbeitenschreiben eigentlich sogar Spaß - wenn ich einmal angefangen habe. Und manchmal putze ich sogar gerne Fenster, mit Musik im Ohr, die ich dann auch singend an die Passanten auf der Straße weitergebe.
Aber anfangen ist immer so schwer. Mit der Hausarbeit ist es wie mit dem Aufsatz in der Schule, dem angefangenen Roman, dem Abendgedicht, dem Blog-Eintrag, dem Brief an die große Liebe und dem zu schreibenden Zeitungsartikel. Es hängt immer nur am ersten Satz. An dem aber sehr lange.
Wem Gott ein Amt gibt, raubt er den Verstand.
In Geist ist kein Geschäft. Macht Ausverkauf!
Nehmt euren Kopf und haut ihn an die Wand!
Wenn dort kein Platz ist, setzt ihn wieder auf.
[erich kästner] -passt immer