Jeder fünfte Ostdeutsche liest seine Illustrierte, sie ist sogar in jedem zweiten ostdeutschen Haushalt zu finden und erreicht letztlich 3,3 Millionen Leser. Doch wenn man Jochen Wolff, den Chefredakteur der SUPERillu, bei der öffentlichen Vortragsreihe im Zeitgeschichtlichen Forum vor sich sitzen hat, dann erscheint er einem eher wie der nette Onkel von nebenan. Er hat nichts von der aalglatten Gewandheit seines Vorredners Ulrich Meyer, man glaubt ihm, was er sagt. Über die Ostdeutschen, über die Blattmache, über die Welt. Auch er spricht über das Oberthema Ethik im Journalismus.
So funktioniert die Mischung der SUPERillu. Es gibt aktuelle Themen, Promithemen und einen großen Ratgeberteil. Letzterer beschränkt sich nicht nur auf die neuste Kohl-, Sauerampfer- oder Sauerstoffdiäten, wie es die meisten Illustrierten tun, sondern deckt durchaus auch Auto, Computer, Recht und Garten ab. Aktuelle Themen werden natürlich stark personalisiert und sind sehr wohl auf den Durchschnittsleser abgestimmt. Fast jede Woche kann man einen Beitrag über Hartz IV Empfänger finden. Doch die Illustrierte zeigt ein ganz anderes Selbstbild. Da jammert niemand, da fahren Menschen 1000 Kilometer, um an ihren Arbeitsplatz zu kommen, bekommen einen neuen Arbeitsplatz, obwohl sie über 50 sind oder stellen solidarisch ihresgleichen ein. Gejammert wird in der SUPERillu jedenfalls nicht.
Und auch das liegt höchstwahrscheinlich an der onkelig-wohlmeinenden Einstellung Jochen Wolffs. “Die Ostdeutschen sind sehr flexibel, setzen sich durch und packen an”, weiß der in Bayern geborene aus seiner 15-jährigen Erfahrung mit SUPERillu. Zu hinterfragen bleibt dann jedoch, wieviel Ost diese Illustrierte sein muss. Natürlich verkauft sich SUPERillu quasi nur im Osten, was aber sehr wohl auch am Konzept des Blattes selbst liegt. Und so ist es nur verständlich, dass alte DDR-Stars wie Stumphi, Freudenberg und Co. sehr wohl weiterhin begleitet werden. Was aber ist mit den neuen Sternchen, die zwar in Ostdeutschland geboren sind, aber im vereinten Deutschland berühmt wurden. Denn auch Yvonne Catterfeld und Eva Padberg wird ein breiter Raum in der Illustrierten eingeräumt.
Die Stars, die das Konzept ermöglichen, wachsen also nach. Die Leser nicht. Denn DDR-Alltagsgeschichten, DDR-Stars, DDR-Vokabular, das alles ist bereits meiner Generation größtenteils fremd. Wir lesen sie anders. Uns fehlt der Blick und vielleicht auch die Ausdauer für die anscheinend immer gleichen Geschichten. Auch das weiß Wolff. Er sagt, jedes Blatt muss die Möglichkeit zu Profilveränderungen haben. “Sehen Sie, der stern hat auch 20 Jahre gebraucht, bis er politische Inhalte in seinem Blatt unterbrachte. Wir sind nicht einmal 20 Jahre alt. Deswegen kann ich nicht einschätzen, in welche Richtung sich SUPERillu genau entwickeln wird.”
“Natürlich können sie in den Ausgaben der vergangenen Jahre auch Beiträge finden, in denen wir einen Sachverhalt hochgedreht haben”, gibt Wolff zudem ehrlich zu. “Es gibt 4000 Zeitschriften auf dem Markt, ein guter Zeitschriftenhändler hat sicher so um die 800 verschiedene Formate ausliegen. Der Käufer trifft eine sekeundenschnelle Kaufentscheidung. Warum soll er ausgerechnet die SUPERillu kaufen?” Deswegen sind auch nur sympathisch lächelnde, beliebte Prominente (durchaus auch mal aus Westdeutschland. Denn natürlich haben auch Michael Schumacher und Co. in der Illustrierten Platz) auf dem Cover, wird ein Ratgeber- und Aktuelles Thema in einer Art Teaserleiste angepriesen. Schön bunt, viel Bild, wenig Text. Das typische Schaufensterprinzip. “Wir könnten niemalseine harte Geschichte auf dem Cover visualisieren. Einen weinenden Jungen mit dem Titel: ‘Auch mein Vater bekommt jetzt Hartz IV’, das können Sie dem Leser im spontanen Kaufimpuls nicht schmackhaft machen.” So einfach geht das, Herr Meyer.
Man mag dem Onkel seine handwerklichen “Verfehlungen” gar nicht so sehr übel nehmen. Und er betont ja wenig später auch: “Wir bei SUPERillu haben unseren eigenen Kodex. Wir achten beispielsweise das Carolinenurteil des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte. Auch eine detaillierte Schilderung der Taten des Angeklagten im Fall Stephanie, wie es etwa die BILD!-Zeitung seitenweise druckte, käme für uns nie in Frage.” Und das freut den idealistisch-brennenden Journalistikstudenten dann auch wieder - so es denn stimmt. Und die aktuelle Ausgabe, die zuhauf für die Zuhörer des Vortrages bereitlagen, macht dann auch einen ganz harmlosen Eindruck. Ohne Schmutz aus dem Promiprivatleben und mit sehr harmlosen, wohlmeinenden Personalgeschichten. Über Leute, die es geschafft haben. Denn das ist der Slogan der SUPERillu: “Zusammen sind wir SUPER.”