a long way down

December 29th, 2006

 

“The trouble with my generation is that we all think we’re fucking geniuses. Making something isn’t good enough for us, and neither is selling something, or teaching something, or even just doing something; we have to be something. It’s our inalienable right, as citizens of the twenty-first century. If Christina Aguilera or Britney or some American Idol” jerk can be something, so why can’t I?

[jj]

Es ist der Silvesterabend. London. Ein Mann sitzt auf dem Dach von Topper’s House mit dem festen Vorsatz seinem Leben ein Ende zu machen. Und er ist nicht der einzige. Im Laufe des Abends gesellen sich die hysterische Tochter des Bildungsministers, eine deprimierte Mittvierzigerin mit einem geistig behinderten Sohn und ein Musiker, der seine Gitarre gegen Pizzakartons eintauschen musste, hinzu. Doch mit soviel Publikum ist an den Schritt über die Kante nicht zu denken. Nach einigen zum Teil hefitgen Wortwechseln beschließt die ungleiche Vierergruppe erst einmal zusammenzuhalten und zu versuchen, wieder Sinn im Leben zu finden. Und um diese Suche geht es in Hornbys “A long way down “.

Und sind dabei sehr kreativ. Triebfeder ist immer wieder Teenager Jess. Sie hängt eigentlich am Leben, aber die Eltern verstehen sie nicht, ihre Schwester ist spurlos verschwunden und ihre erste Liebe hält ihre aufdringliche Art einfach nicht aus. Dafür erfindet sie jetzt einen Matt-Damon-Engel für die Presse, der sie angeblich vom Kollektivselbstmord abhielt. Martin, ehemaliges Fernsehgesicht, und auch JJ und Maureen müssen mitziehen. Natürlich fliegt die Geschichte auf, aber wenigstens reicht das erlogene Geld für einen Urlaub auf Teneriffa. Nur blöd, dass keiner der vier dem anderen ein Glück gönnt und sie daher die meiste Zeit des Urlaubs allein verbringen.

Immer wieder denken sie darüber nach, sich doch umzubringen. Ob sie es am Ende wirklich tun? Das soll offen bleiben. Nick Hornby hat vier Charaktere erschaffen, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Die Dialoge sind mitunter recht erheiternd, vor allem dank der quirligen Jess, die wirklich keine Chance auslässt, ihren Gegenüber zu beleidigen, verletzen oder doch zumindest anzumachen. Da verwundert es, was diese Gruppe überhaupt zusammenhält. Die Gewissheit, dass sie alle den Sinn ihres Lebens aus den Augen verloren haben? Der unbändige Wille nach Gesellschaft, möge sie noch so unerträglich und beschwerlich sein?

Es bleibt offen. Und doch möchte Nick Hornby doch die “Das Leben ist schön” Botschaft verkünden. Immer wieder verfallen die vier Charaktere, die die Geschichte in einzelnem Abschnitten jeweils aus ihrer Sicht erzählen, in die Gedanken, dass es doch einen Ausweg geben könnte, dass eigentlich alles erträglich ist. Und so bleibt man zurück, nach den 257 Seiten, alles schwebt. Nichts ist klar, manch einer der Vier scheint gerettet, manch einer genau am gleichen Punkt wie am Silvesterabend.

Ein Buch, dass einen mitnimmt, das man in jeder freien Sekunde zwischen zwei Veranstaltungen, in der Straßenbahn, im Zug, beim Zähneputzen und gleich nach dem Aufstehen liest, muss ein gutes Buch sein. Zumindest die englische Fassung von “A long way down” ist ebenso. Mitreißend. Erhellend. Erheiternd. Bedrückend. Mein englischer Schimpfwortschatz hat sich mindestens verfünffacht. Immer häufiger hört man sich “fuck off” statt “Sch***” denken. In welche Richtung diese Horizonterweiterung zu verorten ist und ob man Nick Hornby überhaupt gut finden soll, bleibt natürlich jedem selbst überlassen.

__________________________________________________

Felicitas von Lovenberg hatte hierzu eine ganz andere Meinung: FAZ-Rezension.

Wieder anders die Einschätzung von Walter van Rossum für die ZEIT

zwischen den jahren

December 28th, 2006

Ja, die Meteorologen hatten alle recht: Wäre Weihnachten ein paar Tage früher oder später, gäbe es viel häufiger weiße Weihnachten. Blöd, dass die katholische Kirche vor fast 2000 Jahren nicht die Meteorologen gefragt hat, das haben wir alle jetzt davon.

Denn heute ist es passiert. Der weiße Flaum ist vom Himmel gepurzelt. Ganz scheu und lautlos. Plötzlich war das Dachfenster milchglasig und nicht mehr zu durchschauen. Der 40 Meter lange Weg zum Briefkasten ersparte einmal Haare waschen, dafür gab es Wischwasser für die Fliesen. Draußen bekam man allerlei Kopfbedeckungen zu Gesicht. Bommelige, Wollige, Ledrige, Bunte, Einfarbige, Passende, Unpassende und den Alleskönner-Schirm in vielerlei Alarmfarben. Sozusagen die Nebelschlussleuchten für Schneegängerpassanten. Und, zumindest in meinem Fall, eine top kalte-Wassertropfen-den-Nacken-runterrinn-aufhalt-Konstruktion.

Und überall sonst: Schnee. Soweit das Auge reicht, und weit reichte es nicht. Kaum liegt er da, nimmt er sämtliche Graustufen an. Er wird zertreten, aufgehoben, geformt, geworfen. Einige Rutschbahnen mitten auf dem Gehweg. Der eine schlittert fröhlich darauf entlang, der nächste sitzt, dem Gesicht nach zu urteilen eher unfreiwillig, darauf. Ein Passant grinst schelmisch. Aber nicht über den Ausgerutschten, nana, sondern über die eigene Vorsicht, rutschfeste Stiefel anzuziehen.

In der Zeitung konnte man gestern noch lesen: “Der Winter lässt weiter auf sich warten“. Da hat wohl wieder jemand nicht die Meteorologen befragt. Doch vielleicht war das auch nur ein klimatärer Ausrutscher. Ungeplant. Ein Wolke hat einfach die Contenance verloren. Denn mit der Dunkelheit kommt der Regen zurück. Löst die weißen Flecken auf, erinnert uns, dass der Winter abgeschafft wurde. Von den Kyoto-Protokoll-Missachtern und all den FCKW-Kühlschränken auf der Welt. Jawohl.

Aber dafür hat ein mitteldeutscher Radiosender eine neue Jahreszeit erfunden. “Zwischen den Jahren“. Was sie damit wohl meinen? Ich bin nie dazwischen. Immer entweder in dem einen oder in dem anderen. Aber vielleicht können diese Moderatoren ja stundenlang auf der Datumsgrenze balancieren. Die Glücklichen.

wenn das mal nicht dasselbe ist

December 28th, 2006

Mittags, halb zwei in Deutschland. Wir schreiben den 26. Dezember 2006. Zwischen Thüringer Klößen und Kaninchenkeule entwickelt sich folgendes Gespräch:

ER: Ich war jetzt mal drüben und habe alle Fenster aufgemacht.
SIE: Aber ich denke, das soll nicht so schnell trocknen.
ER: Das trocknet ja auch nicht, es wird nur die Flüssigkeit entzogen.

Ahja.

tatort goes weimar

December 17th, 2006

Heute erneuter Verbrüderungsversuch meiner beiden geliebten Heimatstädte. Tatort Leipzig ermittelt im schönen Weimar . Jetzt geht’s los. Natürlich auf ARD . Niemals nicht verpassen.


herbstwintergedanken

December 17th, 2006

Ich gehe durch die vorweihnachtlichen, spätherbstlichen Straßen. Die Buden des Weihnachstmarktes machen die sonst so breite Fußgängerzone eng. Und sie scheinen fehl am Platze. Trotzdem tummeln sich die Menschen schon am Vormittag zuhauf und kaufen Lebkuchenherzen, Glühwein, Christbaumkugeln, Holzspielzeug und andere Durchschnittlichkeiten.

Ich bin allein. Ohne Ziel. Ohne Richtung. Es ist mir zu eng. Die Leute laufen wie Bataillone, immer versetzt, den Weg jedem versperrend, der sich ihrem Schlurftempo nicht anpassen will. Wortfetzen von allen Seiten. “Schwangerschaft”. “Weihnachtsfeier”. “Emma, komm hier her!”. “Stimmt”. “…hat schon wieder eine Neue”. Soviele Gesichter, soviele Füße. Hierhin wie dorthin. Was, wenn man sie sich alle einprägen würde. Sich merkte, wer mit wem geht. Und sie dann immer mal wieder träfe, in neuen Konstellationen, in alten Paaren. Mal fröhlich, mal traurig. Wieviel mehr würde man über all die Fremden erfahren, die zur gleichen Zeit am gleichen Ort durch die Straßen gehen und die so ganz andere Sachen bewegen?

Man hätte 24-Stunden Film. Rund um die Uhr Soap vor der Tür. Und würde sein eigenes Leben in der Flut der Fremden noch mehr vergessen. Manchmal erschrickt man fast, wenn man überlegt, wie oft man Tage fast ungenutzt vergehen lässt. Das ist mir bis vor einem Jahr nie passiert. Ist das diese Angewohnheit, die die Erwachsenen “satt werden” nennen? Einfach zufrieden sein und viel zu oft und viel zu lange sinn-, zeit- und planlos durch die Straßen zu laufen. Und einfach nur zu denken. Oder ist das eine Antwort auf die Leistungsgesellschaft? Auf die Konsumgesellschaft? Die immer etwas macht? Und sei es nur, Leute entlassen, Schmiergeld zahlen, Bilanzen fälschen. Oder das neuste Brown-Buch haben, die neuste Spielekonsole aus Asien, den schönsten Kunstpelzmantel, die auffälligste Pudelmütze. Nicht einmal das mache ich.

Ich laufe einfach nur herum. Und gucke. Flüchtig. Und denke. Flüchtig. Und da ist ein bekanntes Gesicht. Und die Miene erhellt sich. Ich möchte schon “Hallo” schreien, da gewinnt das Gesicht an Fremdheit zurück. Wieder nur ein hiesiger Serienstar. Bekanntes Gesicht, ja. Unbekannter Mensch, ja. Und das ist der erste Moment in diesem Jahr, an dem ich denke: “Jetzt könnte es schneien.” Warum weiß ich nicht. Schnee ist mir eigentlich ein Graus. Weil Kälte mir ein Graus ist. Aber dieser Moment. Zwischen den Weihnachtsbuden, zwischen den Konsumsüchtigen, zwischen den Zeiten, da könnte es einfach mal schneien. Das würde passen, würde der unsichtbare Regisseur meines Lebens sagen. Das macht Stimmung. Und im Hintergrund läuft natürlich nicht Wolle Petrys verschlagerte Weihnachtslieder, sondern Angel von Sarah McLachlan oder Hallelujah von Leonard Cohen. Oder natürlich Sylvia Plath von Ryan Adams. Und der nicht-existente Kinozuschauer würde seufzend eine Träne verdrücken und sagen: “So schön einsam kann man nur in Hollywood sein.” - Oder in Leipzig.

erkenntnis der woche

December 10th, 2006

Die Jugendsprache kehrt zurück zur “Ernsthaftigkeit”. So gemerkt am neu im Haushalt eingeführten Begriff “sozialistisch umgelagert” seitens meines 15-jährigen Bruders. Das bedeutet demnach nichts weiter als geklaut und ist zudem dank sozialistischem Volkseigentumsgedanken nicht einmal mehr pejorativ besetzt.

Mein Darm verbraucht viel mehr Quadratmeter Fußboden als meine Haut [350 m² zu 1,6 m²], aber den meisten Platz in meinem Körper müssen wohl meine Blutbahnen einnehmen [über 100.000 km]. Das nenne ich eine gute Infrastruktur. Bestens gerüstet für die Olympischen Spiele, den wirtschaftlichen Standortwettbewerb und den Winter.

Völlig unterlegen jedoch dem überragenden you don’t know Jack 3 [jaja, wir kamen erst jetzt in seinen Besitz, obwohl wir alle anderen bereits haben] und den bösartigen Schnupfenviren, -bakterien, wie auch immer. Glücklicherweise weiß ich nicht, wieviel Kubikmeter sie in meinem Körper einnehmen (Aufklärung darüber auch nicht erwünscht).

der wahre hauptberuf

December 5th, 2006

Hauptberuflich bin ich Mensch.
Nebenberuflich bin ich Schauspieler.


[jan fedder]

…was für eine liebenswürdige Sichtweise auf sich selbst. Wieviel mehr Menschen sollten auf die dahinter stehende Frage so antworten…

herbstwinter schön gucken

December 4th, 2006



So schön kann der momentane Mischmach-Herbstwinter aussehen. Entdeckt von der wundervollen Katja .

nein, nein, kein eigenlob

December 1st, 2006

…sondern das mir zugewichtelte Wichtelgeschenk beim Blogwichteln von Hollemann . Ich habe natürlich auch mitgemacht, darf aber noch nicht verraten, wen ich bedacht habe. Das habe ich also bekommen:

Hallihallo von deinem BlogWichtel

hab mich in deinen lebenslinienblog vertieft und war begeistert!
Schöne einfühlsame und warmherzige Texte die informativ und zugleich anregend sind. Konnte mich in vielen Dingen mit der Schreiberin identifizieren.


Vorallem die Fotos auf dem eigenen Fotolink haben mir wunderbar gefallen.Super Fotos von Griechenland und der Natur. Man blüht beim Betrachten richtig auf und vergisst für einen Moment alle Sorgen…

Du hast dir sehr viel Mühe gemacht mit dem Layout, dem Schreiben
der Texte und beim Aussuchen ihrer Linkliste. Sehr viele Blogs darunter die ich ebenfalls regelmässig besuchen werde. Eine wirklich gute Wahl!

Das Layout ist in einem schönen gelb gestaltet und strahlt Sonne,
Fröhlichkeit und Beruhigung aus. Auch die Schrift die in Grün gehalten wird ist genau in der richtige Grösse und es bereitet keinerlei Schwierigkeiten es zu lesen. Die Wortwahl ist sehr vorsichtig gewählt und angenehm zu lesen.

Ich gebe zu, dass ich nicht dazugekommen bin um alles zu lesen *schäm* aber was nicht ist kann ja noch werden… Werd dich sicher weiterhin besuchen kommen und meine Fussabdrücke hinterlassen.

Ich wünsche dir für die kommende Weihnachtszeit schöne und besinnliche Momente, nicht allzuviel Stress und glänzende Augen unter dem Weihnachtsbaum.

Dein BlogWichtel