ich bin eine insel

June 30th, 2007

Als ich am Mittwochabend - drei Minuten zu spät - die “1″ auf meiner Fernbedienung drückte, sah ich ein bekanntes Bild. Ulrike Folkerts schwimmt. Das tut sie im Tatort oft. Doch diesmal schwimmt sie nicht vor den Taten anderer weg, sondern vor ihren eigenen.

Ins Mittwochsfilmrepertoire der ARD reihte sich ein 90-minütiger Film mit dem Titel “Ich bin eine Insel”. Nach wenigen Minuten war mir völlig klar, wer hier die Insel ist: Tea Winkler. Gespielt von Ulrike Folkerts. Diese wohnt alleine in einer völlig irreal wirkenden Welt. Sie verkauft Süßigkeiten an Schulkinder, in ihrem Kühlschrank findet sich indes nur Gemüse. Und ich meine nur Gemüse. Sie hat ein gutes Gespür für Menschen, aber sie hat es schon vor einiger Zeit verdrängt. So wie sie ihr Leben verdrängte. Den Beruf als Lehrerin hat sie aufgegeben, ihren Mann Michael, das schöne idyllische Haus am See. Um das zu vergessen, was vor drei Jahren geschah und wofür sie sich die Schuld gibt. Einer ihrer Schüler starb bei einem Autounfall, bei dem sie am Steuer saß.

Diese schroffe Tea Winkler beschützt eines Tages die pummelige Rosa vor dem Mobbing der Klassenkameraden. Um gleichzeitig auch noch ihren flirtenden Nachbarn außer Gefecht zu setzen, gibt sie sich als Mutter von Rosa aus und erzählt, was sie alles mit ihr zusammen machen wolle. Rosa, die gemeinhin nicht besonders viele Freunde hat, ist begeistert und nimmt Teas Worte für bare Münze.

Sie wartet nach Ladenschluss vor der Tür und sitzt im Treppenhaus zu Teas Wohnung. Spätestens jetzt ahnt der geneigte Betrachter: Das ist die deutsche Version von “About a boy”, nur ohne Hugh Grant. Denn woher kam uns der Titel so bekannt vor? Ach ja. “Every man is an island and I’m like Ibiza” hat der Will, gespielt von Hugh Grant, gesagt. Ulrike Folkerts muss zwar nie was über ihr Dasein als Insel sagen, aber die Referenz zu Hollywood ist signifikant. Die Autorin Silke Zertz hat ein bisschen sehr viel bei Hornby abgekupfert. Auch, wenn die Protagonisten weiblich sind.

Und so wundert es nicht, dass das Ende, ganz ungewohnt für den deutschen Film fernab von Inga Lindström, ebenso kitschig endet, wie eine Hollywoodproduktion. Natürlich schafft es Rosa, nach all den Strapazen mit den gerissenen Trägern beim Ballettunterricht und den Tanzstunden von Teas gewöhnungsbedürftigem Nachbarn Jackie, Teas Herz zu erweichen. Auch wenn sie immer wieder “Ich bin nicht Deine Freundin” sagt, fängt sie an, die Anwesenheit des zehnjährigen Pummelchens zu genießen. Sie nimmt sie sogar mit in ihr idyllisches Haus am See und bringt ihr das Schwimmen bei.

Und dann der psychologische Clou. Rosa hat einen Unfall, Tea gibt sich die Schuld, weil sie ihn nicht verhindert hat und beginnt sich wieder einzuigeln. Ihr Mann Michael findet sie im besagten Haus am See, sie spricht sich ihre Schuldgefühle vom Leib, er nimmt sie in den Arm und bleibt bis zum nächsten Morgen (Und seine neue Frau, die gerade mit dem dritten Kind von ihm schwanger ist, scheint überhaupt nicht zu fragen, wo er denn war). Tea lässt ihn gehen, ohne Zögern, ohne kleine Tränen in den Augen. Ja, die großen Menschen, die einfach mal für eine Nacht glücklich sind und das Glück am nächsten Tag mit regloser Miene gehen lassen. Passiert mir auch jeden Tag…

Und dann ist alles wieder gut. In ihrem Kühlschrank ist immer noch nur Gemüse, aber statt Süßigkeiten verkauft sie jetzt Bücher. Dann gibt sie den Laden ganz auf und kehrt in ihren alten Job als Lehrerin zurück. Und Rosa ist an ihrer Seite. Der einzige Unterschied zu Hollywood: Sie bekommt keinen Mann. Aber das wäre auch zuviel des Kitschs gewesen.

Immerhin fünfeinhalb Millionen Menschen wollten den vom SWR produzierten Film sehen. Was nicht zu letzt an den großartigen Schauspielern Ulrike Folkerts und Heio von Stetten gelegen haben mag. Ein bisschen mehr eigene Ideen hätte ich mir dennoch gewünscht. Denn es bleibt am Ende auch noch der gleiche Satz wie beim hollywood’schen Vorbild: “Niemand ist eine Insel!”

der kanarienvogel von kreuzberg

June 16th, 2007

Ich habe zuhause eine CD-Box von der ZEIT. Das haben sie mir irgendwann einmal geschenkt. Treue-Dankeschön oder etwas in der Art. Darauf sind Inhalte aus der ZEIT, die man auch online anhören kann. Um den Leser der Printausgabe ans Händchen zu nehmen und zu zeigen: Guck mal, was unser Internetauftritt alles kann. Toll, oder?

Auf einer CD, insgesamt sind es drei oder vier, ist voll mit Harald-Martenstein-Kolumnen. Und Martenstein-Kolumnen vorgelesen zu bekommen, ist bekanntlich viel schöner, als sie still vor sich hin zu rezipieren. Das einzig Doofe an der CD ist, dass Harald Martenstein seine Kolumnen nicht selbst vorträgt. Obwohl er noch für die ZEIT arbeitet. So richtig haben die ihre Mitarbeiter dort nicht im Griff.

Doch gestern, da hatte ich es endlich. Das Aha-Erlebnis. Der Meister höchstpersönlich liest aus seinem „Tagebuch eines Endverbrauchers“. Im Literaturclub Horns Erben, in der Nähe des Südplatzes. Aber sehr versteckt.

Da saß er nun. Vor schwarzen Vorhängen, in einem stickigen und dusteren Raum, nur beleuchtet von einer eigentümlichen Lampe an seiner Seite. Hübsch hatte er sich für uns gemacht. Zumindest machte es den Eindruck. Sein Kinn war nicht ganz so stoppelig. Die Haare standen nicht allzu wild vom Kopf ab. Durch eine Brille mit kugelrunden Gläsern guckt er in das dustere Zimmer. Selbiges ist mit Studenten überbesetzt. Studenten sind aber bekanntermaßen die genügsamste Klientel und nehmen, aufgrund fehlender Sitzgelegenheiten, zuhauf auf dem Fußboden Platz. Ich auch.

Und hören dem Mann im ausgeleierten schwarzen T-Shirt geduldig zu. Natürlich habe ich die Kolumnen, etwa über Mobilclubs, schon mehrfach selbst gelesen. Und trotzdem ist es so, als hörte man die kleine Geschichte an diesem Abend zum ersten Mal. Ich habe an ganz anderen und vor allem an viel mehr Stellen gelacht als sonst. Das lag vor allem an einem: Der Betonung des Autors. Martenstein wusste natürlich am Besten, wie er seine eigenen Texte gemeint hatte. Das Heben und Senken der Stimme, dazu noch die Gestik und Mimik, veränderten die Kolumnen. Machten sie noch viel wundervoller.

Sollte es in naher Zukunft dann doch den Umstieg auf elektronische Tageszeitungen (etwa über Palm oder das Elektronenpapier aus Dresden) geben, dann wäre ich dafür, dass Martenstein seine Kolumne nur noch als Podcast, also selbst gelesen, unter die ZEIT-Abonnenten streut.

Nach der Lesung folgte dann der Teil, der die überwiegend anwesenden Journalistik-Studenten mindestens genauso interessierte: Martenstein plauderte mit dem Uni-Radio mephisto 97.6 über seinen Alltag als Journalist, neuerdings auch als Literat, und als Mensch. Wir saßen einem Harald Martenstein gegenüber, der sich seine Feinde selbst aussuchen kann, Eitelkeit zwar total in Ordnung findet, aber vor allem das Kindliche in den Menschen schätzt. Und der sich für den Kanarienvogel von Berlin Kreuzberg hält.
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Noch ist kein Stream online. Wenn er kommt, reiche ich ihn an dieser Stelle nach.

i’lll kill her

June 16th, 2007

Was für ein wunderbares Lied. “I’ll kill her” von SoKo. Nur echt mit einem wunderbar französischen Akzent.

[Indirekt gefunden über Jojo]

“was ist an online-tagebüchern journalistisch?”

June 13th, 2007

Wie ich mitbekomme, ist Deutschland ein trauriger Sonderfall. Ich sehe kein demokratisches Land, in dem Blogger von den Medien so verächtlich runtergemacht werden wie in Deutschland.

Thomas Knüwer, im Chat mit politik-digital. Der Journalist, der auch für das Handelsblatt bloggt, macht darin klar, dass er Blogs durchaus für Journalismus hält. Dass Citizen Journalism vor allem im Lokalen sehr großen Einfluß haben kann und erklärt, warum traditionelle Journalisten und Blogger sich so hassen.

heiße nächte in weimar

June 11th, 2007

Er sieht ja wirklich so aus. Der Dirk Bach. Was im Fernsehen doch immer wie eine Attrappe aus Kunststoff erscheint, denn mal ehrlich SOOO einen runden Bauch kann man sich doch nicht natürlich anfuttern, entpuppt sich beim Live-Hinsehen als durchaus echt. Und ich muss das wissen, denn ich sitze nur gut zweieinhalb Meter von ihm entfernt.

Da sitzt er nun, der runde lustige Mann. Mit einer Baseball-Kappe auf dem Kopf, aber ohne Schuhe. “Das ist das größte Problem am Dickwerden”, sagt er beim Hinsetzen. “Der Tisch ist immer so weit weg. Man denkt sich: Was tut denn da so weh? Und dann fällt einem ein: Ach ja, der Bauch.” Der Saal lacht. Und Dirk Bach zückt seine Lesebrille. Denn er wird das tun, was er in meinem CD-Player schon desöfteren getan hat: Er wird Walter Moers vorlesen. “Ich habe vorsichtshalber zwei Brillen mitgebracht. Ich habe ja heute Nachmittag schon einmal gelesen und da ist die Brille beschlagen und nicht wieder klar geworden, so warm ist das hier.” Sprach’s und schlug das noch-aktuelle Moers-Buch auf: “Die Stadt der träumenden Bücher”. Und mit einem Roman über Literatur ist er in Weimar natürlich genau richtig.

Station Spiegelzelt. Ambiente wie im 19. Jahrhundert. Sagt der Kellner. Und das bedeutet eben auch: keine Klimaanlage. Die dicken, dunklen Zeltbahnen nehmen die Wärme von außen wie innen freudig auf, aber geben sie nicht wieder ab. Durch die kleinen Buntglasfenster kommt die frische Luft nur sehr zögerlich in kleinen Schüben herein. Wir haben es gut. Weil wir zu viert in einer Achterloge sitzen. Ganz nah am Lesenden. Und der schwitzt.

Schon bevor er das erste Kapitel begonnen hat, laufen Dirk Bach die Schweißperlen das kugelrunde Gesicht hinunter. Doch dessen ungeachtet setzt er an und liest wundervoll die Geschichte von Hildegunst von Mythenmetz vor. Der Dichter von der Lindwurm-Feste besucht nämlich die geheimnisvolle Stadt Buchheim. Dort trifft er allerlei seltsame Leute und jede Menge Bücher. Die meisten von ihnen träumen. Das heißt, sie liegen in Antiquariaten. Hatten also ihr Leben als gelesenes Buch schon hinter sich, sind aber noch nicht tot und hoffen immer darauf, entdeckt und gekauft zu werden. Und zu neuem Leben zu erwachen.

Hildgunst von Mythenmetz gerät in das geheimnisvolle Labyrinth, das unter Buchheim zu finden ist. Dort, wo die Bücherjäger (das sind bis an die Zähne bewaffnete Schufte, die Bücher zusammen raffen, wo sie sie nur finden können, um sie dann zu horrenden Preisen zu verschachern) ihr Unwesen treiben. Und wo es nichts als Regale mit Büchern gibt. Und Buchlinge. Das sind friedliebende Zyklopen, die alle nach einem großen Dichter benannt wurden, dessen Werk sie dann auswendig lernen.

Bei eben jenen Kreaturen landet also Hildegunst von Mythenmetz und Dirk Bach, der sich inzwischen immer wieder mit einem Waschlappen im Design eines Tennissocken großflächig abgetupft hat, bereitet es sichtbar riesige Freude, den kleinen Buchlingen die verschiedensten Stimmen zu geben. Sie lispeln und stottern, arrogant tönen und gebrochen säuseln zu lassen. Man hat das Gefühl, nicht mehr im Weimarer Spiegelzelt, sondern mitten unter Buchheim zu sitzen. In der Ledernen Grotte und Gedichte der gesuchten Dichter erratend.

Und dort lässt uns Dirk Bach auch sitzen, schließlich sollen wir das Buch alle selbst lesen und hat eine andere Überraschung dabei. Ich sehe das Buch auf seinem Pult noch bevor es die meisten anderen sehen können. “Der Fönig” flüstere ich meiner Familie lachend zu. “Er liest den Fönig vor”. Den haben wir als Hörbuch. Von Dirk Bach. Wir kennen also die Geschichte aus dem Königreich, in dem jedes F mit einem K und jedes K mit einem F vertauscht wird. So dass es “Friek mit den befloppten Kroschkressern aus Kranfreich gibt” und alles “zum Fotzen” ist. Doch live vorgetragen, mit der Mimik eines schelmisch grinsenden Dirk Bachs verbunden, ist es noch mehr zum Lachen als sowieso schon. Die Lesung ist von einem wundervollen Ein-Mann-Theaterstück kaum zu unterscheiden. Und nicht umsonst hagelt es minutenlangen Applaus, bevor der kleine Mann zum Autogramme-Verteilen “beim alkoholischen Getränk wartet”. Was liebe ich Lesungen.

harald kommt

June 11th, 2007

Seit Jahren sind seine Zeilen das erste, was ich in der ZEIT lese. Egal, was auf der ersten Seite steht. Zuerst wird das Leben-Buch rausgekramt. Seit drei Wochen fällt das dank des Umbaus in ein seperates Magazin noch leichter. Und dann geht es los: Harald Martenstein bekommt Besuch von seinen Schwiegereltern. Harald Martenstein denkt auch mal an sich selbst. Oder ganz frisch: Harald Martenstein fühlt sich fremd in Niedersachsen.

Manchmal lächle ich nur leicht in mich hinein, manchmal kann ich mir ein Auflachen nicht verkneifen und oft stubse ich meinen Nachbarn an und lese ihm die gerade belachte Stelle vor. Ich habe seine gelesenen Kolumnen, ich habe das “Tagebuch eines Endverbrauchers“. Ich lese Harald Martenstein leise. Ich habe ihn auch sehr oft im Grünen sitzend vorgelesen oder ihn mir vorlesen lassen.

Und jetzt endlich liest er selbst. The Godfather of Kolumnen. Der Retter einiger grauer und tiefschwarzer Donnerstage. Der Mann, der mir regelmäßig Zeilen in den Briefkasten wirft (und leider 480.000 ZEIT-Abonnenten auch). Er kommt in die Heldenstadt. Nach Leipzig. In den Literaturclub Horns Erben. Und zwar an diesem Freitag, 15. Juni. Ab 18 Uhr.

Wer noch nicht überzeugt ist, kann ja die chronologisch sortierten Kolumnen anlesen oder den Herren schon mal halb-live und ganz Web Zweinullig erleben. Im Videoblog. Wahlweise über die Webseite der ZEIT (ist aber auch nur ne WatchBerlin-Einbindung) oder bei WatchBerlin. Jaja, ich sag ja. Der Herr ist modern.

das täglich brot…nicht nur des schriftstellers

June 11th, 2007

Die Wahrheit vortäuschen,
um nicht Nichts zu sein.

[Pessoa]

denk ich an deutschland in der nacht… [gedanken zum g8-gipfel]

June 7th, 2007

Ich hör immer nur “Neoliberalismus”
und “Weg mit dem Turbokapitalismus”
auf jeder Stirn ein riesiges “Dagegen”
doch wenn man sie fragt
weiß kaum einer weswegen.

Tausende pilgern nach Heiligendamm
die Polizisten steh’n überall stramm
und wieder müssen Pflastersteine fliegen
das Bundesverfassungsgericht beginnt
sich zu verbiegen

Acht Entscheider gegen die Andern
nicht mal mehr friedlich dürfen letztere wandern
in die eigenen Staatsbürger keinerlei Vertrauen
das Land mit der Mauer
hat jetzt einen Zaun

Was bleibt übrig nach drei Tagen G?
Wie ich’s auch wende und dreh
Es bleiben nur die hundert Millionen
die wir zahlen ohne Antworten
auf die Fragen, die sich lohnen
lassen wir zu, dass sie die Grundrechte
entthronen…

soviel liebe für die deutsche sprache…

June 6th, 2007

Dialog in der Berliner S-Bahn:

Sie: Ey, bist Du blöhöd? Isch fick doch nisch meine eigene Schwestär!”
Er: [...]
Sie: Das war was ganz anderes. Isch hab sie mal geküsst, aber mehr auch nisch.
Er: [...]
Sie: Man, es war halt langweilisch auf Arbeit. Kann ja nisch wissen, dass die misch beim Ficken im Wartezimmer erwischen. War doch keiner da.
Er: [...]
Sie: Ja, meine Schwester hat auch schon im Krankenhaus rumgefickt, aber das is doch ihre Sache.
Er: Wollen wir uns was beim Fidschi holen? Isch hab Hunger.
Sie: Man, das heißt Vietnamese!

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OHNE WORTE!

liebe dauercamper

June 5th, 2007

ich habe da mal eine prinzipielle Frage: Welchen Teil Ihres Aufenthaltes auf einem Campingplatz würden Sie als Camping bezeichnen? Das Rasenmähen am Samstagnachmittag? Das kirmesähnliche Festzelt neben dem Wohnwagen, in dem sie Ihre Einbauküche samt Fünfjahresvorräte aufbewahren? Ihre mit Holzbohlen ausgelegte Terasse? Ihr fein-säuberlich angelegter Komposthaufen neben der Blumenrabatte? Ihre gefliesten Stufen vor dem Eingang? Ihre Hollywoodschaukel neben dem Schwimmbassin und der Sandkiste für die Kleinen? (Nur der Frage halber: Wenn Sie an einem See campen, warum spielen die Kleinen nicht am echten Strand im echten Wasser?) Oder doch an der SAT-Schüssel, die vom Wohnwagen ragt und die umliegenden Camper bis nach Mitternacht mit schauerlichen Krimi-Geräuschen versorgt?

Was ist der Unterschied zwischen Ihrem Campingpalast, des Ossis geliebter Datsche oder einem Einfamlienhaus? Richtig, Sie haben nur eine Etage. Ich kann Sie ehrlich gesagt nicht verstehen. Der Durchschnittsdeutsche hat am Samstag und Sonntag frei. Diese Tage nutzen Sie, liebe Dauercamper, um dann im Lieblings-Camping-Domizil Ihren Rasen zu mähen, Ihr Klo und Ihre Küche zu putzen, Ihrem typischen Fernsehkonsum nachzugehen (ab 20 Uhr zählt Glotze nur) und sich über das Wetter aufzuregen. Mal ehrlich: Hätten Sie da nicht auch zuhause bleiben können?

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Fragen, die mir bei unserem einwöchigen Campingurlaub vergangene Woche auf einem Zeltplatz in Brandenburg in den Sinn kamen. Während wir das Campen genossen, weil wir mal ein paar Tage nichts weiter zu tun hatten, als frische Luft atmen, in der Natur herumspazieren, frische Luft atmen, baden, Volleyball und Gitarre spielen, frische Luft atmen und Herumalbern, sahen wir griesgrämigen Dauercampern zu, wie sie ihr Wochenende damit verbrachten, sich so häuslich wie möglich einzurichten und genau die lästigen Tätigkeiten zu machen, denen man im Urlaub (oder am Wochenende zumindest so gut es geht) entgehen will…