August 30th, 2007
Ich leide wie ein Hund darunter, daß manches in meinen Blättern steht, womit ich überhaupt nicht einverstanden bin. Und wie oft leide ich, wenn ich morgens die “Bild-Zeitung” lese. In Hunderten von Briefen beschwor ich die Chefredaktion, alles zu unterlassen, was gegen die Würde des Menschen verstößt.
[axel springer ende der 70er jahre in einem gespräch mit ben witter für die zeit]
JEDE WAHRHEIT BRAUCHT EINEN MUTIGEN DER SIE AUSSPRICHT.
(wie müsste der Herr Springer wohl heute leiden….)
Posted in Medien | kein Kommentar
August 28th, 2007
…und Weimar verbeugt sich.
Verneigt sich vor dem Mann, der aus einer dorfgroßen Stadt eine Kleinstadt von Welt machte, der die Denker seiner Zeit anzog, die ihm folgten.
Und der uns Gedichte hinterließ, die uns noch heute taumeln lassen.
Der uns den großen Ginkgo am Stein’schen Wohnhaus gebracht haben soll.
Und der auch innerhalb der Tore der Stadt ruht,
in der er so lange werkte.
Und so wunderschöne Worte zu Papier brachte.
Alles Gescheite ist schon gedacht worden, man muß nur versuchen, es noch einmal zu denken.
[j.w.v.goethe]
Posted in Kulturbeutel | 6 Kommentare
August 27th, 2007
2 von 3 “westdeutschen Bundesbürgern” waren noch nicht in den neuen Bundesländern. Das allein ist 18 Jahre nach dem Mauerfall schon bemerkenswert. Die meisten von denen, die sich schon “getraut” haben und mit denen ich dann gesprochen habe, sind äußerst angenehme Zeitgenossen.
Bei meinem Besuch in Rheinland-Pfalz lernte ich dann eine Dame kennen, die zu den 60% gehört. Das merkte man auch: “Fühlen Sie sich im Osten eigentlich noch wohl? Das soll ja alles ganz furchtbar sein!”
Was soll man auf so eine präzise und vor Wissen strotzende Frage schon antworten? Ich entschied mich für: “Ach, eigentlich ist das nicht mehr so schlimm. Vor zwei Wochen haben wir endlich fließend Wasser in unserer Straße bekommen und zu Weihnachten haben wir auch endlich wieder elektrischen Strom. Der ist vor einigen Wochen ausgefallen, weil ein Trabbi über die auf der Straße liegenenden Versorgungskabel gefahren ist.”
Das Schlimme war, die Frau sah nicht mal überrascht aus…
Posted in (C) Das Leben | 4 Kommentare
August 5th, 2007
Vor etwa einem Jahr stand er plötzlich da. Wortlos. Am Gartenzaun. Schaute eine Weile und verschwand. Wortlos. Komischer Kauz, sagte mein Vater. Und: Der kommt bei uns nie zum Essen.
Ein paar Wochen später aß er, auf Einladung meines Vaters, bei uns. Er war höflich, aß stets seinen Teller leer. Aber gesprächig war er nicht. Er war sehr spunghaft. Manchmal kam er herüber, wenn wir Tischtennis spielten. Dann hob er den Ball für uns auf oder sah einfach nur zu. Mitspielen tat er nie.
Er saß oft stundenlang in der Sonne, wie kalt der Tag auch war, solange die Sonne schien saß er, regungslos. Er kaum unregelmäßig zum Essen, auch bei unseren anderen Nachbarn war er regelmäßig eingeladen. Manchmal sahen wir ihn jeden Tag. Manchmal wochenlang überhaupt nicht. Niemand fragte je nach ihm. Und niemand fragte ihn, wo er gewesen sei. Er war eben einfach da. Im Jetzt. Vorhin und Nachher kamen nie zur Sprache. Bis
Ja, bis er da stand. Blut lief ihm den Hals hinab. Er stand, wie er eben immer steht. Wortlos. Vielleicht der Ruf nach Hilfe in seinen Augen. Aber wie so oft drehte er sich nach ein paar Augenaufschlägen um und ging wortlos davon. Ich glaube, es hat ihn erwischt, sagte mein Vater. Und: Den sehen wir hier bestimmt nicht mehr.
Er kommt schon wieder auf die Beine, antwortete meine Mutter.
Und tatsächlich. Tage später tauchte er wieder auf. Aus dem Nichts. Die Wiedersehensfreude war groß. Wir aßen zusammen, doch er hatte keinen rechten Appetit. Zum ersten Mal ließ er etwas liegen. Er sah eingefallen aus, stumpf, mitgenommen. Aber er lebte.
Und heute springt er sogar schon wieder ein bisschen den Wespen hinterher. Nur gut, dass Herr Tiger sieben Leben hat.
Posted in Der Poet spricht | 2 Kommentare