September 30th, 2007

Ist es nicht genug, dass wir einander nicht glücklich machen können, müssen wir auch noch einander das Vergnügen rauben, das jedes Herz sich noch manchmal selbst gewähren kann?

[johann wolfgang von goethe]

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Vorrübergehend geschlossen.

Wiedereröffnung naht.

über leben

September 11th, 2007

Wenn man an der Sehnsucht nicht stirbt,
so lebt man davon…

[humboldt -nicht marquez - lächel. via titania]
-terror wirkt in der seele, nicht auf der straße-

der markt hat mich durchschaut

September 10th, 2007

Gummibärchen sind ein Mysterium für sich. Es dauert wohl bei jedem “Gummibärchen-Anfänger” eine Weile, bis er herausbekommen hat, wonach die kleinen Gelatine-Tierchen eigentlich schmecken. Manche finden es vielleicht auch nie heraus, aber die meisten finden schnell ihren Lieblings- und ihren Hassbären. Ich mochte immer am liebsten die Gelben, ich hasste die Grünen. Irgendwann las ich dann einmal, dass die Grünen nach Erdbeere schmecken.

Das bestätigte, was ich schon immer wusste: Erdbeere schmeckt einfach nicht - außer als Erdbeere. Ich finde Erdbeerjogurt ebenso furchtbar wie Erdbeereis, Erdbeerbonbons, Erdbeermilschshake, Erdbeermarmelade und so weiter. Erdbeere schmeckt nur als rote, saftige, unzerquetschte Erdbeere. Und grüne Gummibärchen sind bääh.

Nun kam es aber, dass ich vor kurzem wie gewohnt in die Gummibärchentüte griff und plötzlich ein rotes Bärchen fürchterlich schmeckte. Entsetzt warf ich einen Blick auf die Tüte. Und da stand es: Haribo macht aus fünf Farben sechs. Grün ist ab sofort nicht mehr Erdbeere, sondern Apfel. Erdbeere ist Hellrot, Himbeere, das bisherige Rot, ist dunkler. Zumindest laut Hersteller.

Nun gut, dachte ich. Koste ich eben mal einen Grünen. Aber DAS ist ja noch schlimmer und bestätigte mich in einer These, die ich bisher noch gar nicht hatte. Apfel schmeckt nicht. Nicht als Saft, nicht als Schorle, nicht als Mus, nicht als Kuchen, nicht als Gummibärchen und vor allem nicht als Apfel. Nur dummerweise kann ich auch nicht hell- von dunkelrot unterscheiden. Darum mache ich jetzt um drei von sechs Sorten einen großen Bogen und suche in jedem verflixten Supermarkt nach den liebenswerten Fünfsortenbären.

Gummibärchen sind ja auch so beliebt, weil sie so wenig komodogen sind. Jaja. Gut für die Haut. Angeblich. Nun sind Gummibären aber für mich gestorben und - es stimmt also doch, der Markt befriedigt Bedürfnisse, noch bevor der Kunde wusste, dass er sie hat - springt eine Drogeriekette in die Bresche. Als ich dort vor ein paar Tagen durch die Regale lief, fand ich ein quietschoranges Gefäß mit unverschämt gutriechendem Inhalt, das verkündete: Für glückliche Haut.

Natürlich hab ich es gekauft. Ich spare ja jetzt extrem bei Süßigkeiten. Und irgendwo muss das Glück ja herkommen. Eine glückliche Haut ist schließlich besser als nichts. Vor allem, weil die Kosmetik weder Erdbeer-, noch Apfelaroma enthält.

le grand chef bei der tbz

September 6th, 2007

Wenn wir in der Redaktion von “Grand Chef” sprechen, dann meinen wir Sergej Lochthofen, den Mann, der seit 1990 die Thüringer Allgemeine leitet. Den alljährlichen Tag der offenen Tür der TA in Erfurt hat Sven von der TBZ genutzt, um mit Lochthofen ein (unvorbereitetes) Interview über Blogs, die Online-Aktivitäten der Thüringer Allgemeine und die Trennlinie zwischen online-agierenden Medienunternehmen und privaten Blogs zu führen.

Darin macht Lochthofen klar, dass er in Blogs keine Konkurrenz für die gedruckte Zeitung sieht, die auch in 20 Jahren noch bestehen werde. Blogs seien gerade ein Trend, deswegen seien sie interessant und wichtig, aber niemand wisse, wie schnell sie wieder verschwänden. Wer die Webseite der Thüringer Allgemeine kennt, weiß, dass es dort ebenfalls “Online-Tagebücher” gibt. Sie sind jedoch restlos veraltet, die meisten sind tot. Ein redaktionelles Blog gibt es nicht. Und das sagt ja eigentlich schon genug aus über die Haltung der TA gegenüber der neuen Publikationsform. Deswegen verwundert es wenig, dass Sergej Lochthofen keinerlei Ahnung hat, wieviele Leser die Thüringer Blogs wohl haben. Und es kann ihm aus heutiger Sicht wohl auch egal sein, denn die Probleme der Tageszeitungen sind nicht die Blogs oder allgemein Onlinemedien. Kaum jemand, selbst in der jüngeren Generation, liest nur online. Meist ist es eine Begleitbeschäftigung zur Tageszeitung. Problem ist die nachwachsende Generation, die sich immer weniger für geschriebenen Journalismus interessieren. Eine ganze Generation Leser droht wegzubrechen. Und diesen Bruch kann man nicht durch gutgemachte (redaktionelle) Blogs aufhalten.

Zudem wird Lochthofen, wenn er sich das Resultat auf der TBZ ansieht, sich in der allgemeinen Journalisten-These bestätigt fühlen, dass Blogger eben Blogger und keine Konkurrenz für die traditionellen Journalisten sind, weil ihnen einfach viel zu oft das handwerkliche Geschick fehlt. So wäre es lesbarer und neutraler gewesen, das Interview für sich selbst stehen zu lassen und den erläuternden und kommentierenden Teil als Extra-Beitrag (und als Kommentar gekennzeichnet) laufen zu lassen. Interessant wäre, neben den schon im Beitrag von Sven angeregten Fragen, auch die Frage zu den neusten Layout-Experimenten gewesen.

Die TA versucht es seit vier Wochen mit einem (sehr gewöhnungsbedürftigen) neuen Samstagslayout. Es wird dem der Wochenendbeilage angepasst. Ein großes Titelthema schlängelt sich durchs Blatt und gibt häufig auch den 14 Lokalausgaben eine Samstagsgeschichte vor. Eine Spalte von anderthalbfacher Größe ziert nun die Ränder aller Buchtitelseiten und einiger Unterseiten ohne die Gesamtspaltenanzahl zu verringern (die an jedem anderen Tag schön im Leiterumbruch angeordnete sieben Spalten enthält). Dadurch werden die verbleibenden sechs Spalten zusammengedrückt, die Seite verliert die so viel gelobte Symmetrie. Die von der Zeitung so oft und gut praktizierten Freistellungen der Bilder wirken jetzt nicht mehr elegant, sondern eher konfus. Ich hoffe sehr, dass dieses Experiment bald wieder aufgegeben wird. Bisher hat die TA regelmäßig Designpreise (auch drei Awards of Excellence 2006(european newspapaer award)) abgeräumt. Will sie jetzt darauf verzichten? Oder warum diese Gewalt für’s Auge?

Und hier noch etwas sehr interessantes, vor allem für meine TA-Kommilitonen: “Das Verhältnis von Journalismus und Public Relations. Ressort und Status der Information als Einflussfaktoren. Eine Fallstudie am Beispiel der Thüringer Allgemeine” Dissertation von Claudia Riesmeyer. [ebenfalls bei der TBZ gefunden]