nasen und andere überflüssige eigenschaften

June 19th, 2008

Man muss nicht gerade besonders weit gereist sein, um zu wissen, dass es den Menschen leichter fällt, auszuteilen als einzustecken. Das ist anscheinend eine menschliche Eigenschaft und obwohl wir alle eine Nase besitzen, fassen wir uns zu selten an selbige. Nicht viel weiter gereist muss man sein, um zu wissen, dass die Angewohnheit auszuteilen häufig antiproportional ausgeprägt ist zur Eigenschaft, einstecken zu können.

Und es gibt eine Tageszeitung, von der man sich manchmal fragt, ob sie wirklich von Menschen gemacht wird. Nicht nur, weil sie für ihre eigenen Auflagenzahlen Biographien unwiderbringlich zerstört und eine Hetzkampagne nach der anderen startet, sondern vor allem, weil dort die Fähigkeit einzustecken absolut abhanden gekommen zu sein scheint. Während das Austeilen mit besonderem Genuss und einem fast unmenschlichen Kalkül vorangetrieben wird.

Diese vier Buchstaben knöpften sich jetzt die ärzte vor, die sich erdreistet haben, einen so harmlosen wie wahren Satz in ihre aktuelle Single "Lasse reden" einzubauen, die es bei ihnen nicht mal in die Spalte "Vermischtes" geschafft hätte. Wahr und harmlos sind für die vier Buchstaben nicht gerade ein Auswahlkriterium.

"Lass die Leute reden und lächle einfach mild/ die meisten Leute haben ihre Bildung aus der BILD./ Und die besteht nunmal wer wüsste das nicht/aus Angst, Hass, Titten und dem Wetterbericht." So wollten sich die vier Buchstaben nicht darstellen lassen. Ist ja auch schlecht für's Image, wenn einem da plötzlich ein Bildungsauftrag unterstellt wird - in unserem maroden Bildungssystem. Aber statt eine Hetzkampagne im eigenen Namen anzufangen, fand man willige Handlanger. Die Scorpions pöbeln sich bei den vier Buchstaben rot und schwarz, weil sie angeblich trotz Backstage-Pässen nicht zu den ärzten durften. Das ist natürlich nicht weiter tragisch, schließlich feierten die Scorpions diese Woche schon mit dem namhaften "Brian Adams", obwohl sie auf ihren zugehörigen Backstage-Pässen anscheinend nicht mal gelesen haben, wie der Kerl aus Kanada eigentlich wirklich geschrieben wird.

Was für einen Grund haben nun eigentlich die Scorpions, die Ärzte wie ein Körperteil zu bezeichnen, bei dessen Produkten sich dann doch der ein oder andere öfter an die eigene Nase fasst? Von den vier Buchstaben konnte man allerdings selbiges in keinem Zusammenhang erwarten.  Serifenlose Schriften haben weder Schnörkel noch Nasen - und außerdem riecht man den eigenen Geruch bekanntlich häufig ja auch gar nicht mehr.
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Das Corpus Delicti (via Seeqpod)

BILDblog findet kreative Remixe zum Song 

fußballpatriotismus

June 11th, 2008

Sonntag, nach Einbruch der Dämmerung am Ausgang einer Sportsbar.

Zwei Mädels: "Ist das Spiel schon zu Ende?"
Ich: "Ja."
Mädels: "Und wer hat gewonnen?"
Ich: "Deutschland"
Mädels: "Ey, Du verarscht uns doch?!"
Ich: "Nein, wieso?"
Mädels: "Na, so negativ, wie Du das sagst."
Ich: "Ich bin halt nicht für Deutschland."
Mädels: "Wie, nicht für Deutschland?"

Dieser seit 2006 mit der Luft aufgenommene Fußballpatriotismus geht mir auf die Nerven. Sollen doch von mir aus auch die sportfernsten Barbiepuppen für Deutschland in die mit schwarz-rot-gold belackten falschen Nägeln verzierten Händchen klatschen, wenn "der Pooooooooooooooooldi" ein Tor schießt. Mir ist es egal. Und alle anderen Fußballspiele auch. Um das zu verdeutlichen, trage ich wieder auffällig oft mein Argentinien-T-Shirt. Aber irgendwie versteht das niemand…