July 14th, 2008
So fangen wir irgendwann an,
auf der Linie zu balancieren,
die das Eine vom Anderen trennt.
Schwarz und Weiß,
Liebe und Freundschaft,
Beruf und privat,
Kopf und Herz,
Traum und Realität.
Weil wir Menschen nicht das "oder" wollen
- sondern das "und".
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July 12th, 2008
Im Leben gibt es zwei Tragödien. Die eine besteht darin, seinen Herzenswunsch aufgeben zu müssen.
Die andere darin, ihn erfüllt zu bekommen.
[george bernard shaw]
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July 1st, 2008
Jetzt ist es vorbei. Die Spanier haben den Pokal, die Autos sind immer noch beflaggt. Der schwarz-rot-goldene Fetzen hat einen Riss, aber er weht noch. Trotzig bleibt die Ein-Euro-Investition am Autofenster. Fußball-Patriotismus verpflichtet. Und wir sind ja trotzdem so stolz.
Wir und Fußball sind sowieso das neue Traumpaar im Wortgebrauch. Die Identifikation ist riesig. Selbst die Bundeskanzlerin patscht in ihre Händchen und wird dafür vom Fußball-Volk geliebt. Sie könnte sich auch zur europäischen Diktatorin ausrufen lassen - solange Deutschland Europameister wird, ist alles erlaubt. Fußball - schon immer medial überrepräsentiert - ist immer noch nicht am Berichterstattungshöhepunkt angekommen. Am Hype-Peak sowieso nicht. Fußball für alle! Fast wäre der 29. Juni 2008 zum neuen Nationalfeiertag geworden.
Der nationale Patriotismus, das Bewusstsein für die eigene Nation wird gestärkt, wie lange nicht mehr. Die, die jahrelang im Urlaub vorgaben, Niederländer zu sein, um weniger angepöbelt zu werden und sich nicht für die deutsche Vergangenheit rechtfertigen zu müssen, ziehen sich jetzt die Farben der Flagge über die Wangen. Wir sind wieder wer. Kann es da Zufall sein, dass Köhler die Ratifizierung des Lissabon-Vertrages stoppt? Des Vertrages, der Europa ein bisschen mehr Glanz, ein bisschen mehr Legitimität und vor allem eine europäische Identität geben sollte? Der das Bewusstsein fördern wollte, dass wir EIN Europa sind - und nicht 27.
Passen Fußball-EM und europäische Integration nicht zusammen? Immer wieder fordern Politikwissenschaftler eine europäische Identität aller Nationalvölker. Und rätseln, wie es herzustellen sei. Durch Sprache? Gemeinsame Bildung? Gemeinsame Erinnerung?
Ganz falsch. Es ist doch viel einfacher. Die EM muss weg. Die EU braucht keinen gemeinsamen Sitz im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen, sondern eine gemeinsame Nationalmannschaft. Ballack und Toni, Casillas und van der Vaart, Ronaldo und Demirel. Alle in einer Mannschaft. In 27 Staaten flattert eine blaue Flagge mit goldenen Sternen im Autokorso. Mit dem Kader schafft die EU nicht nur jede WM-Qualifikation, sondern wird regelmäßig Titel holen. Eine unglaubliche Massen-Euphorie. Der erste Europäische Ratspräsident wird David Beckham. Fußball wird zum EU-Nationalsport erklärt und die goldenen Sterne werden durch kleine Fußbälle ersetzt.
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