anruf aus nordrhein-westfalen

October 31st, 2008

Gerade an (rein ostdeutschen) Feiertagen sollte man ans Telefon gehen. Nächste Woche Vorstellungsgespräch in Bielefeld. Ich freue mich.

Und dabei hatte ich meiner Mutter gerade fünf Minuten zuvor erzählt, dass sich an der Jobfront noch nicht so viel passiert.

feiertagsblues

October 31st, 2008

Was für eine Freude, als heute morgen die Sonne durch die Ritzen der Rollos lugte. Doch lange blieb sie nicht. Jetzt ist es grau, ich bin müde. Arbeit gibt es immer, aber nicht immer ausreichende Ressourcen dazu. 

Herbst nennt man das gemeinhin. Auch den Seelenzustand. Und ich kann mich nicht mal daran festhalten, dass Luther so viele Jahre vor mir Thesen nicht an die Wittenberger Kirche nagelt, auch wenn sie das Gerücht geflissentlich hält. Ich kann mich auch nicht darüber ärgern. Weder die alte noch die neue Kirche ist die meine. Und auf meinem Fleckchen Erde isst man gerne Kürbis, aber schnitzt keine Fratzen hinein, oder macht nochmal Klingelpartie, weil heute der einzige Tag ist, in dem es dank amerikanischem Kultureinfluss gesellschaftlich legitimiert ist, fremden Leuten auf die Nerven zu gehen. Die finden dann noch irgendwo die Nugateier vom letzten Weihnachten. Oder die Schokoosterhasen. Aber es geht ja auch nicht um Süßes. Schließlich sind wir spätestens seit diesem Jahr eine Fitness-Gesellschaft mit integriertem Ampelsystem beim Einkaufen. Es geht ja nur ums Klingelndürfen. Ich bin für sowas nicht da. Wenn unsere Klingel nicht sowieso schon nicht ginge, würde ich dafür sorgen, dass sie nicht geht. 

Als letzter Lichtblick bleibt immer nur Musik

Wie das Wetter wohl in Schweden ist? 

die usa wählt, die welt hofft

October 30th, 2008

Wir Europäer wüssten, wen wir wählen würden, wenn wir US-Amerikaner wären und am 4. November dürften. Barack Obama ist nicht nur der Hoffnungsträger seiner "yes-we-can"-Anhängerschaft, sondern der ganzen Welt. Genährt werden diese Hoffnungen in Zeiten der Wirtschaftskrise, die selbst eine Journalistin im gestrigen auslandsjournal tatsächlich ebenfalls dem noch amtierenden George W. Bush zuschrieb. Ihm kann man heute alles zuschreiben. Betrachteten ihn die Europäer bereits während der Wahl 2000 mit Argwohn, weil sie die Präsidentenfindung im Geburtsland der Demokratie äußerst undemokratisch fanden, so standen die Amerikaner zunächst hinter ihm.

Doch heute fällt niemand mehr auf, der Bush kritisiert. Kein Wort ist zu drastisch, keine Beleidigung unmöglich. "He was the worst", sagt die Journalistin - nicht nur der schlechteste Präsident der USA, sondern der schlechteste Regierungschef der ganzen Welt. Er wollte in die Geschichtsbücher und da ist er jetzt auch. Als unbeliebtester US-Präsident aller Zeiten. Niemand will mehr so richtig etwas mit ihm zu tun haben. Nicht einmal seine eigene Partei, die Republikaner. Zu groß die Angst, dass etwas von seinem Image auf das neue Duo McCain/Palin abfärben könnte. Die Europäer wüssten aber auch ohne George W. Bushs Unbeliebtheit, wen sie wählen müssten, wenn sie dürften.

Da ist einmal die fast schon prinzipielle Affinität zu den Demokraten, die eher für die Werte zu stehen scheinen, die auch in Europa etwas zählen. Die zumindest soweit modern sind, dass sie Homosexualität für möglich und das Abtreibungsverbot (zumeist) für veraltet halten. Die europäischen Sympathien lagen auch schon in den vergangenen Jahren bei Clinton, Gore und Kerry. Auch wegen der nicht ganz so unilateralen Außenpolitik. Wer mitreden darf, findet sympathisch. Jetzt liegen sie bei Obama. Europa vergöttert ihn. Für seine visionäre Kraft, für seine schillernde Persönlichkeit, die sich vor allem in seinem überdurchschnittlichen rhetorischen Talent zu zeigen scheint. Er konnte all die Hoffnungen, die in den Präsidenten der Noch-Hegemonialmacht USA gesteckt werden, absorbieren, konnte glaubhaft machen, dass er etwas verändern kann. Nicht nur will. Und auch viele Amerikaner lieben ihn. Er ist der erste, der es geschafft hat, auch die breite Masse der Durchschnittsamerikaner zum Spenden zu bewegen, nicht nur die Millionäre. Mit durchschlagendem Erfolg. Laut Tagesspiegel soll er bis heute mehr als 605 Millionen US-Dollar gesammelt haben. Der aktuelle Amtsinhaber hatte gerade einmal 188 Millionen US-Dollar für seinen Wahlkampf 2004 ausgegeben.

Und so konnte sich Obama gestern als erster Präsidentschaftskandidat überhaupt eine halbe Stunde Wahlwerbung zur besten Sendezeit auf den vier wichtigsten US-Fernsehstationen leisten. Um allen noch nicht überzeugten Wählern klarzumachen, warum er ein guter Präsident ist. Warum er nicht perfekt sein werde, aber trotzdem etwas bewegen könne. Es ging um ihn, seine Fähigkeiten und nicht um die Unfähigkeit seines republikanischen Rivalens. Kurz darauf ein viel kürzerer Spot von McCain, in dem er genau diese Unfähigkeiten des Demokraten offenzulegen versucht. Die Taktiken haben sich geändert, seit Obama vor einigen Wochen wieder steigende Umfragewerte erhielt. Er ist der strahlende, offensive Überzeuger. McCain ist der defensive Ausreder. Seit Wochen versucht er nicht mehr, sich selbst im besten Licht darzustellen, sondern nur noch Obama möglichst weit aus dem Licht herauszurücken. Er will die amerikanischen Wähler nicht von sich überzeugen, sondern ihnen nur den Kontrahenten ausreden. In den Augen eines Europäers eine wirklich unsympathische und wenig überzeugende Taktik. Obama hat Kontrahenten-Bashin natürlich auch mal praktiziert, als er mit McCain in den Umfragen gleichauf war. Doch der Vorsprung in den Umfragen hat ihn selbstsicherer gemacht.

Er fokussiert auf sich. Auf seine Person. Denn bei diesem Wahlkampf scheint es noch weniger um Sachthemen zu gehen, als bei den vergangenen Wahlen. "Change" versprechen sie beide. "Change" würde wohl auch jeder andere Präsidentschaftskandidat versprechen. Weil es eben Konsens ist, dass Bush jr. das Land hat verkommen lassen. Wer gewinnen will, muss vor allem sympathisch sein. Die Argumente und Ziele der beiden Kandidaten ähneln sich in vielen Punkten, es geht nicht mehr darum. Sondern darum, wer diese Ziele besser umsetzen können wird. Und wer das glaubhafter rüberbringt. Selbst John McCain scheint eingesehen zu haben, dass das Obama ist. Ihm hilft nur das Ausreden und die Hoffnung, dass ein anderer Faktor die Wählermeinung für ihn beeinflusst. Denn die Macht war bis jetzt immer bei den Weißen. Die Vorurteile, die Rassenkonflikte sind noch lange nicht überwunden. Obama könnte auch hier etwas ändern, wenn man ihn lässt.

Denn eins hat uns George W. Bush auch gelehrt: Man kann auch mit der Minderheit der Stimmen rechtmäßiger Präsident der Vereinigten Staaten werden. Wahlsystem sei dank. Und die entscheidenden Stimmen bekam er auch nicht für seine Standpunkte in Sachthemen. Claus Kleber führte in seinem Buch "Amerikas Kreuzzüge. Wohin treibt die Weltmacht" aus, dass er es wusste, seine Religiösität so gut wie kein Kandidat vor ihm zu nutzen wusste. Dass er Anhänger fand, die ehrenamtlich für ihn herum telefonierten. Und weil er Wähler fand, die von ihm überzeugt waren, weil er die religiösen Werte hochhielt und glaubhaft gläubig war. In diesem Wahlkampf wird diese Wählerschicht nicht entscheidend sein.

Die neue Überzeugungskraft heißt Vision. Und getragen wird Obamas erfolgreiche Kampagne von einem Handlanger, der erst durch das Aufkommen des Web 2.0 richtig interessant für die Wahlkampfstrategen wurde: das Internet.

aus den augen,…

October 8th, 2008

Eine Lektion, die ich wohl lernen musste. Aber hart war es. Dass viele nicht dran denken würden, wenn instant messenger und Social-Networking-Portal es ihnen nicht mehr mitteilen, war mir schon klar. Dass es sogar meine drei zwei (für die langsame Post kann sie ja nix) Lieblingsmädels vergessen, hätte ich nicht gedacht. Auch, wenn zwei von ihnen gerade im Ausland sind. Gesteigertes Unwohlsein. So wie das klingt, fühlt es sich ungefähr an…

eine minute glückseligkeit.

October 3rd, 2008

Der Sommer fängt an zu rosten und fällt rot und gelb auf die Straßen. Die Wolken werden grauer, aber sind immer seltener zu sehen, denn die Nacht steht immer früher auf. Selbst die glühend rote Gerbera in meinem Fensterbrett verblüht, obwohl sie die Kälte nur hinter Glas sieht, wie im Zoo.

Doch wenn die Tage nur noch lang bekleidet lebbar sind, dann öffnen in Kleinstädten wieder die Schwimmhallen. So auch hier. Chlorwasserbadewanne mit meerblauen Fliesen, sieht nicht wie Südsee aus und verheißt doch Entspannung. Unter Wasser ist die Sicht so klar. Abstoßen vom Beckenrand und unter Wasser fliegen. Mit möglichst wenig Bewegung. Das Wasser trägt schon - von allen Seiten. Dann ein paar Züge und schon ist der Rhythmus da. Arme und Beine graben sich ein in das Wasser, das zunächst unangenehm kalt ist, dessen Temperatur dann immer unwichtiger wird. Der Rhythmus ist entscheidend, er wird immer gleichmäßiger, unter Wasser Luft freisetzen und ihr beim Auftauchen zu sehen, immer langsamer denken und immer schneller schwimmen. Es ist leer am Abend, Platz zum Leben, Platz zum Entspannen. 

Der Körper heizt sich auf. Jetzt ist er so warm, dass die Schwerelosigkeit im Wasser noch deutlicher wird. Am warmen Körpfer gleitet das kalte Wasser vorbei, gleichmäßig. Es ist nicht mehr unangenehm, sondern kühlt. Kühlt den Kopf und die Seele. Richtige Betriebstemperatur. Wie das Wasser gleiten die Gedanken vorbei, sie können sich nicht festhalten, sie bleiben zurück hinter der regelmäßigen Atmung, hinter den Kopf-, Arm- und Beinbewegungen. Sie würden stören in dieser Einheit. Sie sind nur eine kleine Erinnerung an das Leben außerhalb des Beckens, in dem die Schwerkraft ihnen hilft, sich bis in die innerste Synapse durchzuquetschen, festzubeißen und dort zu bleiben. Hier bin ich frei. Die Lichter unter Wasser gehen an. Wenn man nah genug vorbei schwimmt, wärmen sie für einen kleinen Augenblick. Die Welt scheint sich umzukehren. Das Licht kommt von unten, also von oben. Ich tauche ab, um Luft zu holen und bin an der Oberfläche zuhaus. Den blauen Fliesen, auf denen ich lautlos liegen kann. Verweilen - bis mir die Luft ausgeht. Eine Minute Glückseligkeit. 

(irgendwann soll es wieder so sein. und es sollen vier hände sein…nicht nur zwei) 

wieder allein.

October 2nd, 2008

Das ungesprochne Wort
erweist sich immer mehr
als größter Klotz des Alltags

Zuvor am gleichen Ort
geht bald heimlich einher
die starke Axt des Rückschlags

Schienen sich so nah
wie Zwillingsschwestern nur
klang nach Unendlichkeit

So unnahbar
war ihrer Grundnatur
immer nur Schweigen
nie ein kleiner Streit

Die Welt dreht weiter
nahm uns zwei auch mit
doch nicht im gleichgesinnten Boot

Der Riss wird breiter
ganz nah ist der Split
die Verbindung ist tot

statt lachend befreit
von den fesselnden Masken
durch diese entzweit
sie tragen die Lasten

wieder allein.