007 - ein quantum trost

November 21st, 2008

Was ist eigentlich mit den deutschen Rezensenten los? Was haben sie mich gewarnt. Der Filmvorführer gab "Ein Quantum Trost" gerade einmal zwei von fünf Sternen: Zu wenig Witz, zu wenig Tradition, zu wenig James Bond. Die Süddeutsche Zeitung fand, die Bond-Girls lebten entweder zu kurz oder zu lange, ohne richtige Bond-Girls zu sein. Und von allen Seiten kam die Klage: "Er sagt überhaupt nicht: Mein Name ist Bond, James Bond. Und er trinkt auch keinen Martini." Dazu noch die ewige Leier: Daniel Craig passt nicht in die Verlängerung einer Reihe charismatischer, gutaussehender Gentlemen von Sean Connery über Roger Moore bis Pierce Brosnan.

Ich habe mir den Film trotzdem angesehen. Zum Glück. SO stelle ich mir nämlich einen Geheimagenten vor. Blutig geschlagen, übernächtigt, misstrauisch, voller Hass. Ja sicher, andere Geheimagenten, Paradebeispiel Jason Bourne, können das auch sein und waren es schon. Aber das ist doch kein Kriterium. Dieser Bond entwickelt sich endlich weg von dieser charakterlosen Kühle, die Frauen nehmend und vergessend, wie sie kommend und immer ein makelloser Diener der britischen Krone. Der Bond aus "Ein Quantum Trost" wird als Figur endlich interessant, indem er all die hemmenden Traditionen von Gentlemen-Sein und Martini-Trinken, Frauen sammeln und abgenuddelte Sprüche brabbeln befreit. Und er ist besonders stark, gerade weil Daniel Craig ihn spielt. Musste erst ein Schauspieler kommen, dessen Gesicht Ecken und Kanten hat, damit die Figur 007 Ecken und Kanten bekommt?

Die 103 Minuten sind jedenfalls rasant und unterhaltsam. Das Köpfchen ist gefragt, um all die Personen zuzuordnen, die Freund-Feind-Listen ständig zu aktualisieren und die Ortswechsel unterzubringen. Aber hey, warum nicht mal ein Action-Film, bei dem es nicht nur ballert und kracht - obwohl es das oft genug tut. Schnelle Schnitte bei Verfolgungsfahrten und -jagden auf italienischen Straßen und über italienische Dächer, Verschwörertreffen in der Oper und im Wüstenhotel. Bond bleibt immer hin- und hergerissen zwischen der Jagd auf die geheimnisvolle Gruppe Quantum, von der der MI6 rein gar nichts weiß, die aber überall ist - und seiner persönlichen Jagd nach Antworten und den Mördern seiner geliebten Vesper. Er wird beides schaffen, obwohl sein eigener Geheimdienst ihn wegen der USA im Stich lässt und er nicht viele Verdächtige am Leben lässt. 

Obwohl "Ein Quantum Trost" wenige Stunden nach seinem Vorgänger "Casino Royale" einsetzt, hat Regisseur Marc Forster seinen Protagonisten viel lernen lassen. Die Geheimagententugenden wie Misstrauen, Kaltblütigkeit und Vergessen, die im Vorgänger sehr blass waren, sind plötzlich voll ausgeprägt.

Nur, wenn er sich entgegen seines Auftrags um Camille kümmert, das Bond-Girl, dem 007 nicht mehr abtrotzen wird, als eine Umarmung und einen flüchtigen Kuss, scheint der alte, der weiche Bond noch manchmal auf. Die beiden verbindet der Verlustschmerz und der lodernde Wunsch nach Rache. Sie retten einander das Leben und können sich doch nicht retten aus dem Gefängnis, "das da drin ist", wie Camille sagt und dabei James' Kopf berührt. Olga Kurylenko balanciert ihre Camille dabei so beeindruckend zwischen Zerbrechlichkeit und Stärke aus, das man sich wünscht, die James-Bond-Macher würden mit noch einer unsäglichen Tradition brechen und Camille auch im 23. Bond-Film auftauchen lassen. Schließlich hätte dieser geschundene und leer gewütete Bond ein Quäntchen Trost verdient.

ich find das gut

November 21st, 2008

Das Leben kann so schön sein, wenn man sich nicht stressen lässt
einfach nur zu lächeln ist ein herrlicher Protest
man muss sich nicht entscheiden zwischen Cholera und Pest
das Leben kann so schön sein, wenn man sich nicht stressen lässt.

 

[furt ...looking forward to December 17]

BI and me

November 17th, 2008

….will become friends for one year. Start: 01.09.09

Und ich bekomme Leipziger Gesellschaft - wurde mir am Donnerstag gesagt. Als ich heute der betreffenden Dame dazu gratulierte, wusste sie von nix. Ups. Ich wollte eigentlich nicht der Überbringer der frohen Botschaft sein, obwohl - dafür sind Journalisten ja da…

das b-wort

November 12th, 2008

Schon mal mit Shakespeare durch die Stadt gegangen? Keine ruhige Minute hat man da. Von allen Seiten raunt und tuschelt es. Mit dem Finger zeigen sie auf uns. Regelmäßig wird er fotografiert. Am Anfang dachten meine Familie und ich, das sei nur eine Übergangsphase. Die Passanten würden sich schon an ihn gewöhnen. Außerdem würde er ja auch noch wachsen.

Aber nichts. Das Fingerzeigen, Tuscheln und Fotografieren ging weiter. Es wurde sogar noch schlimmer. Sie kamen an, hätschelten ihn am Kopf.“Ja gutschi, gutschi,  bist Du aber ein wunderschöner Hund.“ Wenn manche Menschen einen Hund sehen, verlieren sie alle Hemmungen. Sie vergessen, dass es sich auch bei einem Hund um  ein Individuum handelt, das nur zu höflich ist, um ihnen sofort die Nase abzubeißen. Rechtlich ist unser Shakespeare sogar ein Gegenstand. Was würden  all die Tätschler,  sagen, wenn ich am hellerlichten Tage ihr Auto streichelte: „Ja gutschi, gutschi, bist Du aber ein schönes Auto!“

Heute aber war ich kurz davor, meine Höflichkeit zu vergessen. Als ein übergewichtiger, glatzköpfiger Prolet mit Mundgeruch auf Shakespeare zurannte und ihm einen Nasenkuss verpasste. Mehrere Sekunden lang. Völlig unbeirrt von der Tatsache, dass ich mit meiner Familie die Augenbrauchen synchron in die Höhe schnell ließen. Meine gute Erziehung verbot mir zu sagen: „Zahlen Sie dann auch den Psychologen, der meinen Hund von diesem Trauma befreit?“

Am Schlimmsten sind allerdings die, die mich bei Frostgraden kurz nach der Dämmerung im Park auf meinen schönen Hund ansprechen und mit ihrem vermeintlichen Wissen protzen. „Der ist noch jung, hm?“ – „Ja, 14 Monate.“ – „Da wächst er bestimmt noch.“ – „Ein wenig.“  Dann, mitten aus frostigem und noch nicht ganz blauem Himmel kommt es, das B-Wort:  „Alle Bernhardiner, die ich kenne, sind viel  breiter.“ – „Schön, nur gut, dass Shakespeare ein Berner Sennenhund ist.“

Kann man ja mal verwechseln. So einen schwarzen Hund mit weißen und braunen Flecken mit einem weißen Hund mit braunen Flecken. Meine Lieblingsantwort: „Achso, dann ist der also auch gar nicht nach dem Film ‚Ein Hund namens Beethoven‘  benannt?“ Nein,  genau genommen war Shakespeare der größte englische Dichter und hatte weder braune Flecken, noch ein Rumfäßchen um den Hals.

[will sagen - der November-student! ist da und liegt überall, wo Studenten zum Studieren hinkommen...die Kolumne ist auch drin, aber die kennt ihr ja jetzt schon]

pedantische platzkartenbesitzer

November 6th, 2008

Bielefeld existiert.Es ist kein menschen- und ideenverschlingendes Schwarzes Loch, wie ein Kollege am Dienstag angedeutet hatte. Aber in seiner Grundatmosphäre kommt es der Farbe des mit ihm assozierten astronomischen Phänomens ziemlich nah: Dunkelgrau. Ja, es hat keine Sonne geschienen und in herbstlichen Einkaufsstraßen ohne nennenswerte Begrünung, oder im aktuellen Fall Bebuntung, machen da alle wenig her, aber dass es anderen Städten auch so geht, macht Bielefeld aktuell nicht hübscher.

Der Bahnhof betreffender Stadt ist zudem im Hinblick auf Gastronomie und klimatisierte Sitzgelegenheiten noch schlechter ausgestattet, als das kleine, aber touristenabhängige Weimar, das mir als Wahlheimat an ausgewählten Wochenende immer mehr ans Herz wächst. Sitzen kann man dort also nicht, dafür sind die Bahnhofslautsprecheransager viel freundlicher. Das müssen sie auch, denn Züge scheinen ausnahmslos Hemmungen zu haben, in Bielefeld einzufahren und zögern den Moment so lange wie möglich hinaus. Wahrscheinlich haben die Lokführer zuvor allesamt ähnliche Gerüchte gehört, wie mein Kollege. Der IC, der mich gen Osten bringen sollte, musste es natürlich gleich wieder übertreiben und vertrödelte sage und schreibe 40 Minuten. In meiner logischerweise ebenso verlängerten Wartezeit rumpelte es im Minutentakt im Bahnhofslautsprecher und der Bahnhofslautsprecheransager sagte weitere Bummelantenzüge an. Ein Bielefelder Bahnhofslautsprecheransager hat mindestens ebenso hohe Sprechanteile wie der Moderator eines x-beliebigen Info-Radios. Trauen sich die Züge dann endlich in die menschen- und am liebsten zugführerfressende Stadt, sind sie meist angenehm leer. So auch der von mir sehnlichst mit angefrorenen Füßen erwartete Inter City.

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it’s also cold inside, baby

November 4th, 2008

So ist übrigens das Wetter in Schweden :)