sunshine cleaning

May 31st, 2009

Bei all den “Tatort”en, die man sich so während seines öffentlich-rechtlichen Fernsehlebens angesehen hat, hat sich wohl kaum jemand gefragt, wer die ganzen Spuren nach lupenreiner Begutachtung eigentlich wieder beseitigt. Zumindest in den USA ist das natürlich ein Job, der “outgesourct” wird. Ein hart umkämpfter Markt, in den Rose (Amy Adams - die einer jungen Nicole Kidman in diesem Film verdammt ähnlich sieht) nach Zureden ihrer Jugendliebe Mac (Steve Zahn) einsteigt.

Ihr Sohn Oscar (Jason Spevack) scheint hoch intelligent zu sein, zumindest eckt er regelmäßig mit Lehrern und Schulleitung an und bestätigt seinem Opa Joe (Alan Arkin), das er sich regelmäßig langweile. Ein PLatz in einer Privatschule muss her. Das Geld dafür will erst verdient werden. Der bisherige Job als angestellte Putzfrau gibt es jedenfalls nicht her. Zusammen mit der ebenfalls immer klammen Schwester Norah (Emily Blunt) baut Rose ihre Tatortreinigungsfirma Sunshine Cleaning auf (”Ich wollte einen positiven Eindruck vermitteln”).

Dabei müssen sich die Geschwister dem verdrängten Selbstmord ihrer eigenen Mutter ebenso stellen wie der ständigen Frustration. Immer wieder feuert Rose sich selbst vor dem Spiegel an: “Ich bin stark, ich bin eine Gewinnerin!” Doch sie muss erkennen, dass sie zuviel geträumt hat in der Vergangenheit. Dass sie für ihre große Liebe Mac nur eine Affäre ist, die Kinder bekommt er mit einer anderen. Dass alle aus ihrem Highschool-Jahrgang etwas geworden zu sein scheinen - und wenn nur Ehefrau eines reichen Schnösels (”Du bist besser als die Rose”).

Doch sie und Norah haben so einige Chancen verpasst. So zeichnet Regisseurin Christine Jeffs ihre Charaktere auch. Gezeichnet sehen sie aus, überarbeitet. Überhaupt nicht hollywoodhochglanzgeschönt. Die eine ist hin und her gerissen zwischen den Versprechungen, die ihr hoffnungsfrohes Teenieleben einst verhieß und ihrem Alltag als alleinerziehende Geringverdienerin. Rose klammert sich an den Resten des einen fest, um das andere besser auszuhalten.

Die andere scheint weder eine Vergangenheit noch eine Gegenwart zu haben. Da gibt es einen Freund, der nur einmal kurz im Film auftaucht. Beim unromantischen Beischlaf. Und da sind die Rückblenden im Kopf, das Spielen mit der Schwester unter dem Rasensprenger. Norah versucht diesen Bildern mit Gras, Brückenklettern und Unangepasstsein zu entgehen.

Erst im Laufe des Films deckt Christine Jeffs die Narben auf, die die ungleichen Schwestern verbinden, über die aber nie gesprochen wird. Am Ende scheinen die beiden Schwestern zu unterschiedlich zu sein, um zusammen zu halten. Oder zu gleich. Die Trümmer verpasster Chancen räumt der Film bis zum Schluss nicht auf. Es gibt kein Happy-End. Konsequenterweise. Nur das Fünkchen Hoffnung, das Rose wieder aufstehen lässt. Wie im richtigen Leben.

du bist terrorist

May 31st, 2009

…und weil wir grad bei Politik und Positionen sind. Man kann natürlich auch weiterhin über Innenpolitik reden. Sollten wir sogar. Denn da im Moment zuviel über Peer Steinbrück und zu wenig über Wolfgang Schäuble geschimpft wird, hier nochmal ein Anstoß, dies zu ändern. Gefunden bei der wundervollen Titania Carthaga, die wieder da ist.

DU bist Terrorist (von Alexaner Lehmann)

nur noch eine woche

May 31st, 2009

…und dann wählt Deutschland seine “deutsche Stimme in Europa” (CDU). Es sind Europawahlen, die man mit den Kommunalwahlen zusammen gelegt hat, damit überhaupt jemand hingeht und für die man so wunderschöne Parteien erfunden hat wie die Violetten, die Piratenpartei (v.a. gegen Urheberrechtsschutz im Internet) oder das FBI (Freie Bürger Initiative. Bedenkt man, was der eigentliche Träger dieses Namens so alles mit den Freien Bürgern macht, ist es fraglich, ob der Name clever gewählt ist).

Deren Spots jedenfalls sind bei Weitem wahlermunternder als die drögen Phrasen der “großen parlamentarischen Fünf”. Niemand muss sich wundern, warum die Wahlen zum Europaparlament als nationale Wahlen gelten, wenn die Politiker sie selbst nur als solche ernst nehmen und sich zu deutschen Themen positionieren. Da sieht man im Wahlwerbespot der FDP, schön beplappert von EU-Spitzenkandidatin Silvana Koch-Mehrin, wie viel Anteil die FDP nach eigenem Bekunden an den vergangenen 60 Jahren Bundesrepubliksgeschichte hat. Da kommt aber kein Maastricht-Vertrag und auch kein anderer drin vor. Es geht um Emotionen im Supererinnerungsjahr, nicht um Ideen für ein zukünftiges Europa.

Aus den Spots und Plakaten kann man die Positionen der Parteien zu EU-weit relevanten Themen nicht erkennen. Gut, dass es die Bundeszentrale für politische Bildung gibt, die Thesen verfasst und an alle zur Wahl stehenden Parteien für die Wahl des Europaparlaments verschickt hat. Jetzt kann jeder den Wahl-O-mat [via Spiegel] machen und dann hinterher seine Positionen mit denen der Parteien vergleichen, um zu wissen, was Silvana Koch-Mehrin (oder ihre Partei) eigentlich über Immigration, biometrische Daten im Pass, EU-Mindestlohn (besonders überraschend - haha) oder EU-Außenpolitik denkt.

Und feststellen lassen, welchen Parteien er laut der abgefragten Positionen am nächsten steht. Bei mir wären das SPD und Grüne und selbst die Violetten und die Piratenpartei haben mit meinen Positionen mehr Übereinstimmung als FDP, CDU und CSU. Na sowas.

dear mr obama

May 30th, 2009

Please visit our beautiful small town. Die Grünen prepared a special election poster for you.

schon wieder deutschlandfunk

May 30th, 2009

Ich kann nichts dafür. Sie sind einfach gut. Ich höre sie einfach dauernd. Und wenn sich mein Journalistik-Prof dann bei DLF-Kulturfragen zum Top-Thema “Die Zukunft des Zeitung” äußert, dann muss ich hier einfach einen Link dazu hinterlassen.

Nicht nur, weil er viel Wahres sagt und den ganzen Unkern ein bisschen Recht gibt und ihnen auch gleichzeitig den Wind aus den Segeln gibt. Nein, so schön Medien erklären kann einfach nur Professor Michael Haller. Anhören!

ein käfig voller enten

May 26th, 2009

“Ich kämpfe gegen den modernen Demokratismus”, legt der Kabarettist Florian Schroeder dem von ihm parodierten Innenminister Wolfgang Schäuble in den Mund. Seit Jahren schon warnt letzterer vor der akuten Terrorgefahr in der Bundesrepublik Deutschland, um sukzessive die garantierten Grund- und Freiheitsrechte einzuschränken.

Da kommt ein gerade so vereitelter Anschlag und die Überführung der sogenannten Sauerlandzelle gerade recht. Sehr nachdenklich macht bei der unhinterfragten Nachrichtenlage zur “Sauerlandzelle” ein Feature von Walter van Rossum, das am 12. Mai im Deutschlandfunk lief. Jeder, der mal was mit Medien machen will oder schon macht und jeder, der sich für einen kritischen Zeitgenossen hält, sollte es hören. Die Geschichte vom Käfig voller Enten [flashplayer dradio].

gedanken zur nacht

May 17th, 2009

Erwachsen werden bedeutet zu begreifen, dass unsere Möglichkeiten sich ständig nur verringern, täglich schrumpfen. Dass wir uns für einen Weg, ein Leben, einen Stil, einen Beruf, einen Partner, einen Wohnort entscheiden müssen.

All unsere Träume fernab dieser gewählten Personen, Orte und Einstellungen müssen wir aufgeben. Sie  bleiben schmerzhafte Narben, weil wir mit zunehmdem Erwachsensein-Stadium immer wieder mit der Angst leben, den falschen Traum gewählt zu haben. Wir glauben, andere Träume hatten uns glücklicher, ausgefüllter, beliebter, reicher oder intelligenter gemacht. Die Ecken und Kanten all unserer Imaginationen erkennen wir erst, wenn wir sie Realität werden lassen.

Die Enttäuschung wird unser ständiger Begleiter, weil die Ecken und Kanten im Kopf nicht da waren. Weil es in unserer Vorstellung keine Konkurrenz, keine Hindernisse, keine Kritik und vor allem keine dunkelschwarzen Wolken gab. Im Kopf bleiben all die toten Träume in ihrer perfekten, weil an der Realität ungetesteten Form, konserviert.

Deshalb vermissen wir das Jungsein oft schon, obwohl wir selbst noch blutjung sind. Wir messen uns zunehmend ungern mit den Idealen, die wir in unseren Teenie-Zeiten vor uns her trugen. Weil wir ihr oft nicht mehr entsprechen können. Wir nennen das “Sachzwänge”, die Realität zwingt uns zu Abstrichen. Aber resignieren wir nicht einfach irgendwann und hören auf, unsere Träume zu Ende zu träumen?! Geben uns zufrieden mit nicht zufriedenstellenden Lebenszuständen, mit toten Tagen, mit Alltagstrott. Und verbieten uns irgendwann das Träumen, weil es nur Möglichkeiten eröffnet, von denen wir viel zu viele ablehnen müssen.

Erwachsen werden heißt, die Sehnsucht nach der Zukunft durch die Sehnsucht nach der Vergangenheit zu ersetzen. Nach der Zeit der unbegrenzten Möglichkeiten. Als das Leben ein Traum war, weil alle Entscheidungen in weiter Ferne lagen.

Kind bleiben heißt, weiter zu träumen und nicht pausenlos mit dem zu vergleichen, was wir nicht mehr haben können. Weil WIR uns anders entschieden haben. Oder weil andere anders entschieden haben. Kind bleiben heißt, nicht zu resignieren und sich nur mit dem befriedigenden, dem vollständigen Lebensentwurf zufrieden zu geben. Auch wenn er graue Wolken und Hindernisse kennt.

Leider ist das verdammt schwer.

alltagsweisheiten

May 15th, 2009

“Es kommt nicht darauf an, was man aus uns gemacht hat,
sondern darauf, was wir aus dem machen,
was man aus uns gemacht hat.”

[jean-paul sartre]

duplicity - gemeinsame geheimsache

May 14th, 2009

Eigentlich wollte ich hier ein paar kurze Eindrücke zum Film “Duplicity - Gemeinsame Geheimsache” loswerden. Aber ich lasse kurz meine Begleiterin sprechen:

Hm, naja, wenigstens hat Julia Roberts mitgespielt!

[Katja]

Nur soviel noch von mir: Gucken sollte ihn jeder der völlig verschlungene Plots mag, der prinzipiell schon immer der Meinung war, dass niemandem auf dieser Welt zu trauen ist. Jeder, der “Tatort” viel zu durchsichtig findet und selbst bei britischen Krimis spätestens eine Stunde vorher weiß, wer der Täter war. Jeder, der dem dritten Teil von Fluch der Karibik problemlos folgen konnte, wird sich prächtig amüsieren. (So wie ich.)

Nicht reingehen sollten Leute, die mit Rückblenden ein Problem haben, die nicht glauben können, wieso sich zwei Liebende nicht vertrauen. Niemand, der auf Happy Ends hofft oder findet, dass Filme immer fertige Interpretationen der Welt anbieten müssen (klare Unterscheidung in gut und böse, eine vorgezeichnete Zukunft nach Ende des Films).

Man kann natürlich auch reingehen, weil man Julia Roberts und Clive Owen großartig findet. Denn das sind sie in diesem Hollywood-Streifen definitiv.

am anderen ende der welt

May 14th, 2009

Da gehen sie hin. Meine Volleyball-Teamkollegin und ihr Freund sind auf dem wohl schönsten Fleckchen Erde der Welt gelandet. Bisschen neidisch bin ich ja schon, obwohl, wenn ich’s mir recht überlege, bin ich auch ganz froh, dass jetzt erstmal der Sommer kommt. In down under hätte ich ja jetzt schon wieder Winter.

Von dem Standpunkt betrachtet, ist dann vielleicht doch wieder das sonnige Stückchen Parkbank in Leipzig vor der Dresdner Bank das schönste Fleckchen der Welt.