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Es sind die Personen, die Verlendung zu einem besonderen Krimi machen. Noomi Rapace legt soviel in einen Blick der Lisbeth Salander, dass sie sie gleichzeitig freilegt und maskiert. Darin spiegelt sich die Mischung aus Verletzung und Härte, die sie immer die Distanz halten lässt zwischen sich und der Welt. Es ist die Introvertiertheit, die ihr nahe liegt, aber der sie so viele Narben und Schmähungen verdankt, dass inzwischen Angriff ihre Verteidigung ist. Sie wehrt sich. Und sie versinkt in den Leben anderer, wenn sie sich in ihre Rechner hackt und akribisch alles sammelt, was auf ihren Festplatten über das Leben der anderen zu finden ist. So trifft Lisbeth Salander schließlich auf Mikael Blomkvist (Michael Nyqvist). Oder besser gesagt, sie wird gefunden.
Blomkvist ist einer jener vom Aussterben bedrohten Art Journalist, die ihre Ideale über die Jahre retten und nicht in Zynismus ertränken, die sogar für sie ins Gefängnis gehen. Er soll einen Mord aufklären, der 39 Jahre zurück liegt und zu dem es keine Leiche, keinen Tatort und kaum Indizien gibt. Als er nicht weiter kommt, wendet er sich an Lisbeth. Im verschneiten Nirgendwo irgendwo in Schweden umgeben sie sich mit alten Fotos, befragen Tatverdächtige, die allesamt aus der Familie stammen, lassen sich beschießen und beobachten und kommen der Sache immer näher. Dieser Teil der Geschichte ist nichts Besonderes. Derlei Geschichten sind jeden Sonntag im öffentlich-rechtlichen zu sehen. Nicht umsonst wird die Verfilmung der Millenium-Trilogie von Stieg Larsson mit Henning Mankells Wallander-Romanen verglichen.
Nein, es ist die Verbindung mehrerer scheinbar so verschiedener Schicksal, es ist vor allem die Figur der Lisbeth, die den Zuschauer 152 Minuten in den Kinosesseln halten. Wie Schicht um Schicht abgetragen wird bis die Grenzen zwischen Opfer und Täter verschwimmen, bis die aufzuklärende Geschichte in den Hintergrund tritt. Es ist die Distanz, die Lisbeth Salander so faszinierend macht. Distanz, die sie zu ihrer Welt genauso hält wie zum Kinopublikum. Obwohl der Film so viel preisgibt über ihre Vergangenheit, ihre Gegenwart; obwohl wir sie zu durchschauen meinen, bleibt sie doch immer fremd. Das liegt im Charakter der Figur. Im Blick, in dem die Härte die Verletzungen zu überdecken droht - und es doch nie ganz schafft.
