das jahr der schlechten nachrichten - woche 1

January 7th, 2009

Jaja, unser aller Kanzlerin hat es ja laut und deutlich artikuliert - und wer es nicht glauben wollte, wird jetzt eines besseren belehrt: 2009 wird das Jahr der schlechten Nachrichten. Schon die erste Woche des frisch geschlüpften und tief verschneiten Jahres war voll davon.

Schlechte Nachrichten für Thüringen: Am Neujahrstag ging die Nachricht durch das grüne Herz Deutschlands: Ministerpräsident Dieter Althaus bei einem Skiunfall schwer verletzt. Eine Frau ist tot. Seit gestern häufen sich die Meldungen, dass Althaus Schuld sei am Zusammenstoß und somit am Tod der vierfachen Mutter und Frau eines Nato-Offiziers. In Thüringen wird dieses Jahr gewählt. Fällt Althaus länger aus, scheint ein rot-roter Regierungswechsel unausweichlich. Was für schlechte Nachrichten! Bodo Ramelow als neuer Ministerpräsident! Da scheint die Idee fast schön, dass der Nato-Offizier bei Schuldnachweis ein paar Truppen einpackt und Thüringen erstmal besetzt. So als herrschaftsfreies Gebiet.

Schlechte Nachrichten für die Bauern: Der Milchstreik war vergebens. 44 Cent kostet derweil ein Liter H-Milch, 49 Cent ein Liter Frischmilch. Das ist weniger als vor den Milchpreis-Debatten im vergangenen Jahr. Das Wort Finanzkrise hat für den Milchbauern wohl auch eine ganz besondere Bedeutung.

Schlechte Nachrichten für den Ladenöffnungszeitenausnutzer: Der kriegt nämlich in dieser Woche keine Milch. Wahrscheinlich horten zuhause alle dieses preiswerte Getränk, denn im Jahr der schlechten Nachrichten muss es ja wieder teurer werden - und dann hat man was gespart. Wer halb Acht in den Discounter seiner Wahl kommt, starrt in leere Pappkartons, weder frisch noch haltbar gemacht ist das tierische Getränk zu haben. Nur noch als Buttermilch - aber ob damit der Pudding schmeckt?

Für Weimarer Bürger: Es schneit und schneit und schneit. Das schöne, alte Pflaster verwandelt sich in Sekundenschnelle in eine böse Seifenbahn, die Asphaltstraßen weißen sich voll, der Schnee stapelt sich. Doch der Winterdienst ist nirgends zu sehen. Erst heute, drei Tage nach dem ersten Schnee, sind alle Straßen plötzlich geräumt. Zuvor kämpfte der Unterboden gegen verharschte Schnee-Gebirgchen zwischen den freigeschmolzenen Autoreifenpfaden, bewegten sich Fußgänger extrem langsam im Entengang - bis sie sich regelmäßig ganz schnell bewegten - abwärts. Aber wer fällt nicht gern auf das Pflaster, auf dem sich auch Goethe mit 89%iger Sicherheit schon einmal den Dichterpo blaustieß. Und die Leute die auf der Bundesstraße durch Weimar durchfahren wollen, können dank Langsamfahr-Garantie endlich mal sehen, wie schön Weimar so im angeeisten Seitenspiegel aussieht. Von daher eigentlich doch nicht komplett schlechte Nachrichten.

Und schlechte Nachrichten für das Nobelpreis-Komitee: Die Lyrikerin Inger Christensen starb am 02. Januar. Jetzt ist den Preisverschenkern schon die erste Dauerdauerdauerkandidatin weggestorben, die ihn wirklich verdient hätte.  Traurig auch für alle anderen, die die Sprache und das Spiel damit lieben, das Christensen so gut beherrschte.

Wenn ich Gedichte schreibe, dann kann es mir einfallen,
so zu tun, als schriebe nicht ich,
sondern die Sprache selber.

[inger christensen]

[edited 8.Januar 15:23]