vom leben gelernt

December 19th, 2008

Der Sommer kommt schneller, als man denkt! Mit dem ICE in den Weihnachtsheimaturlaub gefahren! Was für ein tolles Gefühl auf das Gleis außerhalb der Bahnhofshalle zu hetzen, durch die erste Klasse und das BordBistro zu wackeln und massenhaft Handtaschen mit Fensterplätzen, die zusammen mit verkniffenen Gesichtern verreisen. Was für ein Gefühl, was für eine Schienenlage. Aber schneller am Ziel als der Ersatz-IC war er auch nicht. Alles egal, Hauptsache Sommer. Die Sonne hat ja immerhin schön durch die Wolken gelugt.

bei der bahn ist jetzt winter

December 16th, 2008

Die Bahn kommt. Wieder pünktlich. Es ist kaum zu glauben, aber der am Wochenende eingeführte Winterfahrplan macht das schreckliche Wort "Ersatz-Zug" obsolet. Die muffigen ICs, die Mehdorn wohl persönlich aus seiner Ramschkiste gesucht hat, sind jetzt hauptamtlich und vollkommen offiziell in Sachen Personentransport unterwegs. Das macht allerdings auch das Wort "ICE-T" für die Dauer des Winterfahrplans obsolet. Von wegen bis Weihnachten oder vielleicht Februar. Welch erhebendes Gefühl wird es sein, wenn man den weißen Wurm mit dem schlankmachenden roten Streifen wieder erblickt, wie er sich in die Bahnhofshalle gräbt. Welch tolles Gefühl wird es sein wieder in zweireihigen Sesseln zu versinken, die Steckdose um die Ecke, alles geordnet und symmetrisch und wie früher. Eine wunderschöne Landschaft, die man nur schraffiert und verzerrt erkennt, der Rausch der Geschwindigkeit. Dann wird man auch wissen: Es ist wieder Sommer!

Bis dahin also muss man sich damit abfinden, dass die unsäglichen, aber unumgänglichen Verspätungen der Ersatz-Züge zwar gekillt wurden - allerdings nur für den Preis, dass jetzt die offizielle Beförderungsdauer verlängert wurde. Und die neue Pünktlichkeit der beförderten Ersatz-ICs hat ihren Preis. Einen Euro mehr will die Bahn haben, weil man sich ja jetzt auch fünf Minuten länger in ihren Wagen aufhält. 

das b-wort

November 12th, 2008

Schon mal mit Shakespeare durch die Stadt gegangen? Keine ruhige Minute hat man da. Von allen Seiten raunt und tuschelt es. Mit dem Finger zeigen sie auf uns. Regelmäßig wird er fotografiert. Am Anfang dachten meine Familie und ich, das sei nur eine Übergangsphase. Die Passanten würden sich schon an ihn gewöhnen. Außerdem würde er ja auch noch wachsen.

Aber nichts. Das Fingerzeigen, Tuscheln und Fotografieren ging weiter. Es wurde sogar noch schlimmer. Sie kamen an, hätschelten ihn am Kopf.“Ja gutschi, gutschi,  bist Du aber ein wunderschöner Hund.“ Wenn manche Menschen einen Hund sehen, verlieren sie alle Hemmungen. Sie vergessen, dass es sich auch bei einem Hund um  ein Individuum handelt, das nur zu höflich ist, um ihnen sofort die Nase abzubeißen. Rechtlich ist unser Shakespeare sogar ein Gegenstand. Was würden  all die Tätschler,  sagen, wenn ich am hellerlichten Tage ihr Auto streichelte: „Ja gutschi, gutschi, bist Du aber ein schönes Auto!“

Heute aber war ich kurz davor, meine Höflichkeit zu vergessen. Als ein übergewichtiger, glatzköpfiger Prolet mit Mundgeruch auf Shakespeare zurannte und ihm einen Nasenkuss verpasste. Mehrere Sekunden lang. Völlig unbeirrt von der Tatsache, dass ich mit meiner Familie die Augenbrauchen synchron in die Höhe schnell ließen. Meine gute Erziehung verbot mir zu sagen: „Zahlen Sie dann auch den Psychologen, der meinen Hund von diesem Trauma befreit?“

Am Schlimmsten sind allerdings die, die mich bei Frostgraden kurz nach der Dämmerung im Park auf meinen schönen Hund ansprechen und mit ihrem vermeintlichen Wissen protzen. „Der ist noch jung, hm?“ – „Ja, 14 Monate.“ – „Da wächst er bestimmt noch.“ – „Ein wenig.“  Dann, mitten aus frostigem und noch nicht ganz blauem Himmel kommt es, das B-Wort:  „Alle Bernhardiner, die ich kenne, sind viel  breiter.“ – „Schön, nur gut, dass Shakespeare ein Berner Sennenhund ist.“

Kann man ja mal verwechseln. So einen schwarzen Hund mit weißen und braunen Flecken mit einem weißen Hund mit braunen Flecken. Meine Lieblingsantwort: „Achso, dann ist der also auch gar nicht nach dem Film ‚Ein Hund namens Beethoven‘  benannt?“ Nein,  genau genommen war Shakespeare der größte englische Dichter und hatte weder braune Flecken, noch ein Rumfäßchen um den Hals.

[will sagen - der November-student! ist da und liegt überall, wo Studenten zum Studieren hinkommen...die Kolumne ist auch drin, aber die kennt ihr ja jetzt schon]