October 13th, 2009
Nichts ist unberechenbarer als der Finanzsektor! Diese Aussage ist dieser Tage sehr populär. Politiker, Banker - sogar Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann: Alle waren völlig überrascht, dass die als kleine Jubiläumskrise geplante Konjunkturschlappe (”Gedenkknick 80 Jahre Weltwirtschaftskrise”) plötzlich völlig außer Kontrolle gerier. Arbeitsplätze, Automobilzulieferer, ein ausgeglichener Bundeshaushalt - alles von der Krise zerstört.
Es gibt allerdings eine Institution, die diese Unberechenbarkeit noch um Längen schlägt: Das Komitee, das den Literatur-Nobelpreis vergibt. Diesen Ruf hat es sich auch redlich über viele Jahre verdient. Schon Monate vor der Preisvergabe lassen die Juroren tonnenweise Zeitungen aus der ganzen Welt einfliegen. Jeder Schriftsteller, der in einem noch so kleinen Lokalanzeiger als Anwärter für den Nobelpreis genannt wird, ist automatisch aus dem Rennen. Der US-Amerikaner Philipp Roth ist so oft durchgestrichen, dass er auf den Listen für die kommenden 100 Jahre nicht mehr auftauchen wird. So heiß wird er jedes Jahr als Top-Favorit gehandelt - und jedes Jahr mehr, schließlich hatte er es schon im jeweils vergangenen Jahr mehr als verdient.
In diesem Jahr gewann Herta Müller - natürlich eine unberechnete Überraschung. Müller lebt seit 1987 in Berlin. Dort gibt es einen Sportverein, der dieser Tage unberechenbar eingebrochen ist und mit Negativergebnissen die rote Laterne verteidigt. Zeichen von Herta für Hertha: Auch ein Tabellenletzter kann Nobelpreisträger werden. Einen erfolglosen Fußballverein hatte noch nie ein Literatur-Experte auf der Liste.
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Dieser Text durfte bei meinem Arbeitgeber nicht erscheinen. Begründung: Für eine Kolumne ist er zu intelligent, der Leser muss sich viel zu sehr konzentrieren. Da nütze auch die gute Pointe nicht. Jaja, dem Leser drei Minuten Konzentration abzuverlangen, ist wirklich eine ganz schöne Zumutung. Wie schaffen die es dann, ein Buch von Herta Müller zu lesen? Oder den Kommentar zu 90 Minuten Hertha-Kick zu ertragen?
Tags:Medien, sport
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June 13th, 2009
Wer ein vollständiges Bild gewinnen will, muss also auch über die Wessis reden, die viel weniger erforscht sind, viel weniger Aufmerksamkeit gefunden haben - und wenn, dann vor allem summarische. Den Ossi hat man vielleicht schon zweimal zu viel analysiert, der Bundesdeutsche ist gut erkundet, der Wessi aber bisher ein ziemlich blasser Mythos.
Dafür gibt es Gründe in der Sache: Ossi ist man immer, Wessi nur in der Begegnung mit Ostdeutschen und im Reden über sie. Für Ossis war 1989 eine Zäsur, die ihr Leben prägte. Bundesdeutsche konnten so tun und tun es ja heute noch gern, als beträfe sie das nur am Rande. Sie machen höchstens noch von der Möglichkeit Gebrauch, so viel Übel wie mögllich - Rechtsextremismus, Verwahlosung, Staatsgläubigkeit, Kindstötung - in den Osten zu entsorgen, als helfe es, wenn man zu Problemen sage: “Geh doch nach drüben!’
[Jens Bisky heute im Feuilleton der Süddeutschen]
Es ist ein Thema, das uns verfolgt in diesem Dauer-Jubiläums-Jahr. Unter anderem gedenken wir 20 Jahre Mauerfall, obwohl das ein Ereignis ist, dass nicht in der Vergangenheit liegt, sondern in der Zukunft. Denn die Mauern in den Köpfen sind noch nicht gefallen.
Ich verstehe das Problem durchaus. Wem 40 Jahre konsequent und allumgebend erzählt worden ist, der jeweils andere Deutsche sei der größte Feind und lebe im falschen System, der kann nicht plötzlich und auch nicht nach 20 Jahren “Einheit” sagen, er sei nicht anders. Er kann wahrscheinlich genauso wenig sagen, er möge den anderen. Read the rest of this entry »
Tags:Medien, ost und west, politik
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May 30th, 2009
Ich kann nichts dafür. Sie sind einfach gut. Ich höre sie einfach dauernd. Und wenn sich mein Journalistik-Prof dann bei DLF-Kulturfragen zum Top-Thema “Die Zukunft des Zeitung” äußert, dann muss ich hier einfach einen Link dazu hinterlassen.
Nicht nur, weil er viel Wahres sagt und den ganzen Unkern ein bisschen Recht gibt und ihnen auch gleichzeitig den Wind aus den Segeln gibt. Nein, so schön Medien erklären kann einfach nur Professor Michael Haller. Anhören!
Tags:Medien, uni leipzig
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May 26th, 2009
“Ich kämpfe gegen den modernen Demokratismus”, legt der Kabarettist Florian Schroeder dem von ihm parodierten Innenminister Wolfgang Schäuble in den Mund. Seit Jahren schon warnt letzterer vor der akuten Terrorgefahr in der Bundesrepublik Deutschland, um sukzessive die garantierten Grund- und Freiheitsrechte einzuschränken.
Da kommt ein gerade so vereitelter Anschlag und die Überführung der sogenannten Sauerlandzelle gerade recht. Sehr nachdenklich macht bei der unhinterfragten Nachrichtenlage zur “Sauerlandzelle” ein Feature von Walter van Rossum, das am 12. Mai im Deutschlandfunk lief. Jeder, der mal was mit Medien machen will oder schon macht und jeder, der sich für einen kritischen Zeitgenossen hält, sollte es hören. Die Geschichte vom Käfig voller Enten [flashplayer dradio].
Tags:Medien, politik
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May 11th, 2009
Da muss ich gleich mal Folgendes hinterher schießen: “Althaus hat Angst vor Spätfolgen“. Es gibt doch wirklich kein privates und irgendwie mit dem Thema Ski-Unfall verknüpftes Thema, das man nicht noch aufwerfen könnte. Ist das wirklich eine Wahlkampftaktik oder wissen die Medien vor lauter Schnee nicht mehr, was sie schreiben sollen? Mannmannmann.
Tags:Medien, thüringen
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May 10th, 2009
Das SZ-Magazin jeden Freitag in der gleichnamigen Zeitung ist sowieso meistens das Highlight der Leserwoche. Auch wenn ich seit einigen Ausgaben das “Gemischte Doppel” furchbar doll vermisse und mir deshalb sogar schon das gleichnamige Memory gekauft habe.
Aber dieses SZ-Magazin-Heft war ja wirklich besonders amüsant. Ein ganzes Alphabet über Journalisten, Blogs, Zeitungen und deren Zukunft, Auflagen und so weiter und so fort. Zwar hin und wieder ziemlich oft redundant, blieb es trotzdem ein extrem erheiternder Kicherverursacher. War eindeutig die albernste Person im IC-Abteil.
Als angehende Journalistin hat es mir besonders die schmucke Tabelle über die Journalisten angetan. Mir doch egal, wenn die Insider ist. Die Süddeutsche hat sie schließlich auch gedruckt. Trotzdem.
Tags:Medien
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May 8th, 2009
Jetzt auch bei twitter angekommen. Das iPhone eröffnet völlig neue Möglichkeiten und macht die virtuelle Massenkurzmitteilung plötzlich attraktiv.
Aber noch fünf Minuten einfinden, frage ich mich: Warum twittert die olle TLZ und “wir” nicht? Und warum kann ich Karla Kolumna nicht finden? Bin ich doch eigentlich nur auf ihr freudiges Drängen hin am Zwittscher-Experimentieren.
Also erstmal auf den altbackenen Web 2.0 Weg: Obama kommt auf jeden Fall nach Weimar. Wenn das kein Grund ist, mich endlich mal zu besuchen!
Tags:Medien, obama, twitter, weimar
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May 8th, 2009
Die Ostdeutschen stört nicht, was über sie in den Medien berichtet wird, sondern dass es klingt wie Auslandsjournal.
[Christoph Diekmann zitiert nach Hans-Jörg Stiehler]
Gestern trafen in der Uni Michel Foucault und Kommunikationswissenschaft aufeinander. Eine Referentin stieß im Seminar “Ostdeutschland in den Medien” eine Diskussion zur Konstruiertheit des Ostdeutschen an. Zuvor hatte sie eine halbe Stunde über unterschiedliche Radionutzung in Ost und West gesprochen, für Fernsehen und Presse lassen sich auch zwanzig Jahre nach der Wende noch gravierende Unterschiede feststellen. Das Problem der kommunikationswissenschaftlichen Empiriker: Sie können sie nicht so recht erklären, weil sich viele soziokulturelle Faktoren, die man kurz nach dem Mauerfall als Erklärung heranzog, immer mehr angleichen.
So ist zu konstatieren, dass die Ostdeutschen früher am Tag den Fernsehr einschalten und länger fernsehen. Sie haben einen Hang zur Unterhaltung, schauen eher Privatfernsehen (dazu in der von RTL in Auftrag gegebenen Studie “Deutschland einig Fernsehland”: Von Ostdeutschland lernen heißt genießen lernen), hören eher Begleit- als Einschaltradion und sind seltener Nutzer von Qualitätspresse. Diese Unterschiede existieren real.
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Tags:gedanken, Medien, ost und west, uni
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