August 3rd, 2009
Wenn wir schlafen nimmt uns das Leben
Menschen und Hoffnung und Zeit
und sind wir auch wachend
- ob weinend, ob lachend -
bekämpft uns die Ewigkeit
Diagnose unheilbar
die Angst wird unteilbar
und wird doch von allen geteilt
Schwarz sind die Tage
es war nur eine Frage
innerer Sicherheit
Wenn wir leben nimmt uns das Leben
Träume und Frieden und Sinn
selbst wenn wir erstarren
in Trauer verharren
der Schmerz weiß immer wohin
[für s.]
Tags:poesie
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October 3rd, 2008
Der Sommer fängt an zu rosten und fällt rot und gelb auf die Straßen. Die Wolken werden grauer, aber sind immer seltener zu sehen, denn die Nacht steht immer früher auf. Selbst die glühend rote Gerbera in meinem Fensterbrett verblüht, obwohl sie die Kälte nur hinter Glas sieht, wie im Zoo.
Doch wenn die Tage nur noch lang bekleidet lebbar sind, dann öffnen in Kleinstädten wieder die Schwimmhallen. So auch hier. Chlorwasserbadewanne mit meerblauen Fliesen, sieht nicht wie Südsee aus und verheißt doch Entspannung. Unter Wasser ist die Sicht so klar. Abstoßen vom Beckenrand und unter Wasser fliegen. Mit möglichst wenig Bewegung. Das Wasser trägt schon - von allen Seiten. Dann ein paar Züge und schon ist der Rhythmus da. Arme und Beine graben sich ein in das Wasser, das zunächst unangenehm kalt ist, dessen Temperatur dann immer unwichtiger wird. Der Rhythmus ist entscheidend, er wird immer gleichmäßiger, unter Wasser Luft freisetzen und ihr beim Auftauchen zu sehen, immer langsamer denken und immer schneller schwimmen. Es ist leer am Abend, Platz zum Leben, Platz zum Entspannen.
Der Körper heizt sich auf. Jetzt ist er so warm, dass die Schwerelosigkeit im Wasser noch deutlicher wird. Am warmen Körpfer gleitet das kalte Wasser vorbei, gleichmäßig. Es ist nicht mehr unangenehm, sondern kühlt. Kühlt den Kopf und die Seele. Richtige Betriebstemperatur. Wie das Wasser gleiten die Gedanken vorbei, sie können sich nicht festhalten, sie bleiben zurück hinter der regelmäßigen Atmung, hinter den Kopf-, Arm- und Beinbewegungen. Sie würden stören in dieser Einheit. Sie sind nur eine kleine Erinnerung an das Leben außerhalb des Beckens, in dem die Schwerkraft ihnen hilft, sich bis in die innerste Synapse durchzuquetschen, festzubeißen und dort zu bleiben. Hier bin ich frei. Die Lichter unter Wasser gehen an. Wenn man nah genug vorbei schwimmt, wärmen sie für einen kleinen Augenblick. Die Welt scheint sich umzukehren. Das Licht kommt von unten, also von oben. Ich tauche ab, um Luft zu holen und bin an der Oberfläche zuhaus. Den blauen Fliesen, auf denen ich lautlos liegen kann. Verweilen - bis mir die Luft ausgeht. Eine Minute Glückseligkeit.
(irgendwann soll es wieder so sein. und es sollen vier hände sein…nicht nur zwei)
Tags:gedanken, poesie
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