pedantische platzkartenbesitzer
November 6th, 2008Bielefeld existiert.Es ist kein menschen- und ideenverschlingendes Schwarzes Loch, wie ein Kollege am Dienstag angedeutet hatte. Aber in seiner Grundatmosphäre kommt es der Farbe des mit ihm assozierten astronomischen Phänomens ziemlich nah: Dunkelgrau. Ja, es hat keine Sonne geschienen und in herbstlichen Einkaufsstraßen ohne nennenswerte Begrünung, oder im aktuellen Fall Bebuntung, machen da alle wenig her, aber dass es anderen Städten auch so geht, macht Bielefeld aktuell nicht hübscher.
Der Bahnhof betreffender Stadt ist zudem im Hinblick auf Gastronomie und klimatisierte Sitzgelegenheiten noch schlechter ausgestattet, als das kleine, aber touristenabhängige Weimar, das mir als Wahlheimat an ausgewählten Wochenende immer mehr ans Herz wächst. Sitzen kann man dort also nicht, dafür sind die Bahnhofslautsprecheransager viel freundlicher. Das müssen sie auch, denn Züge scheinen ausnahmslos Hemmungen zu haben, in Bielefeld einzufahren und zögern den Moment so lange wie möglich hinaus. Wahrscheinlich haben die Lokführer zuvor allesamt ähnliche Gerüchte gehört, wie mein Kollege. Der IC, der mich gen Osten bringen sollte, musste es natürlich gleich wieder übertreiben und vertrödelte sage und schreibe 40 Minuten. In meiner logischerweise ebenso verlängerten Wartezeit rumpelte es im Minutentakt im Bahnhofslautsprecher und der Bahnhofslautsprecheransager sagte weitere Bummelantenzüge an. Ein Bielefelder Bahnhofslautsprecheransager hat mindestens ebenso hohe Sprechanteile wie der Moderator eines x-beliebigen Info-Radios. Trauen sich die Züge dann endlich in die menschen- und am liebsten zugführerfressende Stadt, sind sie meist angenehm leer. So auch der von mir sehnlichst mit angefrorenen Füßen erwartete Inter City.
