domino days und mikado-marathon

September 8th, 2009

Kaum habe ich dem beschaulichen und friedlichen Thüringen den Rücken gekehrt und mich Nordrhein-Westfalen zugewandt, muss ich mich in der westlichen Fremde für die östliche Heimat fremdschämen. Wenn die Leute mich fragen: “Ja, sag mal, spinnen die in Thüringen jetzt alle?” Was soll ich darauf ernsthaft antworten?

Etwas wehmütig bleiben die Zeilen aus Rainald Grebes liebevoller Thüringen-Hymne im Kopf hängen. Sie scheinen jeden Tag unwirklicher:

“Thüringen - das grüne Herz Deutschlands
seit wann sind Herzen grün?
Grün vor Neid aufgrund Bedeutungslosigkeit
Grün vor Hoffnung, dass es lange Zeit so bleibt…”

Heute ist Thüringen in aller Munde. Die haben einen Ministerpräsidenten, der vom Rücktritt zurück tritt. Einen Linken-Spitzenkandidaten, der erst auf den Ministerpräsidentenposten verzichten will (verkündete er vor etwa einem Jahr), dann nicht mehr und jetzt vielleicht doch wieder. Und dazwischen eine SPD mit einem völlig verschreckten Christoph Matschie, die es komplett versäumt, die Wackelei der anderen Partei-Köpfe für sich zu nutzen und sich nach all den Negativ-Schlagzeilen der vergangenen Monate und Jahre endlich einmal positiv im Wählerherzen zu profilieren.

Es scheint, als hätte irgend jemand der Thüringen-SPD gesagt: Wenn alle anderen Domino Day spielen, spielt ihr Mikado. Bewegt euch nicht bis zur Bundestagswahl. Denn seit dem aktuellen Angela-Merkel-Wahlkampf wissen wir: Wer nichts macht, macht nichts falsch und ist trotzdem beliebt. Nur irgendwie habe ich das Gefühl, dass in Thüringen grad alles anderes ist.

Es bleibt uns nur, mit all den Allgemeinplätzchen-Phrasendrescher auf die neue Entscheidungsfreiheit nach der gefürchteten Bundestagswahl zu warten und mit Rainald Grebe von den guten alten Zeiten zu singen: “Thüringen, Thüringen, Thüringen - ist eines von den schwierigen Bundesländern. Denn es kennt ja keiner außerhalb von Thüringen.” Schön war’s.

neues aus dem eichsfeld

May 11th, 2009

Da muss ich gleich mal Folgendes hinterher schießen: “Althaus hat Angst  vor Spätfolgen“. Es gibt doch wirklich kein privates und irgendwie mit dem Thema Ski-Unfall verknüpftes Thema, das man nicht noch aufwerfen könnte. Ist das wirklich eine Wahlkampftaktik oder wissen die Medien vor lauter Schnee nicht mehr, was sie schreiben sollen? Mannmannmann.

bloggen üben stufe zwei

May 5th, 2009

Das einfache Verlinken interessanter Beiträge reicht zumeist nicht aus, um sich in der Bloggerszene zu etablieren. Außerdem liegt es weit unter dem Anspruch der meisten Blogger, die auch ein bisschen Meinung machen wollen. Nicht nur den meinungsmonopolbesitzenden Medien die Deutung der Welt überlassen.

Um mich langsam wieder ans Bloggen zu gewöhnen, bin ich in Phase zwei übergegangen: Andere Blogs mit Kommentaren beglücken. In diesem Fall zum politischen Problem in Thüringen: Die CDU, ihr Spitzenkandidat und die Landtagswahl.

Wer mitdiskutieren will, ich freu mich riesig drauf. In Thüringen sind die meisten “Live-Gesprächspartner” des Themas schon überdrüssig geworden, winken genervt ab und reden vom Wetter.

gehen, wenns am schönsten ist

September 24th, 2008

Erst ging die GamesConvention, zumindest große Teile von ihr. Die Unterhaltungselektronik-Riesen werden ab 2009 in Köln ausstellen, um möglichst noch mehr Besucher anzulocken. Leipzig war gut genug, solange der Messe die Klientel "Freaks und Kellerkinder" zugeordnet wurde. Als die GamesConvention aber ein wahrer Magnet für fast alle aus der werberelevanten Zielgruppe 14- bis 49-Jähriger wurde, suchte man Zuflucht bei einer Stadt, die zwar nicht für ihre Messen bekannt ist (höchstens für die in ihrem Dom), dafür aber in einem riesigen Einzugsgebiet potenzieller Werberelevanter befindet. Money makes the world go round!

Und jetzt geht das nächste ostdeutsche Event-Aushängeschild. Das "Highfield-Festival" wird 2009 zum letzten Mal am Stausee und Namensgeber Hohenfelden stattfinden. Schuld ist hier weniger das Geld, denn 2008 war das Festival mit 25 000 Besuchern erstmals ausverkauft. Nein, das Problem sind die Bierflaschen und Kronkorken, die die nicht ganz so relevanten Werbeträger vor allem in den Abendstunden hochprozentig angeheitert herumliegen lassen und die der Agrargemeinschaft Bad Berka die Camping- und Parkflächen des Festivals für den Rest des Jahres diese Hektar als Anbauflächen rauben. Wo es hingehen soll, ist noch unbekannt. Veranstalter Dieter Semmelmann wird in der heutigen Thüringer Allgemeine mit dem Wunschraum Leipzig zitiert, wo es viele ehemalige Tagebauorte gebe, die sich ähnlich eigneten. Doch auch einer verspäteten Einigung mit den Verpächtern am Stausee Hohenfelden sei man nicht abgeneigt.

Rocken also bald am Cospudener See, wenn schon nicht mehr Daddeln auf der neuen Messe?